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Ostholsteiner Anzeiger

12. Dezember 2017 | 23:22 Uhr

Ein teures Andenken an die Bundeswehrzeit

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

von
erstellt am 23.Sep.2015 | 13:39 Uhr

Sie sollten nur ein Andenken an seine Zeit bei der Bundeswehr sein. Doch nun bescherten die neun Leuchtspurpatronen Kaliber 7,62 mm einem 48-Jährigen eine Anklage wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Der Mann aus Timmendorfer Strand kam mit einem blauen Auge davon: Amtsrichter Otto Witt beschied auf einen minderschweren Fall und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30 Euro, also 1800 Euro.

„Ich war einfach nur doof“, sagte der sichtlich reuige Timmendorfer vor dem Eutiner Amtsgericht. Am 15. Mai 2014 hatte die Polizei in einem verschlossenen Schuppen auf dem Grundstück des Mannes nicht nur die neun noch voll funktionsfähigen Patronen aus den 60er Jahren, sondern auch noch mehrere Waffenteile gefunden. Diese habe er bereits als Kind auf dem Truppenübungsplatz Fischbeker Heide bei Hamburg gefunden.

Als er sich nach Ende seiner Zeit als MG-Schütze bei der Bundeswehr dann ein paar Patronen als Erinnerung einsteckte, habe er sich einfach nichts dabei gedacht, so der 48-Jährige. Und irgendwann wusste er nicht mehr, was er damit machen sollte. „Ich konnte die Patronen ja auch nicht einfach in den Müll werfen.“ Und bei der Polizei abgeben mochte er die Patronen aus Angst vor Ermittlungen auch nicht. Also bewahrte er sie in seinem Schuppen auf. Bis zu dem Tag, an dem er mit dem Ex-Freund seiner Tochter in Streit geriet und diesem die Patronen zur Abschreckung zeigte.

Der Ex-Freund ging zur Polizei. Die Polizeibeamten wollten die Vorwürfe erst nicht glauben. „Wir waren sehr überrascht, tatsächlich solche Dinge dort zu finden“, sagte ein Polizeihauptmeister aus, der den Angeklagten gut kannte.

Sowohl der Staatsanwalt als auch Amtsrichter Otto Witt konnten das Dilemma des Angeklagten nachvollziehen. „Souvenirs an die Bundeswehr sind ja nicht unüblich“, so Richter Witt. „Aber haben Sie denn gar nicht darüber nachgedacht, was Sie da mitgenommen haben?“ Er selbst hätte „Muffe“, solche Sachen in seinem Schuppen liegen zu haben, bekannte Witt.

Zum Glück für den Angeklagten waren sich Richter und Staatsanwalt schnell einig, dass es sich bei dem Vergehen des Angeklagten um einen minderschweren Fall handele. „Die Gefahr, dass Sie durch ein Einkaufszentrum ziehen und Leute niederschießen, sehe ich nicht“, so der Staatsanwalt. Und da die Munition noch relativ sicher gelagert worden sei, forderte er eine Geldstrafe von insgesamt 2400 Euro.

Als „Dummheit, aber kein Verbrechen“ bezeichnete die Pflichtverteidigerin die Tat und plädierte für ihren arbeitslosen Mandanten auf eine Geldstrafe von 600 Euro. Immerhin habe er die Munition schon für 450 Euro selbst vernichten lassen. Richter Otto Witt landete mit seinem Urteil von 1800 Euro Geldstrafe zwischen beiden Forderungen. „Es ist nachvollziehbar, dass sich die ganze Sache verselbstständigt hat“, sagte er in seiner Urteilsbegründung.

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