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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 22:28 Uhr

Malente : Ein „touristischer Akutpatient“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bürgermeister Michael Koch will für schnelle „Heilbehandlung“ sorgen. GLC kritisiert politischen Druck und „Verzerrung der Fakten“.

Der Paukenschlag der Gemeindevertreter, die am Donnerstagabend überraschend mit 13 gegen zwölf Stimmen den neuen Vertrag für den touristischen Dienstleister GLC ablehnten, hallte gestern weithin nach. Überraschung löste diese Entscheidung bei Tourismus-Verantwortlichen in der Holsteinischen Schweiz aus; die Glücksburg Consulting AG (GLC) zeigte sicb enttäuscht, aber auch weiter offen „für konstruktive Gespräche“.

Bürgermeister Michael Koch verschlug es noch am Morgen die gewohnte Juristensprache, er formulierte vor der Presse ungewohnt blumig eine Diagnose: „Mir scheint, dass der touristische Akutpatient Malente dringend einer Heilbehandlung mit anschließender Rehabilitation bedarf.“ Passende Rezepte soll ein Krisentreffen mit den Fraktionsvorsitzenden am kommenden Montag im Rathaus bringen; leise in Betracht zieht Koch dafür auch die Möglichkeit, dass die Gemeinde, wie es der SPD-Vertreter Andreas Hillesheim vorgeschlagen hat, gar kein Geld für den Tourismus locker macht, sondern die Vermarktung den Betroffenen selbst überlässt.

Sollte jedoch die Kurverwaltung wieder mit den seit zehn Jahren auf GLC übertragenen Aufgaben betraut werden, beispielsweise das Erheben der Kurabgaben, dann „muss langfristig das Personal aufgestockt und die technische Ausrüstung angeschafft werden“, sagt der Bürgermeister. Und nennt weitere Baustellen: „Dringende Fragen sind der Betrieb einer Touristeninformation sowie die Einrichtung einer Anlaufstelle für Vermieter.“

Von der Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz könne Malente natürlich Unterstützung für schnelle Lösungen erwarten, sagte Geschäftsleiter Per Köster (Eutin). Mehr könne derzeit aber noch nicht gesagt werden.

Die vertriebliche Unterstützung der mehr als 170 vertraglich gebundenen Vermieter sei auch zukünftig gesichert, versprach die GLC-Geschäftsleitung. Sie betonte, dass ihr Angebot „ausschreibungskonform“ gewesen sei – in der politischen Diskussion hatten dies vor allem die Grünen massiv bezweifelt. Dazu erklärte der GLC-Vorstandsvorsitzende Prof. Martin Weigel: „Wir bedauern die unerfreuliche politische Diskussion in Malente, die nicht nur zur Falschdarstellung und Verzerrung der touristischen Fakten, sondern auch zur Verwirrung der örtlichen Leistungsträger geführt hat.“ Und weiter: „Als Problem im jetzigen Verfahren sehen wir vor allem die Tatsache, dass das Ergebnis der gewählten interfraktionellen Arbeitsgruppe, die speziell für die Ausschreibung eingesetzt wurde, durch politischen Druck zunichte gemacht wurde. Sofern die Ausschreibung nicht formal aufgehoben wird, stehen wir auch weiterhin für konstruktive Gespräche zur Verfügung.“

Sollte jedoch die Ausschreibung aufgehoben werden, müssten zum Jahresende drei Mitarbeiter in Malente entlassen werden. „Bahnkarten werden nicht mehr verkauft und auch die Gästebetreuung vor Ort sowie die Kurbeitragsbearbeitung fallen an die Gemeinde zurück“, verwies Prof. Martin Weigel auf die Konsequenzen.

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erstellt am 31.Okt.2014 | 15:29 Uhr

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