Einbrecher bekommt letzte Chance

Das Eutiner Amtsgericht verurteilt einen Niedersachsen zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung

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30. Juli 2018, 16:33 Uhr

Gelegenheit macht Diebe, das Sprichwort könnte bei diesem besonders schweren Diebstahl Pate gestanden haben. In der Nacht zum 16. Juni 2017 brach ein damals 45-jähriger Mann in den Waldkindergarten Timmendorfer Strand ein. Nicht etwa, weil er das geplant hatte, sondern er sich vor dem Regen zum Schutz unter das Vordach des Kindergartens geflüchtet hatte. Er war betrunken.

Gestern verurteilte ihn das Amtsgericht Eutin zu zehn Monaten Freiheitsstrafe, für drei Jahre zur Bewährung. In der Zeit wird der Mann einem Bewährungshelfer unterstellt. Kein unbekanntes Verfahren für ihn, derzeit ist er noch auf Bewährung und zahlt eine Geldstrafe ab. Seit 2008 füllte sich die Liste an Straftaten, darauf räuberische Erpressung, Diebstahl mit Waffen, das Erschleichen von Leistungen, Nötigung, Sachbeschädigung, Körperverletzung und der Kauf von Betäubungsmitteln. Schon vor 2008 war der Mann durch Trunkenheit im Straßenverkehr aufgefallen.

Ordentlich gekleidet und frisiert sitzt der Mann aus der Nähe von Verden an der Aller vor Richterin Anja Farries. Der Angeklagte zeigt sich ruhig, seine Arme liegen auf den Lehnen, nur die Füße in den Halbschuhen heben und strecken sich immer wieder. Die Richterin lässt sich den Tathergang und Gründe noch einmal schildern.

Es sei damals zum Bruch mit seiner Frau gekommen, sagt der 46-Jährige. Er habe wieder Alkohol getrunken. Um den Kopf frei zu kriegen, sei er nach Timmendorfer Strand gefahren, wo er die Nächte unter freiem Himmel verbracht habe.

Zum Schutz vor dem am Abend des 15. Juni einsetzenden Regen zog sich der Mann unter das Vordach des Waldkindergartens zurück und trank. Der Angeklagte: „Irgendwann kam die dumme Idee, reinzugehen.“ Ihm war da bereits ein Rucksack aufgefallen, den er haben wollte. Die Tür brach der Angeklagte mit Hilfe eines Schraubendrehers von seinem Fahrrad-Werkzeug auf. Das Fahrrad hatte der arbeitslose Mann, der mit der Bahn aus Niedersachsen angereist war, von zu Hause mitgebracht.

Bei dem einen Rucksack beließ es der dreifache Vater dann aber nicht, er nahm zwei Rucksäcke, einen Bollerwagen und anderes mehr mit. Weit kam er mit dem Diebesgut allerdings nicht. Als ihn die Polizei aufgegriffen habe, da habe er schon nicht mehr gewusst, wo der Bollerwagen abgeblieben sei. Den hätten sie am nächsten Tag im Gebüsch gefunden, erinnert er sich an die gemeinsame Suche mit Polizisten. Die Beamten begleiteten den nach frischer Tat Ertappten zum Waldkindergarten, dort musste der Mann die gestohlenen Dinge zurückgeben. Das sei beschämend genug gewesen, berichtet der 46-Jährige.

Danach erfuhr der Angeklagte Hilfe von seinen Eltern, zu denen er zog. Auf eigenen Wunsch machte der er erneut eine Entzugstherapie. „Seit Oktober habe ich keinen Alkohol mehr getrunken.“ Ein Bewährungshelfer bescheinigte die grundsätzliche Verlässlichkeit seines Klienten.

Seine unrühmliche Karriere erklärt der Angeklagte mit vor zehn Jahren begonnenem Drogenkonsum, durch den er alkoholabhängig geworden sei. „Schade“, sagte Anja Farries und wünschte ihm: „Vielleicht kriegen Sie ja die ganz große Kurve noch mal wieder.“ Die Richterin berücksichtigte beim Strafmaß zwei vorangegangene, noch nicht ganz abgegoltene Strafen. Es könne immer wieder zu einem psychischen Rückfall kommen, warnte sie, dann sei der Griff zur Flasche keine Hilfe. „Sie kennen jetzt die Kontakte, die Ihnen helfen“, mahnte sie. Eine erneute Bewährung werde es nicht geben.

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