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Ostholsteiner Anzeiger

24. August 2017 | 11:28 Uhr

Eine Achterbahn für Lkw

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eine Geländelehrbahn der Bundeswehr-Fahrschule in Eutin geht in Kürze in Betrieb. Neben Lkw-Führerscheinen wird damit die Ausbildung in gepanzerter Radfahrzeugen möglich.

Achterbahn. Das ist zwangsläufig der erste Gedanke. Das Gefühl, wie mit einer Achterbahn „hochgezogen“ zu werden. Der Sitz geht in 45-Grad-Schräglage, der Blick richtet sich in den blauen Himmel, langsam schiebt sich der Lkw nach oben. Auf dem „Gipfel“ folgt aber keine rasante Abfahrt, sondern nach wenigen Metern eine „Rüttelplatte“: mit Minimaltempo quert der MAN 5-Tonner GL ein steiniges Bett, Fahrzeug und Insassen werden kräftig durchschüttelt.

Die Geländelehrbahn, die für das Kraftfahrausbildungszentrum auf dem Standortübungsplatz Eutin entsteht, ist fast fertig. 1800 Meter lang, 14 Hindernisse, die bei Bedarf für Lkw und Pkw doppelt angelegt wurden.

Da geht es mit 50 Grad Steigung nach oben, mit 30 Grad nach unten, es geht über Zuggleise, durch enge Tore, es geht auf Schräglagen (bis zu 20 Prozent), über eine Brücke mit zwei Fahrspuren, und der Fahrer muss auf geringst möglicher Fläche wenden.

„Am 12. Oktober beginnt die Ausbildung auf der Geländelehrbahn“, kündigte gestern Leutnant Hauke Ehrhardt an. Der Ausbildungsoffizier und der „Spieß“, Stabsfeldwebel Volker Wonrath, präsentiertten die jüngste Einrichtung der Eutiner Bundeswehrfahrschule, nachdem vergangenes Jahr ein Verkehrsübungsplatz fertig geworden war.

Eine Bauzeit von zwei Jahren für die Übungsbahn resultiere vor allen aus der Tatsache, dass alles mit Bordmitteln gemacht worden sei. Matthias Schwien und Manfred Nahorn vom Dienstleistungszentrum der Bundeswehr haben die meisten Stunden in den Bau gesteckt. Viel Material wurde aus anderen Standorten besorgt: „Die Weiche haben wir aus Boostedt, Betonteile für die Schrägwände wollten sie in Hagenow unbedingt loswerden,“ erzählt Ehrhardt.

Der Lohn der Geduld: „Für die Bauausführung sind wir schon sehr gelobt worden, eine Lehrbahn in dieser Qualität suche ihresgleichen, wurde uns schon gesagt“, ergänzt Volker Wonrath und lobt damit noch einmal die Arbeit der beiden Angestellten Schwien und Nahorn. Die durften wegen des Naturschutzes – auf dem Gelände gibt es seltene Rotbauchunken – nur in begrenzten Zeitfenstern arbeiten.

Mit der Lehrbahn erweitert das Kraftfahrausbildungszentrum mit seinen 34 Fahrlehrern sein Programm: Bislang wurden in Eutin in der einzig verbliebenen Bundeswehrfahrschule in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern jährlich gut 600 Soldaten aus ganz Deutschland für den Erwerb des Lkw-Führerscheins ausgebildet. Neu ist jetzt eine zehntägige Ausbildung für gepanzerte Radfahrzeuge. Bei der sind Fahrten im Gelände und auf der Straße vorgeschrieben, aber auch die Hindernisse der Geländelehrbahn – und zur Krönung eine Fahrt darauf mit Nachtsichtgeräten. „Das ist dann schon mal eine andere Hausnummer“, weiß Volker Wonrath.

Dietrich Gordan, Hauptbootsmann und Fahrlehrer, fährt die Journalisten in einem MAN über die Lehrbahn. Gordan: „Die Fahrschüler sollen hier die Grenzen das Fahrzeugs kennenlernen. Und sie sollen lernen, so zu fahren, dass die Einsatzfähigkeit der Passagiere erhalten bleibt. Es macht keinen Sinn, wenn die sich übergeben müssen.“

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erstellt am 04.Aug.2015 | 12:12 Uhr

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