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Ostholsteiner Anzeiger

18. Oktober 2017 | 15:46 Uhr

Eutin : Einblick in die düsteren Geschichten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Großes Lob gab es von den ersten Besuchern, die zur neuen Führung ins Eutiner Schloss kamen, um mehr über Intrigen und Morde zu erfahren .

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 17:00 Uhr

Hinterhältige Mordversuche, tödliche Fresssucht oder gefährliche Intrigen – mit der neuen Führung „Mit Risiken und Nebenwirkung: Mörderische Geschichten im Hause Schleswig-Holstein Gottorf“ ist Ulrike Unger ein Angebot an die Schlossbesucher mit einem ganz neuen Blick auf die Herrschaften und ihre Abgründe gelungen, die bisher eher im Verborgenen blieben.

„Es hat mir großen Spaß gemacht, dies vorzubereiten und ich hoffe, den Besuchern gefällt es auch“, sagt die Museumspädagogin kurz vor Beginn der ersten Führung, die sie aufgrund des großen Andrangs gleich im Doppelpack mit Johann Klemp anbietet. Rund 40 Besucher steigen in zwei Gruppen in die Beletage des Schlosses, um zu erfahren, wie düster die Barockzeit fernab der schönen Hofdamen, die auf den heutzutage gefeierten Festen kostümiert ein ganz anderes Bild in Erinnerung halten wollen. „Es war die Zeit der Hexenverfolgung, auch in Eutin“, erzählt Unger mit geheimnissvoller Stimme. Ganze 29 Hexenverbrennungen soll es in Eutin gegeben haben – dank aufgeklärtem Herrscher Johann Friedrich von Schleswig-Holstein Gottorf verhältnismäßig wenig im Vergleich zu den Hochburgen in Mecklenburg-Vorpommern oder Bamberg, wie Unger erklärt. Doch auch am Hofe habe es grausame Spiele gegeben.

Eine seltsame Leidenschaft hatte auch Zar Peter der Große, der von dem Gemälde im Schlossflur zwar freundlich herabblickt, den Blick auf ihn ändert Unger aber mit ihren Erzählungen: „Er galt als raubsüchtig, sehr cholerisch und unerbittlich gegenüber seinen Feinden.“ Zwar sei er der Urheber der Kunstkammer in Sankt Petersburg und damit dem eigentlich ersten Museum überhaupt gewesen, aber eine Abteilung darin habe es in sich gehabt: „Er sammelte nicht nur seltene Tierpräparate, sondern auch abnorme Föten und befahl den Hebammen in seinem Land, ihm diese zur Konservierung zu bringen“, weiß Unger zu berichten. Auch zwei konservierte Köpfe sollen sich in dieser Sammlung befinden: Der seiner Mätresse und der ihres Bruders, da sich das Gerücht hielt, dass dieser mit seiner Frau eine Affäre hatte. „Geschmacklos, wie er war, ließ er seinen Kopf – konserviert im Glas – auf den Schreibtisch seiner Frau stellen.“ Lachen. Er selbst sei mit 52 Jahren an den Folgen einer schweren Erkältung gestorben, die er sich bei der Rettung einiger Matrosen aus eiskaltem Wasser zugezogen haben soll.

Zwei Zimmer weiter der Beweis dafür, dass der Schönheitswahn nicht erst in diesem Jahrhundert erfunden wurde: Eine Aristokratentochter sollte, damit sie noch hübsch genug zum Heiraten ist, gute acht Monate im Streckbett ihre Skoliose therapiert bekommen. Sie heiratete später aber nicht standesgemäß, sondern einen niederen Baron.

Welch Tierqual König und Kaiser hinnahmen, erzählt Unger mit einem Hermelin in der Hand: „Es braucht je nach Größe des Mantels zwischen 800 und 4000 Hermeline“ – Das Königshaus in England greife mittlerweile auch aus Kostengründen auf Kaninchenfell zurück und lasse die bekannten schwarzen Punkte der Hermelin-Schwanzspitze aufmalen. Doch Unger hatte noch mehr Grausamkeiten parat: Die Farbe Purpur wurde aus Schnecken herausgedrückt; Schildkröten für ansehnliche Boulle-Uhren in kochendes Wasser geworfen, damit sich ihre begehrte Hornhaut abschälen ließ und zur Veredlung angebracht werden konnte.

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, denn sowohl Ulrike Unger als auch ihr Kollege Johann Klemp haben es verdient, interessierte Zuhörer mit Taschenlampe und düsteren Geschichten durch die ansonsten so prunkvolle Beletage zu führen.

Das Urteil der Premierenbesucher ist eindeutig: „Es war sehr gut und super spannend“, sagt Sonja Foht aus Almbeck. Christine Schweda kam extra aus Gettorf für das neue Thema: „Ich bin großer Fan dieses Schlosses und wir haben schon zahlreiche Führungen mitgemacht. Es ist großartig, wie lebendig unser Führer die Geschichten hat werden lassen und es ist toll, dass seit gut drei Jahren immer wieder andere Aspekte der großen Geschichte dieses Hauses beleuchtet werden.“



Die nächsten Termine für diese Themenführung sind am Mittwoch und Samstag, 11. u. 14. Oktober, jeweils 17 Uhr. Anmeldung 04521/709570.

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