Ein Thema, 166 Werke

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„Verlorenes Paradies“ lautet der Titel der 27. Kreisausstellung des Fördervereins Bildende Kunst Ostholstein. Am kommenden Sonntag wird die Schau feierlich eröffnet.

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29. März 2017, 18:15 Uhr

Die Jugend, ein Stück Natur, die Lieblingssängerin: Für jeden bedeutet das persönliche Paradies etwas anderes. Das spiegelt sich auch in der Ausstellung des Vereins Bildende Kunst Ostholstein wider. Unter dem Titel „Verlorenes Paradies“ haben sich 91 Künstler mit dem Thema beschäftigt, 213 Arbeiten eingereicht. Eine Jury hat 166 Werke von 83 Teilnehmern für die mittlerweile 27. Ausstellung zusammengestellt.

Eine Neuheit neben Collage, Gemälde, Skulptur und Co. ist das „Digitale Bild“ von Roland Willaert. Der Großenbroder hat Menschen seines persönlichen Umfelds – Freunde, andere Künstler
und Zufallsbekanntschaften – nach ihrem persönlichen verlorenen Paradies befragt. Dabei hat Willaert ihre Antworten aufgezeichnet, die per Knopfdruck in seiner Installation aus vier Fotos abspielbar sind. „Das Ganze war ein Stück weit Psychotherapie“, sagt Willaert. Eine ältere Dame schilderte ihm beispielsweise Jugenderlebnisse anno 1945, als sie von russischen Soldaten bedroht wurde. „Ich verlor meine Jugend“, ist nur ein Abstrakt der Tonaufzeichnung des Fotokünstlers. „Sich mit dem Thema zu beschäftigen, ist eine Herausforderung gewesen“, sagt Willaert.

Auch für die Jury sei es nicht leicht gewesen, sich zum einen zu diesem Thema zu entschließen und zum anderen die Werke auszuwählen, berichtet Edda Koch (Foto) aus dem Vorstand des traditionsreichen ostholsteinischen Künstlerbunds. Das Thema sei zudem politisch und aktuell von vielerlei Diskussionen überlagert, sagt Koch und nennt die Flüchtlingsthematik als Beispiel. Der Titel „Verlorenes Paradies“ erlaube eine breite Auslegung: von der christlichen Ansicht des „Garten Eden“, über den persischen Ursprung des Wortes „eingeengtes Gebiet“, der Schließung des geliebten „Baumarkt“ als verlorenes Technikerparadies bis zur politisch aktuellen Interpretation der gegenwärtigen Weltlage, so Koch. Voraussetzung für jedes eingereichte Bild war in jedem Fall der Bezug des eingereichten Objektes zum festgelegten Thema.

Vom 2. bis zum 27. April ist die jährlich vom Förderverein Bildende Kunst Ostholstein organisierte Kreisausstellung im Kreishaus Eutin (Lübecker Straße 41) zu sehen. Eröffnet wird die Werkschau am kommenden Sonntag um 11.30 Uhr. „Wir freuen uns, dass wir die ostholsteinische Journalistin, Autorin und Rezitatorin Marion Hinz für die einführenden Worte gewinnen konnten“, sagt Edda Koch. Musikalisch wird die Eröffnung von dem renommierten Pianisten Holger Mantey umrahmt. Die Schirmherrschaft der Ausstellung hat wieder Landrat Reinhard Sager übernommen.

Die jährliche Ausstellung hat in den vergangenen Jahren einen stetig wachsenden Zuspruch bei Künstlern und Besuchern erfahren. So hatten im vergangenen Jahr 76 Künstler ihre Objekte ausgestellt. Da jeder Künstler bis maximal drei Exponate einreichen kann, muss die Ausstellung, wie bereits im Jahr zuvor, auf zwei Fluren stattfinden.



Der Förderverein Bildende Kunst Ostholstein ist ein Zusammenschluss bildender Künstler, Freunden und Förderern der Bildenden Kunst in Ostholstein. Mehr als 114 Künstler aus der Region sind zurzeit im Verein organisiert. Weitere Infos zum Verein und zur Ausstellung gibt es unter Tel. 0451/208816 oder per E-Mail an b.klang@arcor.de.

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