Ein Herz für Wildbienen

Manfred Matthies zeigt eine vorbildliche Nisthilfe: aus Hartholz und mit vielen tiefen Röhren unterschiedlichen Durchmessers.
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Manfred Matthies zeigt eine vorbildliche Nisthilfe: aus Hartholz und mit vielen tiefen Röhren unterschiedlichen Durchmessers.

Wer etwas für die bedrohten Insekten tun will, sollte jetzt handeln. Bienenbotschafter Manfred Matthies gibt Tipps

shz.de von
06. März 2018, 13:28 Uhr

Wenn Manfred Matthies an die Nisthilfe für Wildbienen denkt, die er bei sich zu Hause aufgehängt hat, gerät er ins Schwärmen: „Da kann man die Biene bei der Arbeit beobachten“, sagt der 74-Jährige, der seit drei Jahren als Bienenbotschafter unterwegs ist. In den Röhren der Nisthilfe legen die Insekten ihre Eier ab, versorgen den künftigen Nachwuchs mit einem Nahrungsvorrat aus Pollen und verschließen die Öffnung dann sorgfältig. Auch wenn das Werk schon im Juli vollbracht sei: Die neuen Bienen kämen erst im nächsten Frühjahr aus den Röhren, berichtet der Malenter.

Der jüngste Kälteeinbruch mit Eis und Schnee mag darüber hinwegtäuschen: Aber es wird nicht mehr lange dauern, bis die neue Generation der Wildbienen ans Licht kommt. „Mitte, Ende März kommen die raus“, weiß Matthies. Für ihn ein Grund, jetzt einen Aufruf an Garten- und Grundstücksbesitzer zu starten. Sie könnten nämlich viel dafür tun, den Wildbienen das Überleben zu erleichtern. Das gelte selbst für diejenigen, die lediglich über einen Balkon verfügten.

„Wir haben etwa 300 Wildbienenarten in Schlewig-Holstein“, berichtet Matthies. Doch mehr als die Hälfte sei vom Aussterben bedroht. Der Grund: Es gebe zu wenige Blüten und damit zu wenig Nahrung für die nützlichen Insekten. Immer mehr Flächen würden versiegelt, intensive Landwirtschaft lasse kaum noch Raum für Wildblumen. Auch mancher Gartenbesitzer mache den Wildbienen, zu denen auch die Hummel zähle, das Leben schwer. „Es gibt ja unheimlich viele sterile Gärten, da ist ja nichts mehr los“, bedauert Matthies. Gartenfreunde sollten „ruhig mal eine Ecke unaufgeräumt lassen“, um eine bienenfreundliche Welt zu schaffen. Auch mit den berühmten Geranien auf dem Balkon könnten Wildbienen nichts anfangen, besser sei eine Kräuterblumenmischung.

„Jeder kann im heimischen Garten bienengerechte Obstbäume und Blumen anpflanzen“, bekräftigt Matthies. Dabei seien heimische Blumen und Pflanzen gefragt. Die Liste beliebter Bienenpflanzen ist lang: Dazu gehören alle Heil- und Gewürzpflanzen, alle Laucharten, Fetthenne, Mannstreu, Wildrosen, Löwenzahn, Vergissmeinnicht, Felsenbirne und Roter Hartriegel, außerdem alle Obst- und Beerengehölze.

Wer sich für Wildbienen einsetze, helfe damit gleichzeitig dem Menschen, betont Matthies. „Neben der Kuh und dem Schwein sind Honigbienen und Wildbienen die wichtigsten Lebewesen in der Nahrungskette.“ Die Bestäubung von Obstbäumen, Gemüsepflanzen und Blumen werde zu 80 Prozent von Wildbienen erledigt. Ohne sie gäbe es viel weniger Obst und Gemüse.

Wer den Wildbienen mit Nisthilfen die Fortpflanzung erleichtern wolle, sollte kein x-beliebiges Insekten-Hotel wählen, rät der Bienen-Experte. Er empfiehlt Hartholz, etwa Esche, Buche oder Eiche, in das Niströhren mit Durchmessern zwischen zwei und neun Millimetern gebohrt werden. Die Löcher sollten möglichst tief sein, bis zu zehn Zentimeter. Wichtig sei, die Nisthilfen nach Süden oder Südosten auszurichten und vor Regen zu schützen.

Im Gegensatz zur Honigbiene sind Wildbienen übrigens deutlich weniger wehrhaft. Die Angst vor Stichen sei daher unbegründet, beruhigt Matthies. „Wildbienen sind völlig harmlos.“ Ihr Stachel sei zu schwach, um in die Haut einzudringen. Hummeln könnten den Menschen zwar stechen, doch das passiere ganz selten. Während Wespen oft als aggressiv wahrgenommen würden, seien sie ausgesprochen friedfertig.

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