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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 16:49 Uhr

Ein „Trostpflaster“, das schnell hilft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Eutiner Kinderschutzbund startet Spendenfonds zur Unterstützung von Kindern und Familien

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2017 | 00:08 Uhr

Eltern erkranken plötzlich, leben in Trennung oder werden arbeitslos – das Geld ist knapp, die die darunter ebenso leiden, sind oft die Kinder. „Der Geldbeutel der Eltern entscheidet über die Teilhabe der Kinder am gesellschaftlichen Leben“, sagte Matthias Thoms, Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes, Ortsverband Eutin. Um Kindern oder den betroffenen Familien in Krisensituationen oder Problemlagen kurzfristig und unbürokratisch schnell zu helfen, startete der Eutiner Kinderschutzbund gestern die Aktion „Trostpflaster“: Ein Spendenfonds, der helfen soll, kurzfristige Krisen zu meistern und soziale Projekte ins Leben zu rufen, erklärte Silke Hüttmann vom Kinderschutzbund.

Der Gedanke, der den Kinderschutzbund umtreibe, sei die Chancengleichheit. „Kinder haben unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten in den unterschiedlichen Familien“, sagte Feilke. Der Zugang zu Kultur oder Sport fehle aber nicht immer nur, weil es die Finanzen nicht zulassen, sondern weil den Eltern bereits die Vorbilder fehlen, sie vieles selbst nicht erlebt haben. Die Elternbildung und
die Stärkung der Familien soll deshalb ein zweiter Baustein sein. „Wir wollen auch das ehrenamtliche Engagement stärken, die Menschen wieder zusammenbringen und vielleicht in einer Aktion gemeinsam eine Seifenkiste an einem Samstagvormittag bauen. Wir wollen, dass die Menschen wieder enger zusammenrücken und losgelöst von Materiellem wieder zusammenfinden“, machte Thoms deutlich.

Die Scham Betroffener ist groß, machte auch Uta Steinkamp, Leiterin der Kinderinsel, deutlich. „Eltern würden niemals sagen, ‚Ich hab wenig Geld, könnt ihr mir helfen‘. Das findet über andere Wege statt“, sagte Steinkamp. Doch bei der Aktion „Trostpflaster“ gehe es längst nicht nur um Kinder der Kita oder aus der Betreuung der Familienhelferinnen. „Uns können alle ansprechen, auch andere Institutionen, wir vertrauen da auf das gut funktionierende Netzwerk“, sagte Feilke. Um Probleme anzusprechen, bedarf es Vertrauen. Vertrauen baue man zu Menschen auf, die man kenne, wusste Silke Hüttmann zu berichten. Dies haben die Verantwortlichen auch schon bei anderen Kursus-Angeboten des Kinderschutzbundes gemerkt. „Es geht darum, den Türöffner zu finden, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Mit Problemgruppen erreichen wir unsere Zielgruppe eher nicht, mit Angeboten wie einer Spielgruppe aber schon“, so Hüttmann.

Dass Kinderarmut in Eutin immer noch ein Thema ist, machen die Zahlen deutlich: Allein im Jahr 2014, zur Bedarfsanalyse der Familienzentren, wurde veröffentlicht, dass 22 Prozent aller Kinder- und Jugendliche von Armut betroffen sind, berichtete die Geschäftsführerin – deutlich mehr als im gesamten Kreis Ostholstein (14 Prozent). Auch die Zahl der Alleinerziehenden in sogenannten Bedarfsgemeinschaften war damals wie heute in Eutin größer als im Kreis: Von 251 Bedarfsgemeinschaften, die staatliche Unterstützung beziehen, sind schon 109 Alleinerziehende. Tendenz steigend.

Um betroffenen Kindern, aber auch ihren Eltern, kurzfristig zu helfen, sind neben Spendengeldern auch ehrenamtliche Helfer gern gesehen, die Zeit schenken wollen. „Unsere Türen stehen immer offen, Interessierte können sich gern an uns wenden“, machte Thoms deutlich.


Wie kann ich helfen? Die Spendenboxen für die Aktion sollen in den nächsten Tagen in Geschäften der Innenstadt aufgestellt werden oder Spende an den Kinderschutzbund Eutin, Aktion Trostpflaster, IBAN: DE 51 2135 22400000038131, BIC NO LADE21HOL

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