Eutin : Ein Mann bremst Voss-Haus-Neubau

Keine Wohltat für Nachbarn und Betrachter: Das Grundstück mit den Resten des abgebrannten  Hotels „Voss-Haus“.
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Keine Wohltat für Nachbarn und Betrachter: Das Grundstück mit den Resten des abgebrannten Hotels „Voss-Haus“.

Die Stadt gibt sich weiter wohlwollend und verlängert die Baugenehmigung. Bürgermeister soll versuchen, Nein-Sager umzustimmen.

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06. Juni 2014, 12:51 Uhr

Der Tagesordnungspunkt für den Stadtentwicklungsausschuss las sich unkompliziert: „Einvernehmen zur Verlängerung der Baugenehmigung“ für den Neubau des Voss-Hauses. Doch bei der Behandlung wurde die Brisanz deutlich: Offensichtlich verhindert eine Person, dass der Eigentümer des im Januar 2006 abgebrannten historischen Hotels Voss-Haus mit einem Neubau beginnen kann.

Zu den Fakten: Ein Bebauungsplan der Stadt zum Wiederaufbau des Voss-Hauses wurde am 24. April 2008 gültig, genau ein Jahr später erteilte der Kreis die Baugenehmigung für ein Hotel mit 40 Betten und einem Restaurant mit 40 Sitzplätzen.

Als Auflage steht in der Baugenehmigung, dass für das neue Hotel ein zweiter Rettungsweg konzipiert werden muss, und das im Einvernehmen mit der Eigentümergemeinschaft des angrenzenden Gebäudes Voßplatz 10. Jetzt kommt der Haken: Dieser zweite Rettungsweg wäre technisch und räumlich kein Problem, müsste aber im Grundbuch des Nachbarhauses eingetragen werden. Ausnahmslos alle Mitglieder der Eigentümer-Gemeinschaft müssen zustimmen.

Mit einer Ausnahme wären alle Eigentümer dazu bereit. Nach Informationen des OHA verweigert ein Eigentümer, der nicht im Haus wohnt, seine Zustimmung, weil er noch eine persönliche Rechnung mit dem Voss-Haus-Bauherren offen hat.

Die Folge: Gut acht Jahre nach dem Brand hat sich auf dem Grundstück am stadtgestalterisch und baukulturell bedeutsamen Voßplatz wenig getan. Das Gelände ist weder für Nachbarn, noch für das Auge des Passanten eine Wohltat. Der Bürgermeister hat, wie es in de Sitzungsvorlage hieß, mehrfach den Kontakt zu dem Bauherren aufgenommen. Trotz der fortwährenden Zusage, dass er kurzfristig zumindest mit der Errichtung einer Kellerdecke als ersten Bauabschnitt zum Neubau des Voss-Hhauses beginnen werde, sei nichts passiert. Und das ist angesichts der verfahrenen Situation um den fehlenden Rettungsweg vermutlich auch nicht in Sicht.

Seit Januar dieses Jahres sind eine Sanierungssatzung und eine Erhaltungssatzung der Stadt rechtskräftig. Vor diesem Hintergrund hatte der Kreis die Stadt gefragt, ob die Bauvorlage zum historischen Voss-Haus unter dem Aspekt der Satzungen noch gelten soll.

Mit diesen Satzungen hätte die Stadt auch Druckinstrumente gegen den Bauherren in der Hand („Baugebot“). Doch die Mitglieder des
Stadtentwicklungsausschusses gaben sich einstimmig wohlwollend: Es wurde eine notwendige Verlängerung der Baugenehmigung beschlossen. Und die Stadt
will „...weiterhin im Dialog mit dem Vorhabenträger schnellstmöglich ein Neubau des Voss-Hauses am städtebaulichen prägenden und historisch wertvollen Voßplatz entstehen zu lassen.“

Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz erhielt den Auftrag, mit dem Nein-Sager der Eigentümergemeinschaft zu sprechen und ihn möglichst umzustimmen. Und erneut mit dem Bauherren, wenigstens endlich anzufangen.







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