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Vielerley Feierey : Ein Fest vor allem für die Augen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Über 20.000 Menschen besuchten am Wochenende die Zeitreise „Vielerley Feierey“ in der Kulisse rund um das Eutiner Schloss. Neben dem Programm trug dazu ein sehr gutes Wetter bei.

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erstellt am 09.Sep.2013 | 04:00 Uhr

Es war ein Augenschmaus, ein Spaziergang mit unendlich vielen Eindrücken, dem sich am Wochenende eine fünfstellige Besucherzahl rund um das Eutiner Schloss hingab. Bei der vierten Ausgabe von „Vielerley Feierey“ – die Premiere war zum 750-jährigen Stadtjubiläum 2007 – sorgten ein noch größeres Programm und nicht zuletzt ein trockenes, warmes Wetter für einen neuen Zuschauerrekord.

„Exakte Zahlen kann ich erst nennen, wenn wir das Eintrittsgeld durch eine Zählmaschine gejagt haben“, sagte gestern Abend Eutins Tourismus-Chef und Ober-Organisator Per Köster, „aber wir gehen von einer Steigerung gegenüber 2011 aus“. Da waren es rund 20 000 Besucher.

Kein Wunder, dass Köster zu folgendem Fazit kam: „Wir sind sehr, sehr zufrieden.“ Gelungen sei auch die Verlängerung des Programmes am Abend des Sonnabends, bei dem die englische Folkrockband „The Dolmen“ für Furore und ein hoch zufriedenes Publikum sorgte.

Im Schlossgarten wurde der größte Unterschied zu den vorangegangen Feiereyen deutlich: Die Fläche mit Lagern von der historischen Darstellern war etwa doppelt so groß wie in den Vorjahren. Dazu trugen fünf neue Gruppen bei und wesentlich höhere „Personalstärken“ bei den Träger historischer Kleidung, die eine Zeitspanne vom frühen Mittelalter über das Hochmittelalter bis zu zum Barock vertraten.

Unter den Novizen waren „Die Holsteiner“, eine vor elf Jahren in Neumünster offiziell formierte Gruppe, die sich dem Rittertum in Schleswig-Holstein im Jahr 1280 widmet. Wie kommt man zu einem solchen Hobby? „Als Kinder haben wir Cowbow und Indianer gespielt, und irgendwann wurden daraus Ritter“, erzählt Gruppengründer Klaus Reiter (62) aus Neumünster. Die Initialzündung lieferte indes vor fast zwei Jahrzehnten der Besuch eines Mittelalterfestes in einer Burg in Süddeutschland: „Da war mir klar, so was wollte ich auch machen, und das möglichst authentisch.“

Seither schlüpft der Küchen-Installateur in seiner Freizeit möglichst häufig in die Rolle von Johann II. von Kiel, der von 1253 bis 1321 tatsächlich lebte. Über die Jahre ist Reiter nicht allein geblieben, sondern hat derzeit 15 Mitstreiter, die eine höfische Gemeinschaft des Mittelalters um das Jahr 1280 darstellen. Seit zehn Jahren ist die Gruppe als „Die Holsteiner“ auf historischen Festen im Norden unterwegs.

Klaus Reiter legt Wert auf Authentizität: Vom Kopf bis Fuß soll möglichst alles so sein, wie es im Hochmittelalter getragen wurde. Viele Teile – darunter eine kleine Zeltstadt – hat die Gruppe gekauft, auch Waffen und Rüstungsteile, die nach historischen Vorbildern gefertigt wurden.

Holz- und Näharbeiten werden selbst ausgeführt. Dabei greift allerdings die klassische Rollenteilung des Mittelalters nicht: „Ich muss selbst zu Nadel und Zwirn greifen, meine Freundin macht das nicht“, verrät Sven Reiter. Der 25-jährige, der Maschinenbau in Hamburg studiert, ist mit dem Hobby seines Vaters groß geworden und verkörpert den Ritter Leonhard von Aspe.

Sein spezielles Hobby: Schwertkampf in voller Montur und ohne Rücksicht auf Verluste. „Wenn die Jungs aufeinander einschlagen, dann staubt’s richtig“, schildert sein Vater, „anfangs hatte ich auch Angst um ihn, aber mehr als blaue Flecken gibt es nie.“

In Eutin waren die Holsteier zum ersten Mal, „leider nur mit einer ganz schwachen Truppe“, bedauert Klaus Reiter unter Hinweis auf Krankheitsausfälle. Aber das Fest hat ihm sehr gut gefallen, vor allem wegen der Kulisse und der Weitläufigkeit des Geländes. Klar ist das ein Wiederkommen versprochen.

Die Attraktivität zieht dieses fest nach Einschätzung von Per Köster aus einer wesentlichen Tatsache: „Es gebe in Schleswig-Holstein, vermutlich nicht mal in Deutschland eine Veranstaltung, bei der so viele verschiedene Epochen gleichzeitig vertreten sind. Sehr auffallend sei, dass die Akteure genau das und ungefragt als etwas Besonders genannt hätten. Da trafen Slawendarsteller, Wikinger, Perückenträger aus dem Rokoko oder auch Soldaten aus dem 19. Jahrhundert aufeinander – und es war schlicht schön anzuschauen.

 

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