Eutin 08 : Eine Ära endet – der Neustart gelingt

Lars Callsen (Mitte) sammelte nach seiner Amtsübernahme acht Punkte in fünf Spielen.
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Lars Callsen (Mitte) sammelte nach seiner Amtsübernahme acht Punkte in fünf Spielen.

Überraschungen, Tore, Turbulenzen: Regionalligist Eutin 08 hat ein bewegtes Fußball-Jahr hinter sich – der OHA blickt zurück. Heute: Teil zwei – Juli bis Dezember.

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27. Dezember 2017, 10:23 Uhr

Eutin | Von der Kreisliga bis in die vierthöchste deutsche Fußball-Spielklasse – so schnell wie Eutin 08 haben diesen sportlichen Aufstieg nur wenige Mannschaften geschafft. Ganze vier Jahre brauchten die Ostholsteiner, um ihren rasanten Ritt durch die Kreis-, Verbands- und Schleswig-Holstein-Liga im Sommer mit dem Aufstieg in die Regionalliga Nord zu krönen. Maßgeblichen Anteil an dieser beeindruckenden Reise hatten „Macher“ Arend Knoop und Trainer Hans-Friedrich „Mecki“ Brunner, der das Team Weihnachten 2013 übernommen hatte. Auch wenn das Jahr 2017 in der Vereins-Historie für immer mit dem Aufstieg verbunden bleiben wird, hielt es für die 08-Fußballer noch ganz andere Facetten bereit: Überraschungen, Turbulenzen, Abschiede. Der Ostholsteiner Anzeiger blickt chronologisch auf ein bewegtes Fußball-Jahr zurück. Heute: Teil zwei – von Juli bis Dezember.

2. Juli: Kurz nach dem Start der Vorbereitung auf die Regionalliga-Saison gewinnt Eutin das erste Testspiel gegen Schilksee. Mit dabei sind die Neuzugänge Moritz Achtenberg, Marvin Obenaus, Marcus Steinwarth, Lukas Benner, Thies Borchardt und Rene Hohenstein.

15. Juli: Drei Tage nach dem 3:1 im Landespokal-Achtelfinale gegen Inter Türkspor Kiel blamiert sich Eutin 08 im zweiten Pflichtspiel der Saison bei der Husumer SV – und wie. Der Regionalligist unterliegt bei dem Landesligisten mit 2:3 und verspielt im Viertelfinale frühzeitig die Chance auf eine mögliche Teilnahme am DFB-Pokal. „Wir sind riesig enttäuscht“, sagt „Mecki“ Brunner nach der Partie.

30. Juli: Auch die Premiere in der Regionalliga geht in die Hose. Das Brunner-Team verliert trotz Halbzeitführung 1:3 bei Germania Egestorf-Langreder. Das Premierentor in der vierthöchsten deutschen Spielklasse hatte Florian Stahl erzielt.Die Gegentore zum 1:2 und 1:3 kassiert 08 erst in den Schlussminuten. Im Eutiner Lager wird die Niederlage unter der Rubrik „Lehrgeld“ abgehakt.

5. August: Angekommen! Eutin putzt Borussia Hildesheim vor 600 Zuschauern am Waldeck mit 4:0 und holt die ersten drei Regionalliga-Punkte. Nach ausgeglichener erster Halbzeit nimmt 08 die Gäste im zweiten Durchgang auseinander. Rico Bork hat mit zwei Treffern maßgeblichen Anteil daran.

2. September: 1850 Fans sehen das Derby gegen den VfB Lübeck – das spricht eigentlich für einen Fußball-Festtag. Wenn da nicht diese Negativserie wäre. Vor dem Spiel gegen den VfB hatte der Aufsteiger 1:4 in Jeddeloh, 2:3 gegen Drochtersen-Assel und 1:5 gegen Wolfsburg II verloren. Auch gegen Lübeck deutet sich zur Pause ein Debakel an, es steht 0:4 aus Eutiner Sicht. Nach dem Seitenwechsel rafft 08 sich noch einmal auf, schafft durch Florian Stahl und Rico Bork aber nur noch Ergebniskosmetik. Während die Gäste an die Tabellenspitze stürmen, hängt Eutin im Keller fest.

