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Revolutionärer Plan : Ein Lift fürs Eutiner Schloss

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Stiftung Schloss Eutin arbeitet daran, das Kulturdenkmal bis zur Landesgartenschau möglichst barrierefrei zu gestalten.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2015 | 12:00 Uhr

Eutin | Das Gemäuer entzieht sich einfachen Lösungen. „Völlig problemlos geht hier gar nichts“, sagt Matthias Bönsel, wenn es darum geht, das Eutiner Schloss instand zu halten oder gar an die Erfordernisse der modernen Zeit anzupassen. Eigentlich sei nichts so einfach machbar, weiß der Interimsgeschäftsführer der Stiftung Schloß Eutin.

Um so gewagter erscheint da ein Vorhaben, das aus rein historischer Sicht kaum mit dem ehemaligen Sitz der Oldenburger Großfürsten in Einklang zu bringen ist. Das Schloss soll einen Aufzug erhalten. Keinen, der vielleicht Speisen oder sonstiges aus dem Erdgeschoss in die Belletage transportiert, sondern einen richtigen Personenaufzug. Er soll im Südflügel in einem Raum installiert werden, der direkt an den Kassenraum grenzt.

Das Projekt Fahrstuhl hat einen ernsten Hintergrund: Die Stiftung Schloss Eutin will das Denkmal im Zeitalter der Inklusion barrierefrei gestalten und damit auch eine Auflage des Kreises Ostholstein erfüllen. „Wir möchten das Schloss möglichst für alle zugänglich machen“, erklärt Bönsel. Dafür muss auch der Innenhof des Schlosses in Angriff genommen werden. So, wie das Pflaster derzeit verlegt ist, haben schon Besucher, die keine Probleme mit dem Laufen haben, ihre liebe Not mit den vielen Unebenheiten und den buckeligen Steinen, ganz zu schweigen von Rollstuhlfahrern oder Nutzern eines Rollators.

Bei der innerhalb des Schlosshofs außen liegenden Umwegung ist bereits eine Lösung gefunden: Hier sollten anstelle der kleinteiligen Steine großflächige und damit besser begehbare Granitplatten verlegt werden, kündigte der Bauberater der Stiftung Schloß Eutin, Jörg Paetow, an. Dies sei mit dem Landeskonservator, dem Kreis und dem Herzog abgesprochen worden. Beim holperigen Kopfsteinpflaster, das den Großteil des Innenhofs ausmacht, experimentieren die Experten derzeit mit der Verfüllung der tiefen Stellen zwischen dem Kopfsteinpflaster mit Spezialkies, um so eine möglichst ebene Fläche zu erhalten. Außerdem soll der Gastronomiebereich einen rollstuhlgerechten Zugang erhalten.

Handlungsbedarf bestand auch bei den Toiletten. Bislang habe es im ganzen Schloss kein WC gegeben, das Rollstuhlfahrer hätten nutzen können, berichtet Bönsel. Deshalb ist die Toilettenanlage im Nordflügel in diesen Tagen umgebaut worden. Auch Behinderten-Parkplätze soll es künftig geben. Wo, stehe noch nicht fest, sagt Bönsel. „Beim Standort sind wir noch im Gespräch mit dem Kreis.“

Noch ungelöst ist das Problem Brandschutz. Durch die Einführung der Audio-Guides lassen sich die vom Kreis Ostholstein vorgegebenen Sicherheitsstandards nur durch zusätzliches Personal erfüllen. Denn wenn die Besucher nicht in geführten Gruppen im Schloss unterwegs sind, ist es ungleich schwieriger, sie im Brandfall zu warnen. Eine Alarmierung in den einzelnen Räumen über Funk ist aber nicht möglich, bedauert Bönsel: „Die Wände sind so dick, dass man nicht mit einem Funksignal arbeiten kann. Da müssen wir andere Lösungen suchen.“

Jährlich hat die Stiftung 185  000 Euro Baumittel zur Verfügung. Da möglichst viele Maßnahmen bis zum Beginn der Landesgartenschau am 28. April 2016 umgesetzt werden sollen, soll die 2016 zur Verfügung stehende Summe bis dahin verbaut werden. Ob es dann zur Gartenschau bereits einen Aufzug geben wird, steht noch nicht fest.

Bereits installiert ist dagegen ein neues Kassensystem. „Damit lassen sich auch die Shop-Produkte leichter erfassen“, erläutert Bönsel. Das System werde oft bei Landesgartenschauen eingesetzt. Damit sollte es für den erhofften Besucheransturm im Schloss gerüstet sein. Erwartet werden bis zu 80  000 Gäste. „Das wäre mit unserer alten Kasse undenkbar gewesen.“ Zum Vergleich: 2014 kamen 22  000 Besucher ins Schloss.

Eine weitere, in historischen Mauern heikle Operation haben die Handwerker bereits bewerkstelligt. Bislang mussten sich die Mitarbeiter im Kassenraum warm anziehen, wenn sie nicht frieren wollten. Das ist vorbei. Jetzt gibt es dort eine Heizung.

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