Ein Haus voller hölzerner Gesellen

Dieses Prachtstück von Helga Wilhelm war eigentlich für den amerikanischen Markt bestimmt.
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Dieses Prachtstück von Helga Wilhelm war eigentlich für den amerikanischen Markt bestimmt.

Jeden Winter dekoriert Helga Wilhelm ihr Haus mit Nussknackern / Für viele der 531 Exemplare ist sie bis ins Erzgebirge gereist

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24. Dezember 2017, 06:00 Uhr

Wer zwischen dem Ersten Advent und Februar das Haus des Ehepaars Helga und Friedrich Wilhelm betritt, den erwarten 531 Nussknacker. In verschiedenen Größen und Farben beäugen sie die Gäste wohlwollend bis grimmig aus ihren geschnitzten Augen.

Jeden Winter holt Helga Friedrich ihre Sammlung, die vor allem Figuren aus dem Erzgebirge beinhaltet, aus ihren Kartons in der Abseite und platziert sie im Obergeschoss des Hauses und im Treppenaufgang.

„Alles begann mit einem Nussknacker, den ich 1961 als Freizeitbeschäftigung selbst gefertigt habe. Meine Freunde gingen abends gerne in die Kneipe, aber das war nichts für mich“, erzählt sie. Doch erst 1989, als sie einen weiteren kaufte, packte die Kasseedorferin die Sammelleidenschaft. „Lange Zeit über dachte ich, dass ich damit alleine dastehe“, sagt die Seniorin. Davon, dass jemand Briefmarken sammle, habe sie schon oft gehört – von einer Nussknacker-Sammlung jedoch nicht. Als sie dann 2003 durch einen Zeitungsartikel auf einen Sammlerkreis mit aktuell 91 Mitgliedern stieß, sei sie überrascht gewesen.

Auch die Geschichte der bärtigen Gesellen interessiert die 79-Jährige seit fast drei Jahrzehnten. „Klassische Motive sind Könige, Soldaten, Polizisten und Förster, die für die Obrigkeit stehen“, erklärt sie. Deren Entscheidungen seien für die Menschen früher oftmals mit negativen Folgen verbunden gewesen. „Die Nussknacker halfen der Bevölkerung, humorvoll mit diesen Erfahrungen umzugehen“, sagt Helga Wilhelm.

Doch auch Wichtel, Reiter, Bergleute, Schiffslotsen, Schäfer und Pilzsammler mit kleinen Körben können in zahlreichen Regalen betrachtet werden. „Wichtig ist mir, dass die Figuren thematisch zusammenpassen“, so die Sammlerin. Direkt neben der Treppe hat sie zum Beispiel einen Weihnachtsmarkt mit Wurstverkäufer und Orgelspieler aufgebaut. In ihren Uniformen stehen Polizisten aus verschiedenen Epochen auf der anderen Seite des Zimmers Wache und nebenan befindet sich eine Königsgalerie, die sich über eine ganze Wand erstreckt.

Besonders stolz ist sie auf die Heiligen Drei Könige, die detailreich mit passenden Insignien einen Ehrenplatz auf einem kleinen Podest haben. „Eigentlich waren sie für den amerikanischen Markt bestimmt, doch durch einen glücklichen Zufall habe ich sie an einem Stand entdeckt“, erinnert sich Helga Friedrich. Bezahlt hat sie für jeden 200 Euro. „Die Verarbeitung dieser Prachtstücke war so gut, dass ich sie einfach mitnehmen musste.“

Auch wenn sie jeden einzelnen Nussknacker mit Foto, Datum, Preis und Herkunftsort auf Karteikarten katalogisiert hat, verlässt sie sich bei ihren Einkaufstouren auf ihr Gedächtnis. „Mein Mann ist immer wieder erstaunt darüber, wie ich den Überblick bewahre“, berichtet Helga Wilhelm. Friedrich Wilhelm hat seiner Ehefrau bereits 1994 das bisher größte Exemplar der Sammlung geschenkt. „ Der König ist 95 Zentimeter hoch und hat seinen Stammplatz auf der Treppe“, berichtet Helga Wilhelm. Ihre Freunde und Familie haben sie immer unterstützt. „Oftmals bekomme ich Importe aus Asien geschenkt“, erzählt sie.

Allerdings müsse sie bei der Auswahl aus Platzgründen immer wählerischer werden. „Anfangs hat die Sammlung noch in unser Wohnzimmer gepasst. Als dann irgendwann die Tür nicht mehr richtig aufging, musste ich die Nussknacker im oberen Stockwerk verteilen“, gesteht sie. Trotzdem sind dieses Jahr sechs neue hinzugekommen. Auch wenn Helga Wilhelm die Nussknacker vor allem für sich selbst und enge Freunde zusammengetragen hat, ist sie im Einzelfall bereit, interessierte Besucher durch die Ausstellung zu führen und Geschichten zu den Holzarbeiten zu erzählen.



Für Terminabsprache bitte anrufen 04528/637.

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