zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

15. Dezember 2017 | 17:18 Uhr

Ein Dachdecker aus Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Jakob Richter aus Neversfelde hat mit 24 Jahren im Handwerk schon viel erreicht: Meisterbrief, Firma gegründet und Vize-Weltmeister

von
erstellt am 28.Nov.2014 | 14:54 Uhr

Mit erst 24 Jahren ist Jakob Richter nicht nur Ehemann und Vater einer dreijährigen Tochter, sondern auch schon selbstständiger Dachdeckermeister. Jetzt wurde der sympathische Handwerker zusammen mit seinem Kollegen Arvid Speßardt aus Hagenow im rumänischen Bukarest Vizeweltmeister der Dachdecker.

„Das Dachdeckerhandwerk ist meine Leidenschaft“, sagt Jakob Richter. Und diese brachte der junge Mann, der in Timmdorf aufgewachsen ist, bei der alle zwei Jahre stattfindenden Weltmeisterschaft junger Dachdecker der International Federation for the Roofing Trade mit ein. Insgesamt 30 Teams aus 16 Nationen traten in den drei Wertungskategorien Steildach, Flachdach und Metalldach an. „Die meisten kamen aus Europa“, erzählt Jakob Richter.

Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks entsandte zwei Zwei-Mann-Teams, gebildet aus den Bundessiegern der Leistungswettbewerbe 2013 und 2014. Sie hatten sich zuvor im Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerverbands (BBZ) in Mayen in der Eifel intensiv vorbereitet.

Per Auslosung erfuhren sie, an welchem der rund acht Quadratmeter großen Dachmodelle sie arbeiten werden. Für Jakob Richter und Arvid Speßardt galt es, die Herausforderung an einem Steildach an zwei Wettbewerbstagen zu meistern. An Tag eins galt es, eine Eindeckung mit Betondachstein mit allen Funktionsschichten wie Unterspannbahnen und sogenannten Dampfsperren sowie der Wärmedämmung mit allen dazugehörigen Anschlüssen fachgerecht auf das Dachmodell aufzubringen. Tags drauf hieß es,
eine eingebundene Biberschwanzkehle, ein über Eck stehendes Dach mit runden Schindeln – einzudecken. Pro Aufgabe hatte das Team acht Stunden Zeit.

„Jede verarbeitete Schraube zählte in der Bewertung“, so Richter weiter. Um eine differenzierte Bewertung vornehmen zu können, ging die von der Jury geforderte fachliche Präzision weit über das eigentliche Herstellen der Funktionsfähigkeit hinaus. Teilweise mussten die jungen Handwerker improvisieren, weil Materialien wie Dachlatten oder Klebebänder fehlten. Am Ende erhielt nur ein österreichisches Team mehr Punkte von der Fachjury. Jakob Richter und sein Teamkollegen waren mit ihrem zweiten Platz „mehr als zufrieden“.

„Das Dachdeckerhandwerk bedeutet für mich alles“, sagt Jakob Richter. Für ihn sei es nicht nur der Beruf, um seine Familie zu ernähren, sondern: „Das Dachdeckerhandwerk ist extrem vielseitig und ist megainteressant“, so der Jungunternehmer. Ihm mache es Spaß, mit Köpfchen zu arbeiten und besondere Herausforderungen zu meistern. „Dann wird es so richtig interessant“, verrät er lächelnd.

Der Berufsweg von Jakob Richter ist beeindruckend: Nach seinem Abitur 2011 begann er seine Dachdeckerausbildung bei der Firma Gebrüder Behrend in Plön, die er ein Jahr früher mit der Gesellenprüfung im Juni 2013 erfolgreich abschloss. Drei Wochen später drückte Richter die Schulbank beim
Berufsbildungsverein des Dachdeckerhandwerks in Lübeck. Während dieser Zeit wurde er bei den praktischen Leistungswettbewerben des Handwerks Landessieger und zweiter Bundessieger in seinem Fach.

Am 12. Juni dieses Jahres hielt der junge Familienvater dann seinen Meisterbrief in den Händen. „Einen Tag danach habe ich meine Firma gegründet“, erzählt Jakob Richter, für den ein Freitag, der 13., ein gutes Omen ist. Seit August unterstützt ihn bei den Auftragsausführungen ein Mitarbeiter.

Der persönliche Kundenkontakt und eine ehrliche Beratung sind Jakob Richter wichtig. „Ich möchte mich abends mit dem Wissen ins Bett legen können, dass ich gute Arbeit geleistet habe“, beendet er das Gespräch.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen