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Ostholsteiner Anzeiger

16. August 2017 | 15:24 Uhr

Eine bemerkenswerte Rückkehr

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das wilde Truthuhn in Kanada galt lange Zeit als ausgerottet / Bestand der imposanten Wildvogelart hat sich erholt

Als die Europäer Nordamerika besiedelten, lebten dort ungefähr zehn Millionen wilde Truthühner, die von den Indianern bejagt und teilweise auch domestiziert wurden. Nach notwendig langen Umwegen gelten diese Vögel heute also als Stammform unseres Haustruthuhns – dem Puter, im Niederdeutschen auch „Kollerhahn“ genannt. Zumindest in Kanada wurde diese imposante Wildvogelart durch die europäischen Einwanderer bis in unsere Zeit ausgerottet.

Truthühner gehören – wie der Name eigentlich schon sagt – in die Ordnung der Hühner, und sie sind in der Familie der Fasane zu Hause. Die „North Bay Nipissing News“ in Ontario brachte kürzlich eine Meldung, die möglicherweise einem Jahrhundert-Deal mit Wildtieren gleichkam. Im Bestreben einer Wiedereinbürgerung erreichten demnach bereits 1984 274 wilde Truthühner aus verschiedenen Staaten der USA den Westen Ontarios, und zwar im Tausch gegen Fischottern, Rebhühner, Gänsearten und Elche

Und wie sah der Handel zum Beispiel im Einzelnen aus? 18 Fischotter gingen im Tausch gegen Truthühner in den Staat Missouri, einige kamen aus Iowa, wohin bereits früher Kanadagänse geliefert wurden, New York erhielt 120 ungarische Rebhühner, und aus einem Zuchtprogramm wurden New Yersey und Vermont beliefert.

Dr. David Ankney, eremitierter Hochschullehrer der Biologie an der „Universität of Western Ontario“, war der Drahtzieher des Handels mit Truthühnern, um diese großen Wildvögel in ihrer alten Heimat erneut anzusiedeln. Heute zählt die Population wieder nahezu 100  000 Tiere, erstaunlich, wenn man bedenkt, dass diese Vogelart im frühen 20. Jahrhundert von der Karte Ontarios vollständig verschwunden war. Und es kann heute sogar wieder Jagd auf sie betrieben werden.

Dennoch war es anfangs fraglich, ob Truthühner mit ihrem für einen flugfähigen Vogel hohen Gewicht im tiefen Schnee und bei dem zeitweiligem Fehlen an Nahrung im kanadischen Winter überleben könnten; es hat sich jedoch gezeigt, dass die Tiere sehr widerstandsfähig sind. Der einen Meter große Hahn kann zehn Kilogramm auf die Waage bringen, die Henne wiegt nur die Hälfte. In Notzeiten jedoch können diese Vögel glatt zwei Wochen ohne Nahrung auskommen, und
sie verlieren dabei die Hälfte ihres Gewichtes, was bei Änderung der Situation relativ schnell wieder aufgeholt werden kann.

Hierzulande weiß man, dass in der landwirtschaftlichen „Puten“-Produktion die Aufzucht der Jungvögel einen schwierigen Teil der Haltung darstellt. Ihnen muss sehr eiweißreiche Nahrung angeboten werden, und so nehmen auch junge Wildvögel in den ersten Wochen nur tierische Nahrung wie Insekten auf. Später ist eine All-round-Kost angesagt, die grüne Pflanzenteile und speziell Blattknospen darstellt.

Obiger Zeitungsbericht spricht auch von einem Versuch, einheimische Tiere in Volieren zu vermehren, um diese dann – an das Klima adaptiert – der Freiheit zuzuführen. Das misslang jedoch, da die Hähne in Gefangenschaft nicht zur Fortpflanzung gebracht werden konnten. Erst als man domestizierten Truthähnen wilde Hennen beigab, stellte sich Nachwuchs ein, der dann rückgekreuzt wurde, so dass nur noch ein Achtel „domestiziertes Blut“ in der Zucht vorhanden war. Das funktionierte zwar, aber der Weg war zeitraubend und wurde daher wieder verlassen. Außerdem gab es Schwierigkeiten, das Ministerium für Naturschutz für diesen Weg der Aufzucht zu überzeugen.

Truthühner (turkeys) spielen bekanntlich anlässlich „thanksgiving“ – dem nordamerikanischen Erntedankfest (4. Donnerstag im November) – eine große Rolle, wenn nordamerikanische Hausfrauen traditionell einen Truthahn auf den Tisch bringen.


Weitere Infos unter www.vogelschutz eutin-badmalente.de


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erstellt am 15.Feb.2017 | 15:42 Uhr

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