Fissau : Ein Dorfverein feiert Jubiläum

So fing alles an – das erste Kinderfest in Fissau 1989.
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So fing alles an – das erste Kinderfest in Fissau 1989.

Fissau-Sibbersdorf: Mit einem Kinderfest begann vor 25 Jahren die Geschichte des Vereins. Heute hat er mehr als 300 Mitglieder

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21. Januar 2015, 17:28 Uhr

Selbstgebaute Wagen von Vereinen, Bauernhöfen und Kindern der Dorfschule; Musikorchester und zurechtgemachte Rösser und Reiter – am 24. Juni 1989 war das ganze Dorf auf den Beinen. Um das erste Kinderfest in Fissau zu organisieren, ging der Nachwuchs damals von Haustür zu Haustür und sammelte am Ende schließlich so viele Spenden, dass gar nicht alles Geld ausgegeben werden konnte, erinnert sich Ralf Scherbarth.

Er ist heute der Vorsitzende des Dorfvereins Fissau-Sibbersdorf, der damals ob des übrigen Geldes kurzerhand gegründet wurde. Mit dem Ziel, „der Dorfverschönerung und Förderung der dörflichen Gemeinschaft“ sowie der Pflege der plattdeutschen Sprache und des Brauchtums, wie Scherbarth erklärt. Das ist nun 25 Jahre her – Grund genug für die 309 Mitglieder des Vereins heute Abend mit dem traditionellen Grünkohlessen und der anschließenden Jahreshauptversammlung im Gasthaus Wittenburg das Jubiläumsjahr einzuläuten.

Während bei anderen Vereinen die Mitgliederzahl stetig sinkt, wächst sie im Dorfverein Fissau-Sibbersdorf seit Scherbarths Amtsantritt vor 16 Jahren an. Scherbarth: „Man muss sich immer etwas ausdenken, um die Menschen hinter dem Ofen vorzulocken.“ Deshalb ist im Jubiläumsjahr die von vielen Fissauern lange vermisste Oldie-Nacht geplant. Doch das allein genüge nicht, um jungen Mitgliedernachschub zu generieren. „Wir haben unser Konzept geändert. Mit dem schönsten Garten lockt man heute keine Leute mehr.“ Stattdessen werde wert auf Feste und Ereignisse für die ganze Familie und Dorfgemeinschaft gelegt. „Die Gemeinschaft hier ist so schön, die bedeutet hier noch richtig was“, sagt Scherbarth. Die Worte für die genaue Beschreibung fehlen ihm, „das muss man einfach erlebt haben, wie man sich hier gegenseitig hilft und miteinander umgeht“, sagt er. Zugezogene junge Familien, die durch die Baugebiete gelockt würden, hörten immer gleich: „Wenn du in Fissau wohnst, dann komm auch in den Dorfverein, dann weißt du, wo was los ist.“ Mit einem Jahresbeitrag von 10 bis 15 Euro, so Scherbarth, können sich das auch eigentlich alle leisten, die wollen. Knapp zehn Prozent der rund 3300 Fissauer sind dem lockeren Spruch bisher gefolgt und Mitglied geworden. Zu den Jahreshauptversammlungen kämen immer rund 120 – „dann wird es auch schon eng im Gasthaus“.

Überhaupt sei das Gasthaus Wittenburg mit der Kirchwiese der zentrale Treffpunkt in Fissau – und einstiger Gründungsort. Denn wo heute die Kirche steht, soll bei der ersten urkundlichen Erwähnung 1201 eine Burg gestanden haben. Namensgeber für den Ort war vermutlich der Ritter Ernest von Viskowe. Als 1968 die Martin-Luther-Kirche auf diesem Hügel gebaut wurde, wurden die Überreste dieser Burg gefunden. Einzelne Steine davon sind noch im „ganzen Stolz – der Heimatstube“ zu sehen, wie Scherbarth sagt. Seine Frau Heidi leitet die Heimatstube im Obergeschoss der Dorfschule,die 2010 mit dem Kulturpreis ausgezeichnet wurde. Hier können Besucher sehen, wie die Menschen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in Fissau und Umgebung gelebt haben: Werkzeuge eines Sattlers, Schusters und Schmieds, alte Schulbänke sowie Sütterlin-Schrift auf der Tafel, ein altes Schlafzimmer sowie Küchen-, Haus- und Landwirtschaftsgeräte – allesamt Spenden aus der Umgebung – sollen einen Einblick in die Geschichte vor Ort bieten. Mit seiner Frau Heidi hat sich der gebürtige Düsseldorfer ein richtiges Fissauer Urgestein geangelt, wie er selbst sagt. Sie stammt vom Hof Gröne. Heute, nach seiner Kindheit in Malente und mehr als 32 Jahren Fissau, sagt auch Scherbarth voller Überzeugung: „Ich bin Holsteiner und Fissauer.“ Jedes Mal nach einer Woche Dienst auf der Küstenwache freue er sich auf festen Boden unter den Füßen – natürlich in Fissau.





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