Historische Badeanstalt : Ein Denkmal, das allen Eutinern gehört

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Bürgergemeinschaft nennt die historische Badeanstalt am Großen Eutiner See einen „Glücksfall für die Stadt“.

shz.de von
25. Juli 2018, 11:42 Uhr

Lange gab es in Norddeutschland keinen Sommer wie diesen. Hitze tagsüber, Wärme nachts. Doch die Eutiner und ihre Gäste haben die Möglichkeit, in nur gut zehn Fußminuten vom Stadtzentrum ins kühle Nass des Großen Eutiner Sees einzutauchen. Die historische Badeanstalt, deren Existenz weitblickenden Damen und Herren des frühen 20. Jahrhunderts
zu verdanken ist, ist eine denkmalgeschützte Einrichtung. Auch wenn dieses Erbe nicht immer einfach zu verwalten ist – die dunkelgrüne Farbgebung ist ausgesprochen pflegeintensiv – „so hat der Denkmalschutz das Gebäude doch vor entstellenden Veränderungen bewahrt“, sagt Regine Jepp (Foto), Sprecherin der Bürgergemeinschaft Eutin. Denn gab es unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg große Diskussionen über die Notwendigkeit einer Badeanstalt – auch moralische Aspekte spielten bei den kontroversen Auseinandersetzungen eine Rolle – so stellt heute niemand mehr den Nutzen einer solchen Einrichtung in Frage. Und während andere Freizeitaktivitäten mehr oder weniger kostenträchtig sind, so ist der Besuch der Freibadeanstalt völlig eintrittsfrei. Die Eutiner Badeanstalt befindet sich im städtischen Besitz, seit den 1990er Jahren steht sie in der Obhut der Stadtwerke.

Als die Badeanstalt 1913 gebaut wurde, war sie auf dem neuesten Stand der damaligen Technik. So gab es im Eingangsbereich eigene Unterstellmöglichkeiten für das seinerzeit gebräuchlichste Verkehrsmittel – das Fahrrad. Kokosläufer sorgten im Nassbereich der Umkleidekabinen dafür, dass niemand ausrutschte. Als besondere Attraktion galten zwei jeweils vier Meter hohe hölzerne Sprungtürme. Diese wurden allerdings später wegen Baufälligkeit wieder demontiert.

„Die interessante Holzkonstruktion zählt zu den markantesten Baudenkmalen der Stadt“, sagt Jepp. Bundes-weit soll es nur noch wenige vergleichbare Anlagen geben. Allerdings benötigt so ein historisches Holzgebäude erhebliche Anstrengungen. Abblätternde Farbe und marode Holzteile sorgten vor etlichen Jahren für Schlagzeilen und nicht nur die Bürgergemeinschaft, die sich seit über 40 Jahren in Eutin um Belange von Stadterhaltung
und Stadtgestaltung kümmert, machte sich Sorgen um den Erhalt des Bauwerks. Doch dann nahmen sich die Stadtwerke des seit 1985 unter Denkmalschutz stehenden Schmuckstücks an und sorgten für eine sukzessive Renovierung. Seitdem hört die Arbeit eigentlich nie auf – wie es bei betagten Holzgebäuden so ist, zumal dann, wenn diese auch noch mitten ins Wasser hinein gebaut worden sind. Viel Pflege ist notwendig, um das Kleinod für kommende Generationen zu erhalten. Egal ob beim Sprungturm, auf der Liegewiese oder an der Wasserrutsche: Die Eutiner haben ihren Badestrand direkt vor der Haustür. „Ein Denkmal, das allen Eutinern gehört und von allen kostenfrei genutzt werden kann, ist ein Glücksfall für die Stadt“, sagt Jepp.

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