Geburtstagswunsch : Ein netter Mann zum Hundertsten

Mit ihrer ganzen Familie - und vielleicht einem netten Mann - verbringt Edith Weidler ihren heutigen 100. Geburtstag. Foto: Resthöft
Mit ihrer ganzen Familie - und vielleicht einem netten Mann - verbringt Edith Weidler ihren heutigen 100. Geburtstag. Foto: Resthöft

Die Eutinerin Edith Weidler weiß genau, was sie sich zu ihrem heutigen Ehrentage wünscht.

Avatar_shz von
24. Januar 2011, 11:24 Uhr

Eutin | Was wünscht sich jemand, der heute seinen 100. Geburtstags feiert? Für Jubilarin Edith Weidler eine ganz einfache Frage: "Einen netten Mann", sagt sie mit blitzenden Augen und verschmitztem Lächeln. Aber groß müsse er sein, mit einer guten Figur, großen Händen und geraden Beinen. Denn die seien zum Tanzen sehr wichtig.

Getanzt hat die Frau, die heute auf einen Gehwagen oder Rollstuhl angewiesen ist, schon immer gerne. Vor allem Walzer. Wenn ein Mann jedoch nicht gut tanzen konnte, dann wurde er auch mal getreten und "gebufft, damit er den richtigen Takt fand." Viel und gerne tanzte Edith Weidler mit Günther, ihrem Mann. Ihn, einen Freund ihres Bruders, heiratete sie schon mit 22 Jahren. Sein gutes Aussehen habe sie fasziniert. "Und seine Größe", fügt sie mit einer Betonung hinzu, als stünde sie auf einer großen Theaterbühne. Damit sie mit ihren 1,67 Metern neben ihm, der immerhin über 1,90 Meter groß war, nicht zu klein wirkte, habe sie immer nur hochhackige Schuhe getragen, erinnert sie sich.

Geboren wurde Edith Winkler am 24. Januar 1911 in Berlin als Tochter eines Wein- und Likörfabrikanten. "Hochprozentige Menschen müssen hochprozentige Liköre trinken", sagt sie. Doch der forschen Behauptung folgt das Bekenntnis: Sie selbst möge gar keinen Likör. Dafür erprobt sie mannigfaltig ihre Fantasie. "In Hannover an der Leine haben die Mädchen krumme Beine", rezitiert sie gerne. Ein selbst erdachter Vers, wie sie betont. Sie ersinne gerne eigene Geschichten, eine sei sogar einmal veröffentlicht worden. 100 Mark habe es dafür gegeben. Für ihre Enkelinnen habe sie sich öfter Märchen ausgedacht. Kinder und Geschichten waren die Leidenschaften von Edith Weidler, die Ausbildungen als Kindergärtnerin, Jugendleiterin und Bibliothekarin hat. "Während mein Vater und ich eher Techniker sind, ist meine Mutter ein sehr kreativer Mensch", fasst Tochter Heidi Jäschke, lange Jahre Lehrerin am Weber-Gymnasium, zusammen.

Ihre Kreativität hat Edith Weidler auch bei Kriegsende auf der Flucht geholfen. Kurz nach ihrer Hochzeit hatte es das junge Ehepaar in die Tschechoslowakei verschlagen, wo Ingenieur Günther Arbeit gefunden hatte. Ende Mai 1945 machte die Familie, zu der inzwischen die beiden Töchter Ingrid und Heidi gehörten, sich mit einem dreirädrigen Kinderwagen auf gen Westdeutschland. "Den Schmuck hatte ich in ein paar gekochte Kartoffeln eingequetscht und die Schale drüber gezogen", schildert Edith. Der Trick gelang - der Schmuck wurde später an die beiden Töchter verteilt.

Einen Tipp, wie man 100 Jahre alt wird, kann Edith Weidler jedoch nicht geben. Immer etwas Gymnastik und die gute Betreuung durch Tochter Heidi - das sei ihr Geheimnis gewesen. Und auf diese Weise will sie es noch mindestens bis zu ihrem 105. Geburtstag schaffen.

Ob neben der Familie, zu der neben den beiden Töchtern auch fünf Enkel und sieben Urenkel gehören, auch ein netter Mann zur Geburtstagsfeier kommt, ist bis jetzt noch unklar. Vielleicht ja Jopi Heesters? "Nee, der ist zu klein", entgegnet Edith Weidler resolut. Wie gesagt: Unter 1,90 Meter läuft bei ihr gar nichts.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen