Amtsgericht Eutin : Ein Schlag mit Folgen

Die Prügelei unter Jugendlichen veränderte ein Leben.

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18. Januar 2011, 11:00 Uhr

Eutin | Es war das dumme Verhalten Jugendlicher, mit dem sich das Eutiner Jugendgericht gestern beschäftigte. Ein Fall, bei dem keiner der Beteiligten das tragische Ende gewollt hatte. Ein Fall, nach dem ein junger Mann nie seinen Traumberuf wird ausüben können. Auslöser war eine kleine Chipstüte, die zu einer Schlägerei führte, an deren Ende ein 20-Jähriger für fünf Tage ins Krankenhaus musste. Trotzdem wurde das Verfahren gegen Lars Z. (20 Jahre), Sönke M. (20. Jahre) und Viktor R. (19 Jahre) gegen Auflagen eingestellt.

Sie wollten nur eine sehr gute Klausurnote feiern, damals, am 9. Januar 2010. Aus diesem Grund fuhren Lars, Sönke und Viktor in die Disco A1 nach Lübeck. Bereits am Nachmittag war viel Alkohol geflossen. Als der Hunger kam, führte der Weg ins Schnellrestaurant Subway. Dort stellten die drei Angeklagten und ihr Fahrer fest, dass der Wagenschlüssel im Auto steckte. Die ausgelassene Stimmung kippte. Danach nahm eine Kette unglücklicher Umstände ihren Lauf.

Viktor nahm eine kleine Tüte Chips vom Tisch von Arne A. und seinen Freunden. Die wollten es auf sich beruhen lassen. Nicht aber Gerrit K., der mit Filip S. am Nebentisch saß. Er sprach Viktor an, kassierte prompt eine Kopfnuss, wehrte sich und rang Viktor nieder. Zivilcourage nannte Gerrit das, Dummheit einer der Verteidiger. Lars und Sönke glaubten, ihr Freund sei angegriffen worden. Filip wiederum wollte Gerrit zur Hilfe kommen. Bis zu diesem Zeitpunkt handelte es sich noch um eine einigermaßen harmlose Prügelei unter Halbstarken. Dann aber kam der Moment, der Filips Leben für immer veränderte. Die Auseinandersetzung war eigentlich schon beendet, da bekam Filip noch einen letzten Schlag ins Gesicht. "Ich kann nicht genau sagen, von wem der kam. Aber mir wurde schwarz vor den Augen", berichtete er. Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass der Gesichtsknochen gesplittert war. Filip musste noch am selben Tag operiert werden. Die Operationsnarbe über dem linken Auge ist noch immer zu sehen. Aus Angst, der Knochen könnte wieder brechen, kann Filip keinen Sport mehr treiben. "Ich muss selbst bei Umarmungen aufpassen, dass die Stelle nicht berührt wird", schilderte er dem Gericht mit Tränen erstickter Stimme. Für ihn am Schlimmsten: Eine Bewerbung für seinen Traumberuf bei der Polizei ist nicht mehr möglich. Stattdessen studiert er nun Maschinenbau.

Für Richter Otto Witt eine schwierige Situation: "Hätte es den letzten Schlag nicht gegeben, hätte ich das Verfahren gegen Zahlung von Schmerzensgeld eingestellt." So aber kam die Einstellung nur gegen Auflagen in Frage: Lars und Sönke müssen je 30 Arbeitsstunden leisten, Viktor 80. Bei ihm sei die Einstellung am schwersten gefallen. Immerhin habe seine blödsinnige Aktion alles ausgelöst. "Es geht im Jugendstrafrecht aber nicht um die Frage, wie ich strafe. Sondern darum, wie man eine Wiederholung verhindert", erklärte Witt.

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