Minderheiten in Schleswig-Holstein : Ein Schutzstatus für Sinti und Roma

Sie informierten über die Lage der Sinti und Roma: (v.l.) Matthäus Weiß, Gisela Langhoff  und Thede Boysen.
Sie informierten über die Lage der Sinti und Roma: (v.l.) Matthäus Weiß, Gisela Langhoff und Thede Boysen.

Amnesty-Veranstaltung in der Kreisbibliothek beleuchtet die Situation einer europaweiten Minderheit auch in Schleswig-Holstein

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22. Februar 2011, 10:57 Uhr

eutin | Neben den Friesen und Dänen sollten in Schleswig-Holstein auch die Sinti und Roma offiziell Anspruch auf staatlichen Minderheiten-Schutz erhalten. Diese Forderung wurde jüngst in einer Veranstaltung von amnesty international in der Kreisbibliothek bekräftigt.

Dort fand in Zusammenarbeit mit dem Friedenskreis Eutin ein Informationsabend zum Thema "Sinti und Roma" statt. Amnesty-Vertreterin Gisela Langhoff führte internationale Beispiele für die Diskriminierung und große Armut der Roma in der Europäischen Union vor Augen. Sie nannte vor allem Rumänien, wo das Menschenrecht auf angemessenes Wohnen vielfach verletzt werde durch Zwangsräumungen und die menschenunwürdige Unterbringung der Opfer. Zudem würden sie in den Schulen vom allgemeinen Bildungsweg ausgegrenzt.

Aber auch in Frankreich erlitten Sinti und Roma Drangsalierungen, in Italien würden viele gegen ihren Willen sogar in gettoähnliche Lager umgesiedelt, so Langhoff. In Ungarn würden rassistisch motivierte Übergriffe auf

Roma strafrechtlich kaum geahndet. Dies alles laufe den seit 2008 verstärkten Bemühungen der EU-Kommission zuwider, die Integration der Roma voranzutreiben.

Dann stellte der Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Schleswig-Holstein, Matt-häus Weiß, die Situation der rund 5000 Sinti und Roma in Schleswig-Holstein dar. Ihre Vorfahren seien hier seit dem 15. Jahrhundert beheimatet; als sesshafte Minderheit gebe es eine Vielfalt eigener Traditionen. Ihre Muttersprache Romanes hätten die Sinti und Roma auch über die Verfolgung im Dritten Reich hinaus bis heute bewahrt; Deutsch werde als "Heimatsprache" erlernt.

Das Rahmenübereinkommen des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten ist in Deutschland 1998 in Kraft getreten. Es verpflichtet die Vertragsstaaten zum Schutz und zur Förderung ihrer nationalen Minderheiten in allen Bereichen des wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Lebens. In Deutschland sind vier nationale Minderheiten anerkannt: die dänische Minderheit, die Friesen, die deutschen Sinti und Roma und die Sorben.

Obgleich hier die vier deutschen Minderheiten gleichwertig genannt werden, finden die Sinti und Roma in Artikel 5 der Schleswig-Holsteinischen Verfassung keine Erwähnung. Dort heißt es: "Die kulturelle Eigenständigkeit und die politische Mitwirkung nationaler Minderheiten und Volksgruppen stehen unter dem Schutz des Landes, der Gemeinden und Gemeindeverbände. Die nationale dänische Minderheit und die friesische Volksgruppe haben Anspruch auf Schutz und Förderung."

Sowohl Matthäus Weiß als auch der Leiter des Minderheitensekretariats in Berlin, der Flensburger Thede Boysen, machten in der Veranstaltung deutlich, dass diese Formulierung die Sinti und Roma ausgrenze. Darin spiegele sich fehlende offizielle Wertschätzung, die von den Sinti und Roma als Diskriminierung empfunden werde.

"Es geht darum, dass es sich hier um eine heimische nationale Minderheit, Sinti und Roma als deutsche Staatsbürger, handelt", wies die Timmdorfer amnesty-Vertreterin Käthe Birkenfeldt auf eine in der Kreisbibliothek ausliegenden Unterschriftenliste hin. Sie unterstützt den Antrag der Landtagsfraktionen von SPD, Grünen und SSW auf eine entsprechende Ergänzung der Verfassung.

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