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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 18:14 Uhr

Ein Haus für die Bürger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Haus des Gastes: 2643 Stimmen sind für den Erhalt nötig / Muss es danach einen zweiten Bürgerentscheid geben?

„Das Haus des Gastes soll zu einem interessanten Anziehungspunkt werden, durch Musikveranstaltungen, Dichterlesungen und Kabarettaufführungen – auch im Sommerhalbjahr“, so waren die Hoffnungen von Werner Hoffmann – seinerzeit Vorsitzender des Eutiner Kulturbundes – zur Eröffnung des Hauses 1968.

Ginge es nach den Abrissgegnern, soll genau dieser Zeitgeist wieder aufleben – wenn sie mit dem Bürgerentscheid am 15. Februar die mindestens nötigen 2643 Stimmen für den Erhalt des Hauses zusammen bekommen. Sie sind guter Dinge, dass dies klappt, wissen sie doch 30 aktive Helfer hinter sich und erfahren nach eigener Aussage gerade von den Älteren viel Zuspruch.

Eckhard Ahrens (Foto), Mitinitiator des Bürgerentscheids: „Das Gebäude bietet viele Nutzungsmöglichkeiten vom ‚Haus der Initiativen und des Austauschs‘ bis hin zum
Repair-Café oder kulturellen Ausstellungen und Veranstaltungen.“ Eutin brauche einen solchen Treffpunkt im mittelgroßen Rahmen, denn für diese Arten der Veranstaltungen seien die Schlossterrassen zu groß.

Eine Konkurrenz zwischen Schlossterrassen und Haus des Gastes – wie es nach Meinung der Abrissgegner von den Befürwortern dargestellt wird – sehen die Initiatoren des Bürgerentscheids nicht. Malte Tech (FWE, Foto): „Das Haus des Gastes wird ja nur im Bistrobereich aktiv sein für mittlere und kleine Veranstaltungen. Die Schlossterrassen haben eine ganz andere Größenordnung.“ Auch aus finanzieller Sicht sei nicht gesagt, dass sich Eutin nur die Sanierung des einen oder anderen Gebäudes leisten könne. Tech: „Die Förderung ist in diesem Bereich noch gar nicht geklärt. Anfangs hieß es, es gebe nur Zuschüsse für eine Sanierung. Jetzt werden auch schon das Vogthaus und die Torhäuser gefördert, die wohl wesentlich weniger besucht werden, weil sie an der Peripherie liegen.“ Würde für den Abriss gestimmt und das Haus letztlich dem Erdboden gleich gemacht, hätte Eutin als Kreisstadt keinen Ort, an dem die Bürger sich laut Abrissgegnern aufhalten könnten. Mehr noch: „Es würde ein seinerzeit preisgekrönter Entwurf zerstört“, sagt Ahrens. Das erzähle er auch denjenigen, die das Haus des Gastes als Bausünde der 60er Jahre bezeichnen. Der Waschbeton sei äußerst wertvoll, „jede Platte ist handgefertigt“ (Ahrens). Tech: „Es spiegelt den Zeitgeist wider. Solche Dinge müssen wir aufrecht erhalten.“ Und das eigentliche Problem besteht laut Eckhard Ahrens darin, dass die Stadt das Gebäude habe so verkommen lassen: „Würde jeder Hausbesitzer so mit seinem Eigentum umgehen wie die Stadt, müssten noch viel mehr Gebäude in Eutin abgerissen werden.“

Auch Peter Schwarz (Foto rechts) macht sich für den Erhalt stark: „Je tiefer man in die Materie einsteigt, desto mehr merkt man, was da alles schief gelaufen ist. Im hinteren Teil des Gebäudes steht praktisch seit zig Jahren eine intakte Wohnung unvermietet leer. Das hätten alles Einnahmen sein können.“

Wenn es ums Geld geht, werfen die Abrissgegner der Verwaltung vor, „schlampig gearbeitet“ zu haben. Laut Vorlage der Stadt sollen sich die Kosten für eine energetische Sanierung bei dem Gebäude auf rund 680  000 Euro belaufen. Die Initiatoren sagen nach eigener Rechnung: „Das ist für die Hälfte zu haben.“ Einen Entwurf, den der Haus-des-Gastes-Architekt Udo Stücker den Stadtvertretern vorgelegt hatte, sollte mit zusätzlichen Außenaufgängen und Fahrstuhl etwas mehr als 700  000 Euro kosten. Daran zweifelte im vergangenen Jahr die Mehrheit der politischen Vertreter. Tech: „Es ist alles eine Frage des Wollens – Erste-Klasse-Ausstattung oder etwas vernünftig herrichten. Danach richtet sich dann der Preis.“ Ein anonymer Investor sei bereit, so Ahrens, „eine hohe fünfstellige Summe einzubringen“. Ihm ginge es ebenso wenig wie den Abrissgegnern um die Verhinderung eines möglichen Hotelkomplexes, sondern „er liebt das Haus“. Einen Kaffee mit Seeblick in der Sonne genießen – nach einer Fahrradtour oder einem Stadtbummel – die Lage sei einfach traumhaft, das haben auch die Abrissbefürworter nicht bestritten (wir berichteten).

Doch wird ein Haus des Gastes nur für die Außengastronomie benötigt? Tech: „Wir brauchen ein festes Gebäude mit einer Küche, Toiletten und Unterstellmöglichkeiten. All das lässt sich in dem bestehenden Gebäude verwirklichen.“ Ahrens ergänzt: „Ein Abriss von intakter Bausubstanz wäre eine Verschwendung von Steuergeldern.“

Geht die Entscheidung zu Gunsten der Abrissgegner aus, bleibt die Frage: Was geschieht dann? Tech: „Dann brauchen wir schnellstmöglich einen zweiten Bürgerentscheid, der die Nutzung klar bestimmt.“ Die Frage nur nach dem Erhalt des Haus des Gastes zu stellen, sei ein Fehler gewesen, räumt Tech ein. „Allerdings haben wir auch nicht mit so einer Haarspalterei der Politik gerechnet“, sagt Ahrens. „Erhalt beinhaltet doch auch erhalten und ertüchtigen.“ Das Ziel der Initiatoren sei, mit den Politikern wieder ins Gespräch zu kommen, „die durch den Abrissbeschluss überhaupt nicht mehr offen sind, für kooperative Vorschläge“ (Ahrens). „Aber die Meinung der vielen Bürger werden sie nach dem 15. Februar hoffentlich nicht so einfach vom Tisch wischen“, hofft Schwarz.

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von
erstellt am 04.Feb.2015 | 11:20 Uhr

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