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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 10:03 Uhr

Ein Nachbar verändert zwei Leben

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

450 Euro Geldstrafe für sexuelle Beschimpfungen

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2015 | 13:03 Uhr

Lena B.* schiebt den Zeugentisch ein Stück zur Richterin, bevor sie Platz nimmt. Der Abstand zwischen ihr und dem Angeklagten soll so groß wie möglich sein, wenn die 31-Jährige vor Gericht alle verletzenden Aussagen wiederholen muss, die ihr ehemaliger Nachbar gebraucht hat, um sie zu demütigen.

Denn nach Jahren der Beleidigungen und Bedrohung erstattete sie am 18. April dieses Jahres Anzeige. Gestern musste sich Klaus T.* (75) deshalb vor dem Eutiner Amtsgericht verantworten. Zur Verhandlung kommt der Rentner alleine mit einer schwarzen, dünnen Aktentasche und viel Vorgeschichte, weshalb ihn seine Wohnungsbaugenossenschaft aus der Wohnung vertreiben wolle. An den Vorwurf, Lena B. an dem Apriltag als „Nuttenprinzessin“ und „Hure“ beschimpft, ihr vor der kleinen Tochter sogar gedroht zu haben, sie so blutig zu schlagen, dass sie wochenlang keiner mehr anschaut, kann er sich nicht erinnern. Seine Version: „Ich habe sie lediglich daran erinnert, dass sie mir noch 205 Euro Anwaltskosten schuldet.“ Die Mutter des Opfers verfolgt die gesamte Gerichtsverhandlung und schüttelt bei seinen Äußerungen vehement den Kopf. „Es ist Wahnsinn, was er meiner Tochter und mir damit angetan hat. Er hat ihr das Leben zur Hölle gemacht.“ Richtig schlimm sei es mit den Drohungen und Beschimpfungen wieder im Dezember vergangenen Jahres geworden, als ein Nachbar, der „ihn gut im Griff“ hatte, ausgezogen ist. Angefangen habe alles mit der Geburt ihrer Tochter vor etwas mehr als sechs Jahren. „Ich solle doch lieber abstillen, weil auch mal wieder ein Mann an meine Brüste will“, habe er Lena B. geraten, ihr sexuelle Avonncen gemacht, die ins Leere liefen. Ob er ihr danach mehrere Freier nachsagte und bei ihrem Arbeitgeber behauptete, sie würde Prostitution betreiben, weil er frustriert war, weiß Lena B. bis heute nicht. Nur soviel: „Ich habe richtig Angst vor ihm und davor, dass er mich und meine Tochter findet.“

Dass er nicht nur sie auf dem Kicker hatte, sondern auch anderen gegenüber laut und handgreiflich geworden sein soll, sei im Haus bekannt. Einer der ermittelnden Polizeibeamten sagt vor Gericht: „Ich kenne ihn aus einem anderen Zusammenhang und weiß, dass er sehr aufbrausend und teils cholerisch sein kann. Das wurde er auch, als wir bei ihm waren.“

An der Glaubwürdigkeit des Opfers und der Zeugen zweifeln weder Richterin noch Staatsanwaltschaft. Klaus T. wird zu einer Geldstrafe von 450 Euro verurteilt.

Lena B. ist nach dem Vorfall im April ausgezogen, würde wegen ihm am liebsten die Stadt verlassen, doch dafür reiche das Geld nicht, sagt die Krankenschwester und alleinerziehende Mutter. Ihr graut vor November. Dann sieht sie Klaus T. erneut vor Gericht, „weil er gegen die einstweilige Verfügung vorgegangen ist“. Demnach darf er sich ihr nicht mehr nähern und auch nicht auf ihre Arbeit kommen.


* Namen geändert

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