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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 23:08 Uhr

Ein Labyrinth aus 1250 Filtertüten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Installation „Literarische Blumenwiese“ des türkischen Künstlers Atif Gülücü ist ab Sonntag im Ostholstein-Museum zu sehen

Der morgendliche, frisch gebrühte Kaffee ist für viele Menschen ein Genuss. Für Atif Gülücü sogar ein doppelter. Der türkische Künstler macht aus Kaffeesatz und Co. Kunst. Und die ist ab kommenden Sonntag im Ostholstein-Museum zu sehen – in Form einer Installation aus 1250 Filtertüten, die eine Blumenwiese darstellen.

Seit 21 Jahren sammelt Gülücü die Reste des Heißgetränks. „Die getrockneten Filtertüten habe ich kartonsweise“, sagt Gülücü schmunzelnd. Seine Installation besteht jedoch „nur“ aus den Tüten der vergangenen drei Jahre. „Ich liebe dieses Material“, sagt der 1953 in Antakya in der Süd-Türkei geborene Wahl-Ostholsteiner. Viele Filtertypen gingen durch seine Hände. Doch nur die Papiertüten der Marke Melitta „konnte ich so schön in Form bringen“, sagt Gülücü. Unterstützen wollte die Kaffeefirma die Ausstellung jedoch nicht, räumte Museumsleiterin Dr. Julia Hümme ein. Es sei ein sehr nettes Absage-Schreiben gewesen, so Hümme. „Die kriegen jetzt einen Ausstellungskatalog, dann sehen sie, was ihnen entgeht“, scherzte Hümme.

Sechs Tage benötigte Gülücü, um seine Installation im Dachgeschoss aufzubauen. Es ist nicht das erste Mal, dass der seit den 90er Jahren in Preetz lebende türkische Künstler auf ungewöhnliches Material zurückgreift. Zuvor experimentierte er mit Windeln – im Gegensatz zu den Filtertüten waren diese jedoch unbenutzt. Auch Zementsäcke entgingen durch Gülücüs Hand der Mülltone – und wurden zu Kunst, die im Zwischengeschoss des Museums ebenfalls als florale Installation zu sehen ist.

Gülücü ist kein Neuling. ist seit 1970 als Schriften- und Kunstmaler aktiv. Unter anderem stellte er bereits 2008 eine große Installation unter dem Titel „Geburt der Idee“ im Ostholstein-Museum aus.

Wie so häufig in seinem bisherigen künstlerischen Schaffen gehören auch bei der „Literarischen Blumenwiese“ Wort und Bild oder auch Wort und Objekt zusammen. „Die Kaffeefilter-Blüten wecken beim Betrachter Assoziationen an das Kaffeetrinken, an ein geselliges Beisammensein, weshalb der Künstler das gesprochene Wort, aber auch die stummen Gedanken in seine Installation eingebunden hat“, erläuterte Hümme.

Die Ausstellung ist im Grunde die Fortsetzung der Landesgartenschau im Ostholstein-Museum. Die Werkschau habe „das Draußen nach drinnen geholt“, sagte Hümme. Deshalb sei die Konzeption der Ausstellung besonders reizvoll gewesen und habe ob ihrer Einzigartigkeit auch Unterstützung durch die Deutsch-Türkische Gesellschaft Kiel & Umgebung, der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein und durch das Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein erhalten.

Carsten Behnk, Geschäftsführer der Kulturstiftung des Kreises Ostholstein, ist sich sicher: „Diese Installation wird viele Menschen bewegen.“




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erstellt am 15.Jun.2016 | 12:07 Uhr

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