Ein Stück Eutiner Freimaurergeschichte

„Dieser Stuhl schafft aber eine Beziehung zu den Altvorderen“, sagt Hans-Peter Klausberger und zeigt das Möbel Elke Gradert.
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„Dieser Stuhl schafft aber eine Beziehung zu den Altvorderen“, sagt Hans-Peter Klausberger und zeigt das Möbel Elke Gradert.

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16. März 2017, 12:10 Uhr

Es war 1771, als sich in Eutin „Freie Männer von gutem Ruf“ zur Loge „Zum Goldenen Apfel“ zusammenfanden. Damit war die kleine Residenzstadt manch großer Stadt voraus, für die Lübecker Loge etwa steht als Gründungsjahr 1772 verzeichnet. Und auch wenn die Eutiner sich der Tochterloge in der Hansestadt bereits nach wenigen Jahren anschlossen, hatte freimaurerisches Gedankengut Wurzeln geschlagen und wirkte über die Jahre in die Gesellschaft hinein.

Gegenwärtig war es in vielfältigen Spuren im Schloss und im Schlossgarten, aber auch in den maurerischen „Kaffeekränzen“, die die eigentliche Tempelarbeit nicht ersetzten, aber den Austausch aufrecht hielten. Die Tradition mündete in ein Wiederaufleben und so wurde 1925 „das Licht wieder eingebracht in die Eutiner Loge“, wie der heutige Meister vom Stuhl, Klaus-Peter Klausberger, berichtet. Bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten 1933 war die Loge in der Peterstraße 7 im Haus des Bauunternehmers Theodor Petersen beheimatet: „Ich erinnere mich sehr gut daran: Im oberen Stockwerk wohnten die Großeltern und unten war die Loge“, erzählt Petersens Enkeltochter Elke Gradert. 34 Brüder zählte die Loge 1933, jeder von ihnen hatte seinen eigenen hölzernen Stuhl, versehen mit dem Apfel als Emblem und dem jeweiligen Namen. Den handgeschnitzten Handsessel ihres Großvaters hat Elke Gradert bewahrt, ebenso wie andere Erinnerungsstücke und sein Bijou, wie das Logenabzeichen genannt wird.

Dass sie mit Hans-Peter Klausberger noch mehr verbindet als eine freundschaftliche Nachbarschaft, offenbarte sich beiden, als sie sich bei einem Spaziergang im Schlossgarten trafen und über die Loge zum goldenen Apfel ins Gespräch kamen. Für Klausberger war und ist der Stuhl des Logenbruders, den er dann zu sehen bekam, als historisches Zeugnis eine Besonderheit: „Wir haben wenig alte Gegenstände, arbeiten im Hier und Jetzt. Dieser Stuhl schafft aber eine Beziehung zu den Altvorderen“, sagt er.

Dieser Aura können im Sommer auch alle anderen Interessierten nachspüren: Im Rahmen einer geplanten Ausstellung in der Landesbibliothek in Kiel zum 300-jährigen Bestehen der modernen Freimaurerei wird der Eutiner Logenstuhl öffentlich zu sehen sein.

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