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Malente im Wandel : Ein Stück Alt-Malente verschwindet

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die alte Bauernstelle Ehrich, später Ziems, an der Bahnhofstraße muss weichen. Künftig sollen hier Kunden eines Supermarktes parken

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2015 | 15:27 Uhr

Eutin | Passanten, die vorbeikommen, schauen betrübt. „Schon wieder verschwindet ein Stück Alt-Malente“, bedauert eine Frau. Seit Tagen frisst sich der Abrissbagger einer Dithmarscher Firma durch die Gebäude der ehemaligen Hofstelle (Hausnummer 65) neben dem Sky-Markt an der Malenter Bahnhofstraße. Die Ruine der vor Jahren niedergebrannten Reese-Kate aus dem 18. Jahrhundert in der Marktstraße war als erstes dem Erdboden gleichgemacht worden. Bleiben werden nur die beiden alten Linden vor dem Bauernhaus.

Die Kieler „Coop eG“ benötigt die Flächen für die geplante Expansion ihres Sky-Marktes, dessen aktuelle Verkaufsfläche von rund 1000 Quadratmetern sich mehr als verdoppeln soll. Dort, wo die Reese-Kate stand, wird die Anlieferung erfolgen, die Hofstelle wird Parkplatz für die Kunden des Supermarktes sein. Zuletzt wirtschaftete hier der Bauer Fritz Ziems, wie sich ältere Malenter noch erinnern. Doch schon in den 70er Jahren war die Landwirtschaft wohl zum Erliegen gekommen. Das schön anzusehende Wohngebäude aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts direkt an der Bahnhofstraße war allerdings noch länger bewohnt – bis vor ein paar Jahren die letzten Bewohner auszogen.

Fritz Ziems hatte den Hof von seinem früh verstorbenen Vater Emil Ziems übernommen, weiß die Malenter Chronik von Hans Joachim Bartels zu berichten. Davor sei die Bauernstelle „undenkliche Zeiten“ im Besitz der Familie Ehrich gewesen, Emil Ziems war ein Neffe des kinderlosen Fritz Ehrich. Eine Balkeninschrift der Kate habe das Jahr 1736 getragen. Fritz Ehrich habe die alte Scheune abgerissen und neben einem Wirtschaftsgebäude ein neues Bauernhaus gebaut, wohl jenes, das in diesen Tagen dem Bagger zum Opfer fällt.

Anders als früher erfolgt der Abriss fast im Zeitlupentempo, da der Bagger gleich an Ort und Stelle in minutiöser Kleinarbeit die Baustoffe voneinander trennt. Balken landen im eigenen Container, ebenso Mauerwerk. Wo der erst 1999 gebaute Sky-Markt steht, der nun erweitert werden soll, war übrigens ebenfalls eine Hofstelle (Struck), danach eine VW-Werkstatt. Bartels listet allein für Bahnhofstraße und Marktstraße rund 30 alte Katen auf, von denen heute nur noch die Thomsen-Kate existiert.

Die Coop wartet unterdessen noch auf die Baugenehmigung für ihr schon seit vielen Jahren geplantes Vorhaben. Der Bauantrag sei eingereicht, erklärte Coop-Sprecherin Sabine Pfautsch gestern. Wann der Neubau beginnen und der neue Markt eröffnet werde, stehe noch nicht fest. Das Unternehmen gehe davon aus, dass die Baumaßnahme nicht ohne eine zeitweilige Schließung des Marktes erfolgen könne.


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