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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 20:18 Uhr

„Ein Kniefall vor dem Naturschutz“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bauernverband kritisiert Flächenverbrauch für Großprojekte in Ostholstein und kündigt die „konstruktive Zusammenarbeit“ mit Planern auf

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2015 | 15:51 Uhr

Die Landwirte in der Region sind verärgert, fühlen sich im Stich gelassen. „Der Kreis, das Umweltministerium, die Straßenbauverwaltung, Netzbetreiber Tennet und die Bahn interessieren sich anscheinend nicht für die Belange der Landwirte“, sagt Holger Schädlich, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Ostholstein-Lübeck. Bisher habe man die Planungen unterstützt, die Verfahren konstruktiv begleitet. Das sei jetzt vorbei. Nun werde es
Gegenwind geben, kündigte Schädlich an.

Der 1400 Mitglieder starke Kreisbauernverband geht davon aus, dass für die Großprojekte in Ostholstein – Ostküstenleitung, Beltquerung und Schienenhinterlandanbindung – ein Flächen- und Kompensationsbedarf von 2435 Hektar besteht. In den Berechnungen schlägt die Schienenhinterlandanbindung allein mit 1725 Hektar inklusive
Ausgleichsflächen zu Buche.

Verärgerung gibt es beim Verband, dessen Mitglieder rund 75  000 Hektar landwirtschaftliche Flächen bewirtschaften, auch darüber, dass bei der derzeitigen Info-Tour der Bahn herauskam, dass zwischen Autobahn und Schienentrasse ein 30 Meter breiter Korridor entstehen soll.
„Hubschrauberflächen“ nennt Klaus-Dieter Blanck, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, diese Bereiche, denn dort würden aufgrund der „Insellage“ die Landwirte nicht mehr hingelangen. „Je Kilometer sind das fünf Hektar Verlust“, rechnet Blanck vor. Auch der Umstand, dass der Flächenverbrauch für den geplanten Seetunnel an Land ausgeglichen werden soll, erregt die Gemüter der Landwirte.

Ein weiterer Tropfen, der das Fass nun zum überlaufen gebracht hat, stellt die 380-kV-Trassenführung dar. Bisher sei geplant gewesen, die Strommasten in die Knicks zu bauen. Vor kurzem haben die Landwirte erfahren, dass nun die etwa 120 Masten mitten in den Feldern errichtet werden sollen, da die Knicks schützenswert seien. „Das ist reine Schikane“, sagt Blanck. Hinzu komme, dass zurzeit neue Futterrichtlinien, Bauverordnungen und andere Regelemtierungen auf den Weg gebracht würden, die das Leben der Landwirte erschwerten, sagt Blanck. Es sei denkbar, dass in der Summe viele Höfe nicht weiter betrieben werden.

Viele Maßnahmen im Zuge der Großprojekte seien außerdem „ein Kniefall vor dem Naturschutz, kritisiert Schädlich. Der Verband rät seinen etwa 100 betroffenen Mitgliedern jetzt, einzeln zu verhandeln, gar juristische Schritte einzuleiten. „Unsere einziges Schwert ist die Verweigerung der Flächenabgabe“, sagt Schädlich. Die Folge sei eine Überprüfung des Interessenabgleichs. Am Ende steht dabei die Frage: Wurde genau geplant, Flächen möglichst geschont? Der Verband rechnet damit, dass sich die Planungen aufgrund der Einwände in die Länge ziehen werden.

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