Ein letzter Auftrag aus Mali wartet noch

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Bundeswehr-Fahrlehrer Jörg Siewert war ein halbes Jahr in Afrika als Berater für Armeekraftfahrer im Einsatz – und hat verschiedene Hilfsprojekte verwirklicht

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27. Juli 2015, 17:15 Uhr

Eigentlich ist das Kapitel abgeschlossen. Jörg Siewert war ein halbes Jahr als Ausbilder der Bundeswehr im afrikanischen Mali. Er hat, wie schon bei einem Einsatz in Afghanistan im Jahr 2010, neben seinem dienstlichen Auftrag auch Spenden organisiert. Siewert hat geholfen, die medizinische Versorgung zu verbessern, er hat Schulbücher und für eine Fußballmannschaft auch Trikots besorgt.

Aber einen Auftrag hat der 52-jährige Stabsfeldwebel, der Fahrlehrer beim Kraftfahrausbildungszentrum in Eutin ist und bei Lütjenburg lebt, noch mitgebracht: Ein Stipendium besorgen. Im malischen Koulikoro, wo der Stützpunkt von insgesamt 28 europäischen Armeen stationiert ist, half ihm der 31-jährige Abdou Konaté mit umfangreichen Sprachkentnnissen in Deutsch, Englisch, Französisch und eine Sprache der Einheimischen, Bambara.

Abdou Konaté ist Lehrer an einem Gymnasium in Koulikoro. Er hat den Bachelor als Studienabschluss. Und er würde gerne noch den Master machen. Am liebsten an einer deutschen Universität. „Ich hab mit den Recherchen begonnen, welche Möglichkeiten es da gibt“, sagt Siewert. Er findet, dass ein ergänzendes Studium für Abdou Konaté ein Stück Entwicklungshilfe wäre: „Der geht mit Sicherheit zurück in seine Heimat und kann dort wertvolle Arbeit zur Entwicklung seines Landes leisten.“

Anders als bei seinem Einsatz in Afghanistan, wo Siewert als Konvoiführer viel unterwegs war, aber kaum mit Einheimischen zu tun hatte, lebte er in Koulikoro mit Soldaten der malischen Armee Tür an Tür. Als Mitglied eines 14-köpfigen deutschen Pionierausbildungskommandos kümmerte er sich vor allem um die Aus- und Weiterbildung der malischen Kraftfahrer.

„Die malischen Soldaten waren uns gegenüber freundlich, interessiert und in jeder Hinsicht offen. Sprachbarrieren erschwerten manchmal die Arbeit. Auch die Bürokratie innerhalb der EU-geführten Mission macht das Leben nicht unbedingt in jeder Situation leichter. Andererseits nehmen immerhin 28 Nationen an der Ausbildungsmission in Mali teil. Da läuft manches nicht ganz so straff, wie wir es vielleicht gewohnt sind.“

Schon vor der Abreise nach Afrika hatte sich Siewert erkundigt, wie er Menschen im Einsatzland helfen könnte, und von einem Militärpfarrer wichtige Hinweise bekommen. So bekam er von einer Lütjenburger Arztpraxis einen Autoklav gespendet, mit dem medizinisches Werkzeug sterilisiert werden kann, und ein Ultraschallgerät. Der Autoklav leistet jetzt in einer Tagesklinik wertvolle Dienste. Und das Ultraschallgerät fand in einem Geburtshaus einen optimalen Bestimmungsort.

Für junge Fußballer schaffte Siewert mit Hilfe von Christoph Bruhn, Inhaber des Sporthauses Gehrmann in Lütjenburg, ein unvergessliches und nachhaltiges Erlebnis. Ein Soldaten-Team trat gegen die 1. Fußballmannschaft des AS Nianan an, die in der nationalen Liga spielt – und die Gäste mit 8:1 Toren vom Platz schickte. „Die konnten echt super spielen.“

Zum Programm dieses Tages gehörte, dass die Jugendmannschaft einen kompletten Trikot-Satz bekam, außerdem wurden weitere Sportartikel wie Bälle, Fußballschuhe und Torwarthandschuhe verschenkt.

Wie schon bei seinem Einsatz für ein Kinderkrankenhaus in Kabul erfuhr Siewert auch für Afrika eine große Unterstützung in seiner Heimatstadt. 2000 Euro kamen durch verschiedene Aktionen zusammen. Dieses Geld setzte Siewert für zwei Projekte ein: Mit umgerechnet 800 Euro finanzierte er eine ärztliche Versorgungstour über Dörfer. Und mit dem Rest des Geldes kaufte er Schulbücher für den Deutsch-Unterricht an der örtlichen Schule.

Obwohl die Sprache der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich in Mali dominiert, sei Deutsch sehr beliebt, hat Siewert erlebt. „Dort weiß heute noch jedes Kind, dass Deutschland im Jahre 1960 den Staat Mali als erstes Land der Welt offiziell anerkannt hat. Das ist nach 55 Jahre nicht vergessen und Deutsche genießen dort ein hohes Ansehen und Vertrauen.“

Nach Afghanistan hat Jörg Siewert auch den Einsatz in Mali als lohnende und bestandene Herausforderung empfunden – und sich für seine weitere Lebensplanung beeinflussen lassen. Der 52-Jährige hat noch zwei Jahre Dienst bei der Bundeswehr vor sich – und einen konkreten Plan, was danach passiert: „Ich hab’ schon eine Lehrstelle als Landschaftsgärtner.“ Und er könne sich gut vorstellen, mit diesem Rüstzeug noch eine weitere berufliche Karriere anzugehen: „Irgendwie hab ich immer davon geträumt, einmal Entwicklungshelfer zu werden.“

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