Parkhaus der Kreisverwaltung : Eindeutiges Expertenurteil: Sanierung lohnt nicht

Zu große Baumängel, unzureichende Standards: Eine Sanierung des Parkhauses wäre teurer als ein Neubau, sagen Experten.
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Zu große Baumängel, unzureichende Standards: Eine Sanierung des Parkhauses wäre teurer als ein Neubau, sagen Experten.

Der Bauausschuss des Kreises beriet ein letztes Mal über die Sanierung des Parkhauses der Kreisverwaltung.

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22. Februar 2012, 11:23 Uhr

Eutin | Das Finale ersparte sich Malte Tech. Kurz bevor der Bauausschuss des Kreistages am Montagabend einmütig alle Pläne für eine Sanierung des Parkhauses der Kreisverwaltung beerdigte, hatte der Vorsitzende der Freie-Wähler-Fraktion den Sitzungssaal verlassen.

Tech hatte entgegen der Berechnungen des Kreisbauamtes behauptet, eine Sanierung könnte eine Alternative zum Abriss des Parkhauses sein. Der Gegenbeweis wird, wie Kreisbaudirektor Bernd Straßburger vorrechnete, den Steuerzahler mehr als 50.000 Euro kosten.
Abriss wurde bereits im November beschlossen

Rückblende: Seit Herbst 2008 war im Bauausschuss klar, dass mit dem Parkhaus etwas wegen wachsender Baufälligkeit geschehen muss. Im Lauf der folgenden Beratungen hatte das Kreisbauamt mehrfach errechnet, dass eine Sanierung mindestens 1,9 Millionen Euro kosten und damit zu teuer würde, ganz zu schweigen von 3,4 Millionen Euro, die für einen Neubau überschlägig errechnet wurden.

Eigentlich war im November 2011 alles klar: Der Bauausschuss beschloss, im Haushalt 2012 Geld für einen Abriss des Parkhauses und die Anlage einer ebenerdigen Parkfläche bereitzustellen, zusammen etwa eine Millionen Euro (150.000 Euro für Abriss, 741.000 Euro für Parkplatzbau und 100.000 für Nebenkosten).
Sanierungskosten sollten ernsthaft ermittelt werden

Der Ausschuss folgte aber einer Anregung Techs, dass vor einer Umsetzung dieses Beschlusses die Kosten für eine Sanierung ernsthaft ermittelt werden sollten.

Bei der Kalkulation der Sanierungskosten waren die Experten des Kreisbauamtes von 150 Euro je Kubikmeter Bauvolumen des Parkhauses ausgegangen, was sich zu 1,9 Millionen Euro multiplizierte. In Bad Malente-Gremsmühlen, so argumentierte Tech, sei die Sanierung des Parkdecks mit etwa 50 Euro je Kubikmeter gelungen. Das wären beim Eutiner Parkhaus dann 800.000 Euro.
Bericht war niederschmetternd eindeutig

Diesen Aussagen folgend stimmte der Ausschuss im November einer detaillierten Ermittlung der Sanierungskosten zu. Den Auftrag dazu erhielt die Gemeinschaft der Büros Ewers/Dörner (Oldenburg) und KSK (Eutin).

Der Bericht der drei Ingenieure im Bauausschuss am Montag war ausführlich - und niederschmetternd eindeutig: Angesichts der Baumängel werde eine Sanierung 3,7 Millionen Euro kosten - mindestens und vorsichtig geschätzt. Ingenieur Klaus Dörner: "Die Erfahrung zeigt uns, dass neben erkennbaren Mängeln meistens noch weitere 30 Prozent im Verborgenen schlummern." Und sein Kollege Torsten Ewers fasste es so zusammen: "Wir können eine Sanierung nicht empfehlen, weil sie mehr kosten würde als ein Neubau."
Andere Standarts seit 1976

Der Eutiner Ingenieur Dr. Joachim Scheele begründete die Höhe der Sanierungskosten nicht nur mit dem Umfang der Baumängel, zu denen alkalische Reaktionen ("Betonkrebs"), Lochfraß und zu hoher Salzgehalt im Beton der Rampen zählt. Auch die Standards hätten sich seit dem Bau des Parkhauses im Jahr 1976 deutlich verändert. Heute seien dickere Betonabdeckungen für die Stahlbewehrung, mehr Tragfähigkeit und zum Beispiel auch besserer Brandschutz gefordert.

War das Kreisbauamt von dem Faktor 150 Euro je Kubikmeter ausgegangen, so schätzten die Gutachter noch 50 Euro mehr. Und Torsten Ewers warnte vor einer vergleichenden Methode bei einer Kostenermittlung: Für jedes Objekt müssten Kosten individuell errechnet werden.
Kosten für Experten betragen 50.000 Euro

Was die Arbeit der drei Ingenieure kostet, bezifferte Bernd Straßburger auf mehr als 50.000 Euro. Allein die Untersuchung von Bohrkernen, die Aufschluss über die Qualität der Bausubstanz lieferten, koste mehr als 10.000 Euro.

Malte Tech kommentierte den Bericht nicht, bat nur um die Übermittlung der Unterlagen, damit er das in Ruhe nachprüfen könne. Nachdem Tech, der im Bauausschuss des Kreises keinen Sitz hat, den Saal verlassen hatte, stellte der FWG-Kreistagsabgeordnete Hartmut Specht fest, dass die drei Experten eine tadellose Arbeit abgeliefert hätten. Mit diesem Gutachten sei dem Bauausschuss eine gute Grundlage für die Entscheidung über die Zukunft des Parkhauses gegeben worden.
"Sie haben diese Zahlen einfach nicht anerkannt"

Trotzdem stimmte Specht im Gegensatz zu allen anderen zehn Mitgliedern des Bauausschusses nicht dafür, den Abrissbeschluss für das Parkhaus möglichst schnell umzusetzen. Er enthielt sich der Stimme.

Vor allem den Kreispräsidenten Joachim Wegener (CDU) brachte das in Harnisch, der von einer nicht akzeptablen Scheinheiligkeit Spechts sprach. Dem Bauausschuss habe, so betonte Wegener, schon lange eine eindeutige Entscheidungsgrundlage zur Verfügung gestanden. "Sie haben diese Zahlen einfach nicht anerkannt", schimpfte Wegener in Richtung FWG und nannte Tech einen Menschen, der meine, alles besser zu wissen.

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