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Ostholsteiner Anzeiger

20. September 2017 | 15:05 Uhr

Ein Turbo für regionale Wirtschaft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Malenter und Plöner Kaufleute führen die regionale Währung „KannWas“ ein. Sie soll dafür sorgen, dass das Geld nicht abfließt, sondern in der Region bleibt

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2014 | 12:54 Uhr

Einkaufen ohne einen Euro in der Tasche und ohne „Plastikgeld“? Das soll jetzt in Malente möglich sein. Die 2004 von Dr. Frank Schepke aus Löptin (Kreis Plön) gegründete Regionalwährung „KannWas“ soll die Grundlage dafür bilden. Fünf Kaufleute wollen das regionale Geld, das es in Scheingrößen von eins bis 50 gibt, künftig akzeptieren, kündigte der Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Malente Malente (WVM), Michael Kühn, jetzt an.

Mitmachen wollen die Friesen-Apotheke von Hermann Imbusch, das Dieksee-Hotel „Wyndham Garden“, Die Holzhandlung D+K, die Salzgrotte von Christian Wehde und das Ticket-Center von Kühns Ehefrau Ute. Außerdem wollen mehrere Biobauern, die auch auf dem Malenter Wochenmarkt vertreten sind, den „KannWas“ als Zahlungsmittel anerkennen, darunter der Hof Berg von René Kohler und der Obst- und Gemüsestand von Jens Königsmann, beide aus Dannau, sowie das Passader Backhaus.

„Ich denke, wir treffen mit dem Regionalgeld einen Nerv“, erklärte Kühn mit Blick auf einen Sinneswandel bei immer mehr Verbrauchern, die sich verstärkt regionalen Produkten zuwenden. Kühn selbst wird mit seinem Finanz- und Versicherungskontor (Bahnhofstraße 41) in Malente die Funktion der Bank übernehmen und den „KannWas“ ausgeben: Für einen Euro gibt es im Gegenzug einen „KannWas“. Bezahlen kann man mit dem Regionalgeld nach Schepkes Angaben bei rund 90 sogenannten Akzeptanzstellen in Schleswig-Holstein. Einige davon befinden sich auch in Neustadt, weitere „Kann Was“-Zentren sind Kiel und Rendsburg. Ebenfalls dabei ist der Pensionsbetrieb von Gerd Weber und die Schokoladen von Holger Stenkamp, beide in Plön.

Münzen gibt es vom „KannWas“ übrigens nicht. Das Wechselgeld wird einfach in Euro herausgegeben. Überhaupt solle die Regionalwährung den Euro nicht völlig verdrängen, sagt Schepke. „Wir wollen nur regionales Geld für regionale Produkte.“

Im vergangenen Jahr waren nach Schepkes Angaben 20 000 „KannWas“ im Umlauf. Das Geld, das in Malente durch ihn und die Kaufleute in Umlauf komme, bleibe auf jeden Fall in der Region, erklärt Kühn den Vorteil der Regionalwährung: „Der Euro fließt halt zu unglaublich großen Teilen wieder ab, etwa durch das Internet, Mieten oder um Zinsen zu erwirtschaften.“ Denn das kann der „KannWas“ im Gegensatz zum Euro nicht: Geld verdienen durch Verzinsung. Im Gegenteil: Zum Jahresende verliert der „KannWas“ zwei Prozent seines Werts. „Das ist der Turbo, mit dem das Geld in Umlauf gebracht wird“, erklärte Schepke. Die Scheine werden dann mit
einer neuen Jahreszahl beklebt. Die Verbraucher ha-ben allerdings noch bis Mitte des Jahres Zeit, ihren „Kann Was“ auszugeben – „die
zwei Prozent Verlust übernehmen wir“, sagt Holger Stenkamp.

Diese Konstruktion kurbele die regionale Wirtschaft an, erklärt Schepke. „Der ,KannWas‘ wird drei Mal häufiger ausgegeben als der Euro.“ Das sei der Clou daran, findet Kühn. Schepke sieht seinen „KannWas“ auch als Beitrag zu einer gerechteren Welt. „Wir treten gegen die Globalisierung an.“ Die werde immer wieder mit der Schaffung von Arbeitsplätzen und günstigen Produkten in Verbindung gebracht. Doch das Gegenteil sei der Fall: „Das ist eine lebensfeindliche Wirtschaftsweise“, findet Schepke. Den Menschen würden die Lebensgrundlagen entzogen. „Insofern ist unsere Währung hochpolitisch, allerdings nicht parteipolitisch.“

„Unsere Aufgabe ist es jetzt, den Kunden zu überzeugen“, sagte Apotheken-Betreiber Hermann Imbusch. Das könnte beispielsweise durch Rabatte für „KannWas“-Zahler oder andere Anreize geschehen. Gerd Weber bringt es so auf den Punkt: „Es muss Freude machen, mit dem ,KannWas‘ zu bezahlen.“ Die Regionalwährung sei ein Vehikel, um eine persönliche Bindung zum Kunden aufzubauen. So sieht es auch Biohof-Betreiber René Kohler: „Das ist keine spinnerte Idee, sondern ein Vehikel um die Werte unseres Handelns mit dem Kunden zu diskutieren.“ Natürlich habe der Kunde mit dem „KannWas“ mehr unterschiedliche Scheine im Portemonnaie. Aber dafür könne er auch auf fünf Kundenkarten verzichten.

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