Turnier der Begegnungen : Ein besonderer Kick

Als einzige Frau auf dem Spielfeld war Polizistin Ronja Pajonk dabei. Sie zeigt vor den interessierten Zuschauern eine nahezu perfekte Ballbehandlung.
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Als einzige Frau auf dem Spielfeld war Polizistin Ronja Pajonk dabei. Sie zeigt vor den interessierten Zuschauern eine nahezu perfekte Ballbehandlung.

Kinderschutzbund veranstaltete in Zarnekau das Fußballturnier für „Freundschaft und Integration“.

shz.de von
29. Juni 2014, 17:45 Uhr

Beim Fußballturnier für „Freundschaft und Integration“ gibt es für die Beteiligten Wichtigeres als einheitliche Trikots. „Einwurf bunt!“, ruft Schiedsrichter Ole Schöning den Spielern zu, als der Ball ins Aus geflogen ist. Drei der acht Teams bestehen aus Spielern, die als Kinder und Jugendliche allein aus ihrer Heimat fliehen mussten und ohne Begleitung nach Deutschland gekommen sind. Auf und neben dem Fußballplatz standen am Sonnabend bei allem Ehrgeiz die menschlichen Begegnungen im Vordergrund.

Ein Spieler fällt sofort auf. Er spielt beim Afghanischen SV, wie sich eine Mannschaft selbst genannt hat, in der Abwehr, geht später ins Tor – und ist auch in der nächsten Begegnung mit von der Partie, wenn das Team „Akbar“ aufläuft. „Ich habe früher in Eutin gewohnt“, sagt Akbar, der der Mannschaft den Namen gab. Der 20-Jährige ist der Wohngruppe entwachsen, denn mit dem 18. Geburtstag ist nicht mehr der Kinderschutzbund für die jungen Menschen zuständig. Aber die Netzwerke halten, die Kontakte überstehen auch die räumlichen Entfernungen.

Akbar kam aus Afghanistan nach Deutschland. Als er in Eutin aufgenommen wurde, hat er sich der SG Eutin/Malente angeschlossen, kickte dort in der A-Jugend, das sind die 16- bis 18-Jährigen. Jetzt lebt Akbar in Bad Schwartau und will dort seinen Schulabschluss machen. Fußball spielt in seinem Leben eine wichtige Rolle: „Wenn man Stress hat, kann sich da austoben.“ Als Akbar nach Bad Schwartau gezogen war, hat er die Verbindungen zu seinen früheren Betreuern nicht abreißen lassen. So hat er gleich angefragt, ob er auch künftig mitspielen dürfe. „Und ich habe auch gefragt, ob ich Freunde mitbringen darf“, sagt Akbar fröhlich – natürlich durfte er.

Die Organisation haben die Betreuer Helge Meier und Ole Schöning in die Hand genommen. Die Beiden managen das Turnier bei der Platzansage am Mikrofon, als Schiedsrichter auf dem Spielfeld oder als „Mädchen für alles“, wenn der Stecker aus der Kabeltrommel rutscht oder die nächste Spielrunde ausgelost werden soll.

Neben dem Team „Akbar“, das den Wanderpokal schon dreimal gewonnen hat und so endgültig in den eigenen Trophäenschrank stellen durfte, sind die Freiwillige Feuerwehr Zarnekau I und II, der Afghanische Verein, eine Mannschaft aus Lensahn, die Wohngruppen Eutin/Malente, der SV Zarnekau und die Polizei dabei, die zum ersten Mal in Zarnekau antrat.

Die auszubildenden Polizisten hatten bei der Premiere doppelt Erfolg. Sie gewannen den neuen Wanderpokal und auch einen Satz T-Shirts für die fairste Mannschaft des Turniers. „Wir haben auch mit dem Wetter Glück gehabt, Regen und Gewitter sind an uns vorbeigezogen. Lediglich beim Endspiel sind ein paar Tropfen heruntergekommen“, berichtet Helge Meier. Das Endspiel gewann die Polizei mit 1:0 gegen das Team „Akbar“.

Namensgeber Akbar will sich bald wieder intensiver um das eigene Fußballspiel kümmern: „Wenn ich mit der Schule durch bin, gehe ich noch einmal in den Verein.“

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