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Schönwalde : Ein Mann macht eine Kirche zur Bühne

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schauspieler Hartmut Lange zeigt in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Schönwalde das Ein-Personen-Stück "Judas".

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2015 | 11:00 Uhr

Sind wir nur Marionetten? Wie frei sind wir Menschen und wie schuldfähig ist jemand? Diesen Fragen wird im Theaterstück „Judas“ der niederländischen Autorin Lot Vekemans nachgegangen. Inszeniert wird das Einmannstück erstmalig am Mittwoch, 18. Februar, in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Schönwalde.

Der Aschermittwoch, als Auftakt der Passionszeit, wurde bewusst vom Schauspieler Hartmut Lange als Premierentermin gewählt. Hartmut Lange, der unter anderem schon im Kino-Film „Herr Lehmann“ und zuletzt im Kieler Tatort mitspielte, bringt das Stück nun nach Norddeutschland. In sieben verschiedenen Kirchen Schleswig-Holsteins wird es zu sehen sein. Die Inszenierung des Monologs Judas’ kommt ohne weitere Kulisse aus. Der Text des Stückes soll das Publikum dazu „verführen mitzudenken und nicht nachzudenken“, so Lange.

Um das Publikum nicht mit den Gedanken allein nach Hause gehen zu lassen, werden am 24. Februar und am 10. März Gesprächsabende im Gemeindehaus in Schönwalde angeboten. Hier wird die Gelegenheit gegeben, sich mit dem Theaterstück auseinanderzusetzen, aber vor allem auch Fragen nach Schuld und Schicksal im Leben zu besprechen.

Judas wird in dem Stück nicht in der Rolle des bloßen Verräters gezeigt, die ihm im Rahmen der Kirchengeschichte meistens zuteil wurde. Vielmehr geht diese anspruchsvolle Figur hier in den Diskurs. Er wird als Zweifler und Denker, nie aber als Leugner dargestellt. Pastor Dr. Arnd Heling hat das Stück gerne nach Schönwalde geholt. Er betont, dass der Text zwar „provokant, aber nie blasphemisch“ ist. Der Respekt vor der Gestalt Jesus’ sei stets gewahrt. Weiter erklärt Heling, dass das Stück „keine Antworten gibt, aber Fragen schärft.“

Für den Protagonisten Hartmut Lange war schnell klar welche Dramaturgie in dem Stück liegt. Judas in einer „Armee aus folgsamen Schissern“, wie es im Text heißt, war der einzige der gehandelt hat. Die ihn plagenden Zweifel und Gedanken können die Zuschauer in den sieben Vorstellungen erleben.

Das Ergebnis nach der Aufführung Hartmut Langes soll der Wunsch des Publikums nach einer weiteren Aufführung sein, so der Darsteller. Enttäuscht zeigt er sich allerdings darüber, dass sich keine Kirchen in Lübeck oder Eutin gefunden haben, die die Inszenierung präsentieren möchten.

 

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