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Ostholsteiner Anzeiger

22. November 2017 | 21:33 Uhr

Ein Lebensstart in Obhut

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Kinder- und Jugendhaus des SOS-Kinderdorfes Schleswig-Holstein in Lütjenburg wird „erwachsen“

von
erstellt am 06.Okt.2017 | 16:58 Uhr

Es ist eine unscheinbare Nebenstraße in Lütjenburg, ebenso unscheinbar das rote Backsteinhaus zwischen den anderen Häusern dieser Straße. Und doch ist es eine Adresse mit besonderer Bedeutung – für die Stadt und für die Bewohner des Hauses. Seit nunmehr 20 Jahren gibt es das Kinder- und Jugendhaus des SOS-Kinderdorfes Schleswig Holstein. Das Haus bietet Kindern und Jugendlichen, die aufgrund familiärer Situationen nicht mehr in ihrem bisherigen Umfeld bleiben können, einen neuen Schutz- und Entwicklungsraum.

„Die Kinder kommen aus sozialen Gründen zu uns, die sich weniger bei den Kindern abzeichnen, sondern vielmehr beim Herkunftssystem liegt“, sagte Matthias Borgward, Bereichsleiter des Jugendhauses. Ziel sei es, den Kindern einen Platz mitten in der Gesellschaft zu ermöglichen. „Das ist eine Qualität, die nicht immer sofort messbar ist, jedoch dann zum Tragen kommt, wenn die Jugendlichen ausziehen und selbständig werden.“

Das Kinder- und Jugendhaus wurde 1997 in enger Zusammenarbeit mit dem Kreis Plön eröffnet. Es bietet Platz für bis zu zehn Kinder zwischen zwölf und 18 Jahren. Sie wohnen entweder in Einzelzimmern oder – wenn älter – in kleinen Appartements mit eigener Küche und Bad. Sie besuchen öffentliche Schulen oder haben einen Ausbildungsplatz.

Die Kleineren werden zentral im Haupthaus versorgt. Von den Älteren wird erwartet, dass sie sich Schritt für Schritt selbst versorgen. In jedem Fall gibt es für alle einen Ansprechpartner rund um die Uhr.

Oft hätten die Kinder massive Krisen und Konflikte erlebt, so Borgward weiter, viele seien durch Vernachlässigung, Misshandlung und sexuellen Missbrauch traumatisiert. Im Jugendhaus fänden sie Atmosphäre, Sicherheit, Orientierung und Geborgenheit, erlebten eine Gemeinschaft und eine Stütze bei ihren Auffälligkeiten.

Unscheinbar wie das Haus, so unauffällig seien ihre Bewohner, angepasst an die Nachbarschaft und das sei auch gut so, sagte Lütjenburgs Bürgermeister Dirk Sohn, der mit einem „kleinen Umschlag“ für die Gemeinschaftskasse zum Gratulieren kam.

Ganz ungetrübt ist der Himmel über dem Wohnhaus jedoch nicht, und das im doppelten Sinn. „Insbesondere, da der Landesrahmenvertrag ausläuft und in der Diskussion über die Verlängerung des Vertrages immer wieder die Meinung entsteht, dass wir, die Jugendhilfe zu teuer sind“, so Dirk Baumann von der Leitung des SOS Kinderdorfes. „Ich würde mich freuen, wenn wir hier die Schieflage wieder begradigen.“ Die Kinder und Jugendlichen in der Obhut des Hauses hätten dies für ihren weiteren Lebensweg verdient.


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