Ein Glas roter Korn als Erfolgsrezept

Geschafft! Jubelnd reißt Torsten Wetendorf die Arme hoch, um sogleich die Gratulationen von Bernd Ditscher und seinem Vorgänger Jörn Böge (rechts) zu empfangen
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Geschafft! Jubelnd reißt Torsten Wetendorf die Arme hoch, um sogleich die Gratulationen von Bernd Ditscher und seinem Vorgänger Jörn Böge (rechts) zu empfangen

Torsten Wetendorf hörte auf den Ratschlag eines alten Gildebruders und lud vor dem Königsschießen galant die zwei Mitbewerber ein

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14. Juli 2015, 12:02 Uhr

Dieter Schädlich hat bei der Eutiner Schützengilde alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Seinen Rat nahm sich Torsten Wetendorf (45) zu Herzen: „Er hat mir gesagt: ,Trinke mit deinen zwei Konkurrenten, bevor das Schießen beginnt, ein Glas roten Korn. Dann klappt es bestimmt.’ Und wirklich, es hat geklappt“, sprudelte es drei Stunden, nachdem er Jörg Rogge und Jürgen Kehr den süßen Schnaps serviert hatte, aus dem neuen Schützenkönig heraus.

Wetendorf, der sich das zweite Mal ums höchste Gildeamt bewarb, zielte ebenso ehrgeizig wie seine zwei Mitbewerber auf diesen Titel. „Es war ein schöner, fairer Wettkampf. Man begreift es noch gar nicht richtig, dass jetzt ein Traum wahr geworden ist“, sagte er unmittelbar nach dem Fall des Vogels.

112 Schüsse aus den Vorderladern waren seit 19.45 Uhr ertönt, bevor Wetendorf um 22.07 Uhr mit der 113. Bleikugel unversehens das letzte, noch recht widerständig wirkende Rumpfstück des Holzvogels abrupt zu Boden schickte. Augenblicklich erscholl Riesenjubel auf dem Vogelberg, Wetendorf riss verzückt die Arme hoch, sein Bruder und Ladegehilfe Stefan Wulff hielt es keine Sekunde länger im Schützenunterstand: „Ich bin der Königsmacher!“, umarmte er kräftig den als Moderator fürs Publikum fungierenden Gilde-Adjutanten Wolfram Reuter. Dessen Lobpreisungen für die Treffsicherheit der drei Schützen waren so eingängig, dass die Zuschauer schon im Chor skandierten „...wieder ein guter Schuss“, wenn Reuter erst ansetzte „Das war... “

Das Warten auf den krönenden Schuss zur Großen Majestät wurde begleitet von Anfeuerungsliedern der jeweiligen „Fangruppen“, einigen vergnügten Tanzeinlagen der Königsbewerber, Musikstücken der Kapelle Silas und natürlich viel Klönschnack. In stimmungsvoller Fackelbeleuchtung wurden bei der Proklamation dem neuen König die Insignien übergeben. Torsten Wetendorf regiert jetzt mit seiner Freundin Martina Muntau für ein Jahr unter dem Nökernamen „Torsten de Sülverhannen“. Als Kleiner König, der als Spaßkönig allerlei Schabernack treiben darf, steht ihm Bernd Ditscher (65) mit Ehefrau Anke zur Seite. In seinem dritten Anlauf stach Ditscher acht Mitbewerber aus und holte um 19 Uhr mit dem 72. Schuss den Vogel von der Stange.

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