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Ostholsteiner Anzeiger

19. August 2017 | 00:40 Uhr

Ein Entscheider berichtet

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schiedsrichter Markus Merk referierte vor der Bäckerinnung über sein Leben im Fokus der Entscheidungen

Dr. Markus Merk hat in seinem Leben fast alles erlebt. Zahnarzt, Weltschiedsrichter, Nordpol-Expeditionsmitglied und Gründer eines indischen Kinderhilfswerkes. Der 51-Jährige aus Kaiserslautern hat einiges zu berichten und ist ein gefragter Gesprächspartner. Gestern referierte er beim 31. Neujahrsempfang der Bäckerinnung Nord und der Bäko Schleswig-Holstein in Oldenburg. Thema: „Sicher entscheiden“. Für einen Mann, der über 20 Jahre lang die großen Spielen des internationalen Fußballs leitete, praktisch ein Heimspiel.

Gleich zu Beginn seines Vortrages überraschte der heutige Sky-Kommentator sein Publikum. „Ich kenne mich mit dem Bäckerhandwerk gut aus. Meine halbe Kindheit habe ich in der großelterlichen Backstube verbracht“, erklärte er. Anschließend nahm Merk die Zuhörer in seine Welt der Entscheidungen mit. Erzählte von seinen großen Momenten als FIFA-Schiedsrichter, wie er im Jahr 2004 das EM-Finale zwischen Griechenland und Portugal leiten durfte und dem Leben mit der kritischen TV-Berichterstattung. „Zahnarzt und Schiedsrichter in Personalunion – mit solchen Leuten geht niemand gerne ein Bier trinken“, schmunzelte er.

Dennoch hätten ihm beide Tätigkeiten immer viel Spaß gebracht. Besonders deshalb, weil sie immer wieder Entscheidungen von ihm forderten. Auch räumte er mit dem Vorurteil auf, dass Schiedsrichter stets die großen Buhmänner der Nationen seien. „Von zehn Spielen verlaufen neun positiv. Das ist wie im wahren Leben, wo von zehn Begebenheiten neun positiv sind.“ Umso wichtiger sei es daher, auch in schwierigen Situationen entscheidungsfreudig zu sein. Für die Bäcker hatte er diesbezüglich einen wichtigen Tipp: „Beobachten Sie ihr Umfeld. Es gibt ihnen unglaublich viele Informationen, um sicher entscheiden zu können.“ Ihm selbst habe dieses Credo in seiner aktiven Schiedsrichter-Laufbahn immer sehr geholfen. So habe er in strittigen Situationen, etwa bei der Frage Abstoß oder Eckball, stets die Reaktionen der Spieler abgewartet.

Hierbei galt es jedoch immer, mögliche Spannungsfelder zu vermeiden. „Mit Sanktionen werden sie in keiner Entscheidungswelt glücklich werden“, mahnte er. Kommunikation sei für ihn auf dem Fußballplatz daher immer sehr wichtig gewesen. Sofern diese denn überhaupt möglich war. So gab es Spieler, etwa der portugiesische Fußballer Luis Figo, bei dem jeder Versuch des konstruktiven Gespräches bereits im Ansatz fehlschlug. Anders wiederum Zinédine Zidane, der laut Merk auch bei den schlimmsten Fouls gegen sich nie protestiere. Aufgrund der harten Attacken galt es ihn auf dem Platz besonders zu schützen. Auch hier zog Merk die Parallele zum wahren Leben: „Als sicherer Entscheider liegt es in meiner Verantwortung, dass ich meine besten Kunden schütze.“

Zum Abschluss seines einstündigen Vortrages hatte der Pfälzer für die Besucher noch einen Hinweis zum Umgang mit Druck. „Er ist trainierbar. Aus Stress und Belastung wird Motivation.“ Es müsse stets gelingen, den Faktor Spaß zu erhalten. Passend hierzu sein Lebensmotto: „Das Leben findet heute statt.“

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erstellt am 08.Jan.2014 | 00:31 Uhr

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