Eutin : Ein besonderes Chorprojekt

Chorleiterin Yvonne Crössmann singt mit dem Chor, zu dem auch Ehepaar Rodenberg gehört.
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Chorleiterin Yvonne Crössmann singt mit dem Chor, zu dem auch Ehepaar Rodenberg gehört.

„Die Gedanken sind frei“ – das Begrüßungslied des Projektchores für Demenzkranke und ihre Angehörigen ist Programm, die Freude steht im Fokus.

shz.de von
31. Januar 2019, 15:43 Uhr

Eutin | „Ich denk’, was ich will und was mich beglücket“ – wenn Demenzerkrankte die Zeilen aus „Die Gedanken sind frei“ als Begrüßungslied im Chorprojekt jeden Donnerstag mit ihren Angehörigen singen, hat das für beide Seiten ganz besondere Bedeutung. Ob Ehemann, Kind oder Freund der Familie – die Begleiter spüren, wie ihre Liebsten, deren Kurzzeitgedächtnis nicht mehr funktioniert, aufblühen, wenn sie singen.

Aus Liebe zum Partner

„Meine Frau sang mehr als 15 Jahre lang im Eutiner Festspielchor“, erzählt Wolfgang Rodenberg. Als er von dem Angebot des Pflegestützpunktes in Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule vergangenen Herbst las, meldete er sich an. „Ich dachte erst, ich sitze am Rand und warte. Ich kann doch nicht singen“, sagt er. Und nun sitzt der 86-Jährige neben seiner Frau und ist aktives Chormitglied – mit Freude. „Ich merke, wie gut es ihr tut und ich mache es gerne, denn es gehört zu einem unserer gemeinsamen Lichtblicke in der Woche“, sagt Wolfgang Rodenberg.

Für Andreas Brons ist das ähnlich. Der selbstständige Kieler versucht sich den Donnerstag immer für sich und seine Mutter freizuhalten. Wenn die Liedermappe gezückt wird, setzt er ihr liebevoll die Brille auf. Die Rollen haben gewechselt. „Sie ist sehr auf mich bezogen, wir haben einen sehr guten Draht zueinander und ich mache das gern mit ihr“, sagt Brons, der seine 82-jährige Mutter aus dem Wohnpark in Grebin dafür abholt. „Wir wollen singen, damit du nicht alles vergisst“, sagt er in ihre Richtung. „Ich finde es schlimm, das mein Gedächtnis so schwach ist“, erklärt sie. Ein paar Reihen weiter vorn im Probenraum sitzt Brigitte Hormann, die auch von ihrer Tochter begleitet wird. „Ich weiß nicht mehr, wie alt ich bin“, sagt sie. Die Musik aber stecke in ihr, das mache Spaß. Doch Menschen um sie herum wissen, wenn sie das Haus wieder verlässt, weiß sie schon nicht mehr, dass sie beim Singen war.

Ziel des Projektes

„Es geht um den gemeinsamen Spaß am Singen, mal wieder raus aus den eigenen vier Wänden zu kommen und gemeinsam etwas Schönes zu erleben“, erklärt Projektleiterin Friederike Joppich vom Pflegestützpunkt, der den Chor „Vergiss-mein-nicht“ nicht nur ins Leben gerufen hat, sondern auch maßgeblich finanziert – in diesem Jahr mit der Unterstützung der von der Karl-Gustav-Jürgensen-Stiftung und des Inner-Wheel-Clubs.

Wer mitsingen möchte, meldet sich beim Pflegestützpunkt unter 04521/8306630, der auch Fahrdienste zu den barrierefreien Räumen der Kreismusikschule anbietet.

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