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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 14:07 Uhr

Ein Zufallstreffen fern der Heimat

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Nachwuchsoffiziere der West-Point-Akademie und von der Kansas-Universität in Lawrence waren zur selben Zeit in der Stadt

von
erstellt am 06.Jul.2017 | 11:23 Uhr

Seit über 50 Jahren kommen jeden Sommer Studenten aus Kansas nach Eutin. Es dürfte allerdings nicht so oft passiert sein, dass darunter junge Leute sind, die zufällig fern der Heimat Berufskollegen treffen konnten: Drei Studenten aus Lawrence, die sich bei der US-Armee verpflichtet haben, begegneten dieser Tage zwei Offiziersanwärtern der berühmten Militärakademie West Point, die drei Wochen lang das Aufklärungsbataillon 6 in Eutin besucht haben.

Im Gespräch mit den zwei Frauen und drei Männern wird deutlich, dass es in den Vereinigten Staaten zwei unterschiedliche Wege der Offiziersausbildung gibt. Noah Kambili (21) aus New York und Oliver Douthitt (23) aus Kentucky sind Kadetten, die ihre Ausbildung in West Point machen. Diese Militärakademie in der Nähe von New York bildet etwa ein Viertel des Offiziersnachwuchses des Heeres der US-Armee aus.

Absolventen verlassen die Akademie mit dem Grad und dem Rang als Leutnant, sie müssen mindestens fünf Jahre in der Armee bleiben und weitere drei Jahre der Reserve zur Verfügung stehen. In West Point sind Noah Kambili und Oliver Douthitt wie in einer Kaserne in einem militärischen Bereich, in dem sie Uniform tragen müssen.

Elizabeth Haas, Jacob Ellenberger (beide 19) und Kathleen Meeds (20) haben sich für eine militärische Laufbahn entschieden, die einen deutlich höheren zivilen Anteil hat: Alle drei gehören dem Reserve Officers Training Corps (ROTC) an. Sie sind damit – was es in Deutschland nicht gibt – Reserveoffiziere, die an einer zivilen Universität studieren. Durch Dozenten an der Uni und in Ausbildungseinheiten an Standorten der US-Armee erhalten sie eine zusätzliche militärische Ausbildung. Die Angehörigen des ROTC haben sich verpflichtet, nach Abschluss ihrer Ausbildung mindestens vier Jahre in der Armee zu dienen, im Gegenzug übernimmt die Armee – abhängig von Leistungen – teilweise oder ganz die Kosten der Ausbildung.

West Point ist eine Heereseinrichtung, und beim Heer ist auch Elizabeth Haas. Kathleen Meeds und Jacob Ellenberger gehören der Marine an, Meeds ist bei
der Infanterie-Einheit (Marines), Ellenberger strebt einen Einsatz auf Schiffen oder bei den Marinefliegern an.
 Sie habe sich für den Weg über das ROTC entschieden, weil er mehr Freiheiten lasse als eine Militärakademie, erzählt Elisabeth Haas. Diese Freiheit – Studieren ohne Uniform – habe durchaus ihre Reize, gibt West-Point-Kadett Noah Kambili zu. Er hatte sich, wie er berichtet, für eine Bewerbung in West Point entschieden, weil der beste Freund seines Vaters die Akademie besucht habe. Bislang habe er diese Entscheidung auch nicht bereut – ebensowenig wie die Hospitanz bei den Eutiner Aufklärern, die für Kambili und Douthitt heute ebenso endet wie für Kathleen Meeds ein Praktikum beim Ostholsteiner Anzeiger.

Was war der augenfälligste Unterschied zwischen US-Armee und Bundeswehr? Die Vielfalt der Fähigkeiten im Bataillon, stellte Oliver Douthitt fest: Späher, Drohnen-Piloten, Sprachaufklärer. Einheiten der US-Armee seien viel mehr spezialisiert: „In einer Einheit mit 500 Soldaten machten meistens alle dasselbe.“

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