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Ostholsteiner Anzeiger

21. September 2017 | 01:42 Uhr

Eutin : Ein Meilenstein zur Inklusion

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bundesweit erstmalig: Die Beruflichen Schulen habe Barrierefreiheit in die Ausbildung des Elektrohandwerkes aufgenommen.

shz.de von
erstellt am 06.Jul.2017 | 18:00 Uhr

Hindernisse spornen an, sie zu überwinden. Die Berufliche Schule Eutin hat das Thema barrierefreies und seniorengerechtes Bauen und Wohnen bundesweit erstmalig in die Ausbildung des Elektrohandwerkes aufgenommen. Die Resultate des Nachdenkens und Tüftelns begeisterten gestern den neuen schleswig-holsteinischen Sozialminister Dr. Heiner Garg (FDP) bei der Vorstellung des barrierefreien E-Hauses: „Ein Meilenstein für die Verwirklichung von Inklusion.“

Bei seinem Besuch in Eutin drückte der Minister die Hoffnung aus, dass „dieses Beispiel des barrierefreien E-Hauses im Wortsinn ,Schule macht‘“. Ob ein per Knopfdruck höhenverstellbarer Küchenblock für das Kochen im Sitzen oder eine entsprechende Waschkonsole, ein elektrischer „Herdwächter“, der die Frage „Ist der Herd wirklich aus?“ künftig niemanden mehr nach Hause umkehren lässt, Rufanlagen, die das Licht betätigen und einen Notruf absetzen können oder automatisch betriebene Türanlagen und vieles mehr kann Menschen mit Einschränkungen das Leben erleichtern. Sich in deren Alltag hineinzuversetzen, gelang den Schülern und Lehrlingen mit Hilfe von Alterssimulationsanzügen und speziellen Brillen.

In zwei Räumen wurde dem Minister und den geladenen Gästen demonstriert, was ein hochmotiviertes Team von Lehrkräften und Schülern an technischen Möglichkeiten entwickelt hat. Voller Stolz berichtete Schulleiter Carsten Ingwertsen-Martensen, dass das Inklusionskonzept des Kreises Ostholstein für die Beruflichen Schulen eine Verpflichtung sei und man ein eigenes Inklusionskonzept entwickele und als innovative Schule die Digitalisierung des Lernens vorantreibe. „Wichtig ist auch fächerübergreifendes und -verbindendes Arbeiten. So haben verschiedene Gewerke und Bereiche an diesem Projekt unserer Schule mitgearbeitet, Elektrotechnik, Metallbau, Farbtechnik, Holztechnik und Pflege.“

Ingwertsen-Martensen weiter: „Darüber hinaus schaffen wir im Lehrplan weitere Kompetenzen, die die Auszubildenden für ihre Arbeit zukunftsfähig machen, in dem wir ein Lernfeld 'Entwicklung eines barrierefreien E-Hauses im Klassenraum' schaffen.“ Der Schulleiter dankte den beiden Projektleitern Nico Jens Wohlan und Hartmuth Zittlau eben so wie den zahlreichen Unternehmen und Institutionen, die das Projekt unterstützen.

Landrat Reinhard Sager (CDU) betonte die Bedeutung der Teilhabe von Menschen mit Einschränkungen und dass sich der Kreis dies auch etwas kosten lasse. In Sachen Inklusionsthematik stünden in 2017 neun Millionen Euro für die Beruflichen Schulen zur Verfügung und in den nächsten fünf Jahren weitere zwei Millionen Euro. Der Kreis Ostholstein sei aufgrund seiner demografischen Entwicklung und des Zuzuges älterer Menschen prädestiniert für Lösungen, wenn es um den Abbau von Barrieren gehe. Die Entwicklung des E-Hauses sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg, den Alltag zu erleichtern.

Minister Garg betonte in seiner Rede, dass die Inklusion ein komplexer dynamischer Prozess seit gut 20 Jahren in Schleswig-Holstein sei. Die Zahl der Ideen für Barrierefreiheit sei groß und so wolle auch die neue Landesregierung ressortübergreifend den Landesaktionsplan gemeinsam weiter voranbringen. Es sei für ihn aber auch eine moralische Pflicht, dafür zu sorgen, dass alle Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Garg: „Barrieren im Kopf müssen verschwinden. Die Unterschiedlichkeit der Menschen ist kein Hindernis, sondern eine Bereicherung. Das sollte unser Ansporn sein.“

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