18. September: Es wird ungemütlich bei Eutin 08. Nach zwei weiteren Niederlagen, die gegen den Hamburger SV II (1:2) und St. Pauli II (0:1) nach jeweils guten Leistungen knapp ausgefallen waren, beraumt Arend Knoop eine Krisensitzung an. Der „Macher“ ist unzufrieden mit der Arbeit des Sportlichen Leiters Peter Schubert und moniert fehlende Verstärkungen im Kader. Gerüchte, dass auch „Mecki“ Brunner zur Disposition stehe, dementiert Knoop aber entschieden: „Mecki Brunner ist nach wie vor mein gesetzter Trainer.“

23. September: Mit großem Kampfgeist stemmen sich die Eutiner gegen Hannover 96 II gegen die sechs Spiele währende Pleitenserie und holen ein 1:1-Remis. Der Punktgewinn sorgt vorerst für Ruhe beim Aufsteiger. Diese wird jedoch nicht allzu lange anhalten.

19. Oktober: Das 2:3 in Havelse, das 0:4 in Oldenburg und der Fall ans Tabellenende ziehen zwei Tage vor dem Heimspiel gegen den Vorletzten Schwarz-Weiß Rehden Konsequenzen nach sich. Arend Knoop macht Kevin Wölk als einen Schwachpunkt der Mannschaft aus und beurlaubt den 32-Jährigen. Zudem sickert durch, dass Peter Schubert nicht mehr Sportlichen Leiter ist.

21. Oktober: Die Chaostage bei Eutin 08 erreichen ihren Höhepunkt. Der Aufsteiger geht durch Jan Frederik Kaps wieder in Führung, verliert am Ende aber 1:3 gegen Rehden. Neben der zehnten Saisonniederlage sind es aber vor allem die Nebenschauplätze, die 08 noch tiefer in die Krise stürzen. Der gerade erst beurlaubte Kevin Wölk war von Arend Knoop nach einem Gespräch mit Interims-Kapitän Christian Rave kurzfristig begnadigt worden und auf der Tribüne sitzend das Ziel des Jubellaufs von Kaps, als der gerade das Führungstor erzielt hatte. Ein Affront, der „Mecki“ Brunner nicht gefallen kann.

22. Oktober: Das Fass ist übergelaufen. „Mecki“ Brunner zieht die Konsequenzen aus der sportlichen Talfahrt und der Posse um Kevin Wölk, der 57-Jährige tritt als Trainer zurück. Mit seinem Rückzug endet eine erfolgreiche Ära. Seit seiner Amtsübernahme an Weihnachten 2013 war Brunner mit Eutin 08 von der Kreis- bis in die Regionalliga marschiert und war einer der maßgebenden Väter des Erfolgs. Arend Knoop will Brunner zwar noch umstimmen, seine Worte sind jedoch vergebens. „Ich hoffe, dass sich die Mannschaft nach meinem Schritt noch einmal schütteln kann und die Punkte holt, die sie braucht, um den Abstieg aus der Regionalliga zu verhindern“, sagt Brunner nach seinem Schritt. Sein Nachfolger wird Lars Callsen, der bis dahin die zweite Mannschaft betreut hatte und mindestens bis zum Saisonende bleiben soll.

31. Oktober: Besser hätte der Einstand von Lars Callsen nicht laufen können. Sein Team feiert gegen Lüneburg den zweiten Saisonsieg und tut beim 4:0 auch etwas für das Torverhältnis. Ins Auge sticht die veränderte Startelf. Im Tor steht Lukas Benner, davor verteidigen Moritz Achtenberg und Dennis Voß, Christian Rave spielt auf der Sechs. Vorne stürmt Rasmus Tobinski, während Florian Stahl 90 Minuten auf der Bank sitzt. Callsens Mut wird mit den Treffern von Rave, Steinwarth, Kaps und einem Eigentor belohnt. Mann des Tages ist aber Lukas Benner, der im Tor eine überragende Leistung zeigt.

4. November: Eutin gewinnt am Waldeck 3:1 gegen Eintracht Braunschweig II und gibt die rote Laterne mit dem zweiten Sieg binnen fünf Tagen an Altona 93 ab. „Ein super Gefühl, nicht mehr auf dem letzten Platz zu stehen“, sagt Lars Callsen.

2. Dezember: Nach zwei Achtungserfolgen (jeweils 1:1) bei Aufstiegsaspirant Weiche Flensburg und gegen Norderstedt verliert 08 1:2 gegen Jeddeloh. Es ist die erste Niederlage unter Lars Callsen. Der Aufsteiger lässt dabei reihenweise Chancen aus und bekommt dafür kurz vor Schluss die Quittung. „Wenn man die Tore nicht schießt, darf man sich nicht wundern, dass man hinten noch ein Gegentor fängt“, ärgert sich Kapitän Christian Rave. Da die folgenden Spiele bei Altona 93 und in Drochtersen ausfallen, war es das letzte Spiel in einem bewegten Fußball-Jahr 2017.

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