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Ostholsteiner Anzeiger

24. November 2017 | 01:23 Uhr

„Ein Seekabel ist grenzwertig“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Dialogverfahren zur Ostküstenleitung: Viele Informationen beim Fachdialog in Scharbeutz / Trassen-Kosten im Milliarden-Euro-Bereich

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2015 | 12:29 Uhr

Rund drei Monate sind vergangenen, seitdem Umweltminister Robert Habeck zuletzt in Scharbeutz im Rahmen des Dialogverfahrens über die Ostküstenleitung gesprochen hat. Und seitdem hat sich viel getan: „Die politischen Rahmenbedingungen haben sich verändert“, sagte Habeck am Montagabend in der Christian-Klees-Halle. Denn seit dem Votum im Bundesrat steigen die Chancen, dass die künfti-ge 380-kV-Hochspannungsleitung von Lübeck nach Göhl zumindest teilweise als Erdkabel verläuft. Doch zunächst hat der Bundestag das Wort.

Im vorauseilenden Gehorsam – und aus dem Ergebnis der bisherigen Bürgerdialog-Veranstaltungen – hat das Land die Möglichkeiten von Erd- und Seekabeln überprüfen lassen. Erste Ergebnisse wurden den rund 100 Zuhörern in Scharbeutz von mehreren Fachleuten vorgestellt. So schlägt die Seekabel-Variante mit Kosten von rund 725 Millionen Euro zu Buche, während eine Teil-Erdverkabelung 477,5, eine reine Freileitung 312,5 Millionen Euro kosten würden. Und sowohl bei der Variante See- als bei der Erdverkabelung wären jeweils Freileitungen enthalten. Nicht mit einbezogen in die Kalkulationen seien die Kosten für Übergabestationen und Co. – so könnte sich beispielsweise die Summe für die von vielen aus den Ostseebädern geforderte Seeverkabelung auf mehr als eine Milliarde Euro belaufen. Ebenfalls nicht konkret kalkulierbar seien die Kosten für diese „Unter-Tage“-Spezialleitungen. „Diese Kabel kann man nicht im Baumarkt kaufen“, scherzte Carsten Schmidt, Gesamtprojektleiter Ostküstenleitung bei Tennet. Als genereller Knackpunkt für den „Auftragsnehmer Tennet“ für den Leitungsbau sei jedoch nicht die Preisfrage, sondern der rechtliche Rahmen, so Schmidt. Denn bisher gibt es für das Seekabel keine entsprechenden Grundlagen. Und für das Erdkabel erst, wenn der Bundestag grünes Licht in Sachen Sondergebiet Ostküstenleitung gibt.

„Ein Seekabel ist grenzwertig“, fasste es auch Uwe Herrmann vom Planungsbüro BHF Landschaftsarchitekten zusammen. Denn zum einen bestünde nur im Bereich Timmendorfer Strand die Chance mit der Stromleitung von Land in die Ostsee, im Bereich Grömitz retour aufs Land zu gehen. Alle anderen Bereiche
seien Naturschutzgebiete. Aus dem Publikum kam der Vorschlag, die Leitung über Mecklenburg zu führen. Nachdem sich der Applaus der rund 100 Gäste gelegt hatte, führte Herrman jedoch aus, dass der gesamte Küstenstreifen des Nachbar-Bundeslandes unter Schutz stehe – der Bau einer Stromleitung sei hier nahezu aussichtslos.

Ähnlich wenig Aussichten scheint es für die Trasse zwischen Timmendorfer Strand und Grömitz zu geben: Gerade der Bereich bei den Ostseebädern sei „ein sehr dicht besiedelter Küstenraum und Gebiete, die empfindlich auf Bauprojekte reagieren“, so Herrmann. Und an Land müsste jeweils eine etwa 170 mal 70 Meter große Übergabeanlage von der Frei- auf die Seeleitung
gebaut werden. Für das Seekabel – im übrigen fünf Leitungen parallel, die eine Breite von rund 250 Metern einnehmen könnten – müsste zudem der Meeresboden nach Munitionsaltlasten abgesucht werden – ebenfalls aufwendig und kostspielig. Doch auch die (teilweise) Erdverkabelung hat nicht nur Vorteile. So seien erste Spezialkabel erst seit 2013 auf dem Markt und noch nicht vollends ausgereift, sagte Schmidt.

Eine Ergebniskonferenz für das Dialogverfahren ist für kommenden Monat geplant. Mit dem ersten Bauabschnitt soll 2018 begonnen werden, in der Region nördlich von Lübeck ab Mitte 2019.

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