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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 20:08 Uhr

Ein fast vergessenes Virus

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gestern war der 29. Welt-Aids-Tag: Schüler der Beruflichen Schule informierten über HIV und Aids

1500 Schleswig-Holsteiner sind mit dem HI-Virus infiziert. 85 Menschen haben sich allein im vergangenen Jahr nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts mit dem Virus angesteckt. Gestern, am Welt-Aids-Tag, erinnerte der Fachdienst Gesundheit des Kreises an der Beruflichen Schule Eutin an ein zunehmend vergessenes Thema.

Gemeinsam mit den Schülern einer Sozialpflegeklasse verteilte Amtsarzt Saban Omer Oglou an der beruflichen Schule Informationsmaterial und beantwortete Fragen zum Thema HIV und Aids. „Das Interesse unter den Schülern ist riesengroß“, lautete die erste Bilanz von Saban Omer Oglou nach wenigen Stunden. „Wir hatten 2000 Kondome und schon über die Hälfte ist verteilt.“ Hilfe bekam Oglou von 25 Schülern der Sozialpflege. Der Umgang mit dem Thema HIV – für die 18-Jährigen kein Problem, erklärte Kim-Lea Grün: „Wir hatten das Thema im Unterricht, aber privat unterhalten wir uns eher nicht darüber.“ Eine Aufklärung zu den Gefahren der Krankheit wäre in einem früheren Alter aber sinnvoll, findet die Schülerin. „Vielleicht mit 14. Heute passiert doch alles früher.“ Mit Broschüren und Kondomen stürmten die Mädchen und Jungen die Klassenräume und versorgten ihre Mitschüler mit Info-Material zum Welt-Aids-Tag. Mit dem einen oder anderen Spruch beseitigte Michel Lazar schnell alle Hemmschwellen beim Verteilen der Kondome: „Hier Alter, vermehr dich nicht“, sagte der 19-Jährige, während er einem vorbeigehenden Schüler ein Kondom in die Hand drückt. Saban Omer Oglou zeigte sich zufrieden: „Die Klasse macht das toll und geht offen mit dem Thema um.“

Das Allgemeinwissen um die Infektionskrankheit HIV entspreche nicht immer den Tatsachen, sagte der Arzt: „Viele denken, Aids sei mit Tabletten zu heilen. Das stimmt nicht. Die Krankheit ist behandelbar, aber nicht heilbar.“ Darum sei Aufklärung zur Wichtigkeit von geschütztem Sex nach wie vor notwendig, fand Saban Omer Oglou: „Das Thema ist brandaktuell und es gehören ja auch Hepatitis B, C, Syphilis und andere
durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragbare Krankheiten dazu.“

Aids („acquired immunedeficiency syndrome“) ist ein Immundefekt, ausgelöst durch das HI-Virus („Humanes Immundefizienz-Virus“). Dieses befällt die Helferzellen des Körpers. Deren Aufgabe ist es, die körpereigene Abwehr zu stärken und Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze zu bekämpfen. Mediziner sprechen von „Aids“, wenn das HI-Virus das Immunsystem so stark geschwächt hat, dass es diese „Eindringlinge“ nicht mehr bekämpfen kann. Die Folge sind unter Umständen schwere Infektionskrankheiten und Tumore. HIV gilt als schwer übertragbar. Weder durch Husten, Niesen, Umarmungen oder Küssen kann HIV übertragen werden. Ungeschützter Sex ist die häufigste Art der Infektion.

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erstellt am 01.Dez.2016 | 11:58 Uhr

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