Eutin : Ein Tablet führt durch das Schloss

Früher und heute: Solche Eindrücke sollen Führungen samt Spielszenen mit dem Tablet vermitteln.
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Früher und heute: Solche Eindrücke sollen Führungen samt Spielszenen mit dem Tablet vermitteln.

Ein Konzept für eine neue Ausstellung im Eutiner Schloss wurde erstmals öffentlich im städtischen Kulturausschuss präsentiert.

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20. Mai 2015, 04:00 Uhr

Die Zielsetzung ist nicht gerade bescheiden: Es soll „die spannendste und intelligenteste Schloss-Ausstellung in Deutschland“ werden – und ein großer Teil davon schon zum Start der Landesgartenschau in 344 Tagen. Pläne für eine neue Ausstellung im Eutiner Schloss präsentierte Matthias Bönsel von der Schloss-Stiftung gestern Abend im städtischen Kulturausschuss.

Leitlinie bei der Umgestaltung bleibe das Schlagwort „Lebendiges Schloss“, sagte Bönsel. Anfassen, Spielen, Geschichte aktiv erkunden, das soll in der neuen Ausstellung alles möglich sein – unter Wahrung des historischen Inventars.

Das Gottorf-Zimmer soll als erstes bis Mitte Juli neu gestaltet werden. Bönsel schildert an diesem Beispiel, wie das neue Konzept gemeint ist: Die vorhandene historische Einrichtung werde neu geordnet, im Gottorf-Zimmer würden die Portraits der St.-Petersburger Linie des Hauses Oldenburg gezeigt. Als neue Wandfarbe sei ein dunkles Blau vorgesehen, entsprechende Reste eines alten Anstriches seien entdeckt worden. „Vor diesem Hintergrund wirken die Portraits ganz anders und besser“, merkte Kuratorin Susanne Petersen gestern bei einem Pressetermin an.

Das historische Mobiliar in dem Zimmer soll mit modernen, eigens hergestellten Besuchermöbeln ergänzt werden. Dazu zählen vor allem Sitzgelegenheiten, in diesem Zimmer aber auch Nachbauten historischer Spieltische. Am Hofe waren früher offensichtlich das heute noch gängige Mühle-Spiel beliebt sowie ein uraltes Kartenspiel namens Poch, für das ein sogenanntes Poch-Brett notwendig ist. Poch, französisch Poque, war Vorläufer des Poker-Spiels. An den Tischen soll natürlich gespielt werden können, Regeln werden ausliegen.

Der größte Teil des ersten Stocks sollen trotz Neusortierung und Ergänzung des historischen Inventars authentische Räumen bleiben, daneben sind zwei sogenannte Scharnierzimmer mit ergänzenden Informationen geplant.

Im Schloss dränge sich eine Vielfalt an Themen auf, sagt Bönsel weiter, von der Geschichte des Hauses Oldenburg und des Landes über die Epoche der Aufklärung bis zur historischen Architektur, alten Musik oder Kinderwelten.

Weitere Teile des Konzeptes: Besucher sollen im Erdgeschoss von einer großen modernen Informationswand empfangen werden. Und sie können weiter mit Audioguides (elektronische Museumsführer mit Kopfhörern) auf Tour gehen oder auch nur schlicht mit einem (neuen) Leitfaden auf Papier. Außerdem sollen in den Zimmern mehr Informationen auf Tafeln (sogenannte Fenster-Gaze) vermittelt werden.

Neu werden Führungen mit Tablets sein. Die handlichen, flachen Computer sollen dem Benutzer die Möglichkeit eröffnen, das Schloss aus der Sicht von Katharina der Großen, Peter Friedrich Ludwig, einer Bediensteten oder von Hofmaler Tischbein zu erkunden. Dabei sollen neben den Texten auch Spielszenen mit Schauspielern einen Eindruck vermitteln, wie das Leben am Hofe früher ausgesehen hat. Dem Besucher steht es dabei frei, die Erzählung einer Person oder auch von allen vier wahrzunehmen.

Abgerundet wird das Konzept durch den Plan, die Horn-Ausstellung und die Schiffsmodelle in den zweiten Stock des Südflügels zu bringen. Außerdem sollen dort oben Aktionsräume eingerichtet werden.

Und was wir die Umsetzung kosten? Bönsel kalkuliert mit einem Bedarf von 600  000 Euro bis zum Start der LGS. Ein Drittel stehe bereit: 100  000 Euro Eigenmittel sowie 80  000 von der Kulturstiftung des Landes und 20  000 Euro als private Spender des Lübecker Unternehmers Christian Dräger.

Bönsel hofft, dass sich die Stadt Eutin mit insgesamt 60  000 Euro über zwei Jahre verteilt an dem Projekt beteiligt. Die dann noch fehlenden 340  000 Euro sollen über „Stiftungen, Mäzene, Sponsoren, Öffentliche Mittel“ eingeworben werden.

Außerdem hat Bönsel die Idee, in der akutellen Niedrigzinsphase zugesagte Fördergelder per Darlehen vorzufinanzieren, damit der ehrgeizige Zeitplan eingehalten werden kann. Der ist ähnlich ehrgeizig wie das Ziel, die „spannendsten und intelligentesten Schloss-Ausstellung in Deutschland“ zu schaffen.

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