Ein Christ und Hardliner

Es sei Zufall, dass der CSU-Politiker Günther Beckstein (links) das rote Mikrofon bekommen habe, so Propst Peter Barz (rechts). Aber das schwarze Mikrofon sei für die Kirche reserviert.
Es sei Zufall, dass der CSU-Politiker Günther Beckstein (links) das rote Mikrofon bekommen habe, so Propst Peter Barz (rechts). Aber das schwarze Mikrofon sei für die Kirche reserviert.

Der frühere bayrische Ministerpräsident Günther Beckstein sprach beim „Talk im Garten“ über Glauben und die Flüchtlingskrise

shz.de von
29. Juni 2018, 13:18 Uhr

Eigentlich hatte Propst Peter Barz zu Beginn der Unterhaltung mit Günther Beckstein ausdrücklich betont, dass es kein Polittalk werden würde. Aber spätestens, als es um das Thema Flüchtlinge ging, wurde das Gespräch mit dem früheren bayrischen Innenminister und Ministerpräsidenten genau das.

Wie er seine sein damaliges Verhalten als „harter Hund“ mit seinem christlichen Glauben vereinbaren könne, wollte Barz von Beckstein wissen, erster evangelischer Ministerpräsident in Bayern nach 1945. Der CSU-Politiker sah da keinen Widerspruch. „Ich habe als Christ nicht nur eine Gesinnungs-, sondern auch eine Verantwortungsethik“, erklärte er den rund 60 Gästen im „Garten am frischen Wasser“. Bei der Gesinnungsethik werde auch ein Verbrecher als Bruder gesehen, die Verantwortungsethik müsse Recht und Ordnung durchsetzen. „Diese Unterscheidung ist eine Notwendigkeit.“

Sei es denn tatsächlich ein Gebot Jesu, dass die Grenzen aufgemacht würden und jeder nach Deutschland gelassen werde, der ins Land kommen wolle? „Ich sage: Nein!“, so Becksteins deutliche Aussage. Natürlich solle den wirklich Verfolgten geholfen werden, aber wer nur seinen Lebensstandard verbessern wolle, der müsse abgewiesen werden. Er wisse, dass diese Position nicht sehr populär sei, aber: „Es sind ja oft nicht die Ärmsten, die zu uns kommen. So ein Schleuser kostet ziemlich viel Geld.“

Die Aufgabe eines Innenministers sei es, Recht und Ordnung durchzusetzen. Wer die Härte dazu nicht habe, der sei falsch für diesen Job, so der 74-Jährige, der diesen Posten von 1993 bis 2007 bekleidete. Er erinnerte daran, dass während seiner Amtszeit als Innenminister im Jahr 1994 die Flüchtlingskrise durch Spätaussiedler und die Jugoslawienkriege größer als im Jahr 2015 gewesen sei. „Ich war lieber ein Hardliner als ein Weichei, das für Unordnung verantwortlich ist.“

Dann kritisierte Beckstein, promovierter Jurist und ehemaliger Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschland, die Praxis des Kirchenasyls. Er könne nicht akzeptieren, dass die Kirche sich eine höhere Prüfungskompetenz zuschreibe als dem Bundesinnenministerium. „Wir müssen durchsetzen, dass unser Rechtsstaat seine Ordnung hat und sich durchsetzt. Sonst verliert er seine Achtung.“ Propst Barz wollte diese Vorwürfe so nicht stehen lassen. „Das Kirchenasyl ist kein rechtsfreier Raum und steht auch nicht über den Gesetzen.“ Dass so viele Fälle des Kirchenasyls nachträglich von der Härtefallkommission auch als solche eingestuft würden, zeige dessen Rechtmäßigkeit.

Bereits zu Beginn des Gesprächs hatte Beckstein vom Stellenwert des Glaubens in seinem Leben berichtet. In seinen aktiven Zeiten als Politiker habe eine Statue des Heiligen Antonius in seinem Dienstzimmer gestanden. Sie habe nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten sogar eine Büste von Franz Josef Strauß verdrängt. „Die Statue erinnerte mich daran, dass vor Gott alle Menschen gleich sind.“ Außerdem habe sie ihn gemahnt, dass die Würde eines Menschen nicht von seinem Amt abhänge.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen