zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2017 | 07:08 Uhr

Eutin : Ein „Skitstövel“ als Motivator

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Mehr als 200 Schüler schnupperten an der Voß-Schule drei Schulstunden lang in eine von vierzehn Sprachen hinein.

von
erstellt am 23.Dez.2016 | 18:04 Uhr

Schule ist dann am besten, wenn Spaß sich mit dem Lernen paart. Dies haben viele Voß-Schüler am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien erfahren: „Auf Schwedisch klingen Schimpfwörter viel freundlicher“, bemerkt Leon (11). „Skitstövel ist ein witziges Beispiel, das heißt so viel wie Miststück oder Scheißkerl.“ „Das ist im Plattdeutschen auch so“, weiß Jan (11) – sein Beispiel „Moors“ und dessen hochdeutsche Bedeutung dürfte jedem geläufig sein. „Das beste war aber, dass wir alle so lustige Namen hatten“, findet Jan. Er habe „Hein“ geheißen. „Das war echt witzig.“

Jans Zwillingsbruder Ben (11) war dagegen besonders angetan von dem Griesbrei, in dessen Mitte in Norwegen eine Mandel versteckt wird, die dem „Finder“ Glück für das neue Jahr bringen soll. „Wir haben unglaublich viel gelernt“, berichtet Jodine (12) und gibt ein erstaunliches Beispiel: „Ich kann nun auf Chinesisch bis eine Million zählen.“ Dafür brauche man im Chinesischen nur die Zahlen von eins bis zehn, die man dann durch Zerlegung und Kombination ganz vielfältig einsetzen könne. „Das war faszinierend – und unser Lehrer, Herr Pingfei Wang, konnte das richtig gut erklären.“

„Die Nordsamen haben neun verschiedene Arten, um Tschüs zu sagen“, berichtet Fiete (12), als er von dem kleinen Volk berichtet, das im Norden von Finnland wohnt, da, wo Korvatunturi liegt und der Weihnachtsmann angeblich herkommt: „Ein Wort benutzt man, wenn man mit einem Gegenüber spricht, ein anderes, wenn man mit zweien spricht, eine drittes, wenn man mit vielen Leuten spricht. Und dann muss man in die Art des Tschüs noch einbauen, ob man selbst gerade bleibt und der andere geht oder ob der andere bleibt und man selbst geht – und ob der Gehende dann noch wiederkommt und so weiter“, weiß Fiete. Das sei zwar kompliziert – aber interessant.

Wie 230 andere Schüler der fünften, sechsten und neunten Klassen hatten diese Schüler die Möglichkeit, drei Schulstunden lang in eine von vierzehn Sprachen hineinzuschnuppern. Auf dem Wahlzettel standen Chinesisch, Dari (aus Afghanistan), Griechisch, Isländisch, Italienisch, Japanisch, Nord-Samisch, Norwegisch, Plattdeutsch, Schwedisch, Serbisch, Spanisch, Türkisch und Urdu (aus Pakistan).

„Diese Aktion hat das Jubiläum zum 450-jährigen Bestehen unserer Voß-Schule wunderbar abgerundet“, sagte Oberstudienrätin Maren Himmerkus. Das ganz Jahr sei geprägt gewesen von feierlichen Festakten, Elternaktionen, gelebter Schüler-Flüchtlingshilfe, sportlichen und abwechslungsreichen kulturellen Höhepunkten, erklärte die 48-Jährige. Sie hat die Sprachen-Schnupperkurse bereits zum siebten Mal in Eigenregie organisiert. Ohne das selbstlose Engagement der ehrenamtlichen Sprachendozenten wäre die Aktion nicht möglich, betont sie: „Die nehmen sich einen Tag Urlaub, um unseren Schülern Einblicke in die große weite Welt zu gewähren, um Vorurteile abzubauen, um Toleranz und Verständnis für andere Kulturen aufzubauen und nicht zuletzt, um unsere Schüler dafür zu sensibilieren, dass scheinbar Fremdes durch Kontakt plötzlich ganz nah und überhaupt nicht mehr fremd erscheint.“ Davor ziehe sie ihren Hut.

Natürlich kostet sie die Organisation viel Energie, aber das lohne sich. „Wenn ich bedenke, wie das Sekretariat, der Hausmeister, der stellvertretende Schulleiter, SV-Schüler und nicht zuletzt die guten Geister des Hilfstrupps aus der 6b voller Elan und ohne zu fragen mit angepackt haben, und vor allem, welch begeisterte Schülerreaktionen und welch nette Kontakte daraus hervorgegangen sind, dann kann ich immer nur sagen, ja, das war genau richtig so.“ Daher will sie das Projekt auch fortsetzen. Ihr Blick schweift zu Lena und Klara aus der sechsten Klasse, die unermüdlich und trotzdem unaufdringlich-fürsorglich die Sprachendozenten nach getaner Arbeit mit Kaffee, Tee und Stollen versorgen. Als die beiden von der Italienisch-Dozentin Viviana Herrmann gelobt werden, sie seien besser als professionelle Kellner, kommt von den Mädchen nur ein fragender Blick: „Wieso? Helfen macht doch Spaß.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen