zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

17. Dezember 2017 | 15:04 Uhr

Ein nur scheinbar unpassendes Paar

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein Workshop der Kreismusikschule führte Akkordeon- und Saxophonspieler zusammen / Im Mittelpunkt stand die schwierige Kunst des Improvisierens

von
erstellt am 17.Sep.2014 | 12:21 Uhr

Es gibt Instrumente, die eigentlich nicht zusammen passen. Akkordeon und Saxophon sind so ein Paar. Ein Stück größer wird die Überraschung, wenn mit dem Akkordeon auch noch Jazz gespielt wird. Denn eigentlich ist es ein Instrument der Volksmusik.

Hans-Günther Kölz (Akkordeon) und Matthias Anton (Saxophon, Klarinette und Querflöte) zeigen, wie gut das Tasten- und das Blasinstrument zusammen passen. Erlebt haben das kürzlich 70 Zuhörer eines Konzertes im Sielbecker Jagdschlösschen. Und am Tag darauf 18 Teilnehmer eines Workshops in der Kreismusikschule, den Akkordeonlehrerin Angelika Eger organisiert hatte.

Hans-Günther Kölz war schon einmal auf Einladung Egers in Ostholstein. Seine zweite Reise trat der Schwabe mit dem Kollegen Prof. Matthias Anton an. Und so gab es sowohl für Akkordeon- wie auch für Saxophon-Spieler einen Workshop, der in Teilen getrennt, am Anfang und Ende aber auch gemeinsam lief.

Unter den Stichworten „Spielen – Improvisieren – Begleiten“ hatte Eger den Unterrichtstag ausgeschrieben. Für fast alle Teilnehmer, die aus der ganzen Region bis hin aus Hamburg angereist waren, stand aber ein Begriff im Fokus: Improvisieren. Eine Lernfähigkeit im Jazz. Und eine Fähigkeit, die im traditionellen Instrumentenunterricht anfangs keine Rolle spielt.

Denn der Schüler eines Instrumentes hat in den ersten Monaten und Jahren ausreichend damit zu tun, Noten zu lesen und sie fehlerfrei nachzuspielen. Es ist eine Binse, dass ein guter Improvisateur zunächst ein Instrument gut beherrschen muss, bevor er anfangen kann, quasi aus dem Augenblick heraus eigene Melodien zu erfinden.

Bei Kölz und Anton steht außer Frage, dass sie Meister ihres Instrumentes sind. Neben Virtuosität, die zwar Talent, vor allem aber intensives Üben erfordern, gibt es für Improvisationen aber auch ein paar Techniken. Und die haben Kölz und Anton im Workshop vermittelt.

Das Zauberwort heißt Pentatonik: Es geht um Tonleitern mit fünf Tönen, die im Grunde immer passen, wenn auf eine bestimmte Akkordfolge eine Melodie gesetzt werden soll. Vereinfacht gesagt: Wenn ein Musiker ein Solo spielen soll, braucht er eigentlich nur die Tonart zu wissen und kann auf deren Basis pentatonisch eine Melodie „draufpacken“, da wird nichts „schief“ klingen.

Genau das übten Kölz und Anton mit ihren jeweiligen, gleich starken Gruppen, bevor es am Nachmittag zum finalen Gruppenspiel kam. Dabei dienten ein Stück mit dem Namen „Mango Tango“, das Kölz und Anton komponiert haben, sowie eine Blueskadenz („Backwater Blues“) als Basis für ein „Orchester“, das nur aus Akkordeon- und Saxophonspielern bestand.

Da hatte jeder die Chance, einmal selbst ein paar Takte zu improvisieren – für viele Teilnehmer das erste Mal in ihrem Musikerleben, dass sie nicht nach Noten, sondern frei nach ihrem Gefühl spielten. Das ist schwerer, als es der Musiklaie vermuten mag.

Und wie weit ein selbst ambitionierter Schüler und ein „Profi“ auseinander sein können, zeigte ein kleines Konzert der Dozenten zum Abschluss. Da ließen Kölz und Anton mit scheinbarer Leichtigkeit und Sicherheit ihre Finger über die Akkordeon-Tasten und Saxophon-Klappen fliegen, von der ein Hobby-Musiker nur träumen kann. Auch Angelika Eger kam ins Schwärmen ob der Virtuosität der beiden Dozenten, die mit ihrer sympathischen schwäbischen Gelassenheit den Workshop leiteten.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen