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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 01:47 Uhr

Ein Fest als Basis für das Miteinander

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Nach Ärger über Kommunikation: DRK-Pflegezentrum veranstaltet Fest der Kulturen, um Bewohner mit den neuen Nachbarn vertraut zu machen

shz.de von
erstellt am 23.Mär.2016 | 05:44 Uhr

Gedeckter Apfelkuchen neben afghanischem Kuchengebäck;. deutsche Volkslieder mit Gitarrenbegleitung wechseln mit arabischen Rhythmen zur gezupften Laute. Rund 70 alte, teils demente Bewohner und dazwischen ein paar Jugendliche aus Afghanistan und Syrien. Die Unterschiede hätten gestern Nachmittag beim ersten Fest der Kulturen im DRK-Pflegezentrum in der Waldstraße nicht größer sein können. Und doch wertete es Heimleiterin Cornelia Jung nach zweieinhalb Stunden als Erfolg, denn der Großteil der Bewohner klatschte und zeigte sich sichtlich zufrieden.

„Wir wollen durch das Fest eine Basis schaffen, versuchen eine Brücke zu bauen, damit es vielleicht einmal dazu kommt, dass aus dem Nebeneinander ein Miteinander wird“, sagt Jung. Sie bedauert nur, dass so wenige Angehörige gekommen waren. Sie seien die wichtigen Multiplikatoren nach draußen. Und in der jüngsten Vergangenheit machten sich Angehörige und Betreuer eher Luft, als gute Worte zu verlieren. Der Grund für den teils öffentlich ausgetragenen Ärger und zahlreiche Drohmails liegt in der mittlerweile eingeräumten schlechten Kommunikation. Im November wurde die Demenzstation verlegt und mit ihr die Bewohner. Damals hieß es „für eine Renovierung“. Ende Januar bekamen Angehörige und Betreuer mit der monatlichen Abrechnung die Information, dass ab Februar die renovierte Station von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, nicht aber von den Bewohnern, bezogen werden soll (wir berichteten). „Das hätte vielleicht anders laufen müssen“, sagt Jung heute. DRK-Vorstand Martin Broziat rechtfertigt: „Die Zeit war knapp. Wir hatten nur zehn Tage von der Information des Kreises bis zur Ankunft der Jugendlichen, um alles vorzubereiten und alles Wichtige zu klären.“ Doch schon zu Beginn des Jahres erklärte der Kreis, dass das DRK an ihn herangetreten sei, es eine echte, kurzfristige Not nicht gegeben habe, dennoch leiste das DRK gerade in der Flüchtlingsbetreuung eine „großartige Arbeit“.

„Wir sind im Kreis die erste Einrichtung, die mit unbegleiteten Flüchtlingen zusammenarbeitet“, sagt Susanne Voss, Leiterin des eigens dafür eingerichteten DRK Jugendhauses in der Waldstraße. Platz ist in dem eigenen Gebäudetrakt für maximal 20 Jugendliche, elf leben derzeit in einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung. „Fünf von ihnen gehen schon zur Schule, die anderen warten noch auf eine Erlaubnis und bekommen so lange Deutschunterricht von uns“, so Voss. Große Hilfe beim Miteinander und Verständigen ist DRK-Mitarbeiter Mohamed Sood, der 2011 selbst aus seiner Heimat geflohen ist und seit mehr als einem Jahr beim DRK im Bereich der Flüchtlingshilfe arbeitet. Er hat gemeinsam mit den elf 13- bis 17-Jährigen deutsche Texte wie „Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder“ einstudiert, um sie am Nachmittag mit den Senioren zu singen, das Eis zu brechen. Sie sind sichtlich nervös.

Leuchtende Augen bekommen die Jungs bei bekannten Klängen aus der arabischen Welt. Mohamed Sood soll eigentlich nur das Mikrofon an die Laute halten, doch es hält ihn nichts auf dem Stuhl. Er beginnt zu tanzen und zu singen und mit ihm die Jungen. Die Senioren klatschen im Rhythmus. Sie freuen sich. „Das ist eine schöne Idee. Wenn das die Mehrheit so sieht, können wir das gerne wieder machen“, sagt ein 78-Jähriger diplomatisch. Auch das selbstgemachte Gebäck schmeckt ihm. Für den Moment scheint es geglückt, das Fest der Kulturen. Auch Mostafa Tajik (15) findet es gut, aber er wünscht sich deutlich mehr Kontakt zu den anderen Menschen im Haus, auch zur örtlichen Bevölkerung, um das Gefühl zu haben, hier angekommen und angenommen zu sein.

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