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Eutin / Bösdorf : Ein bescheidener Lebensretter

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Eutiner Soldat Philipp Paulokat hat einem Autofahrer vielleicht das Leben gerettet. Ein 27-jähriger Bosauer suchte ihn über Facebook.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2014 | 04:00 Uhr

Er hat einfach alles richtig gemacht. Und wahrscheinlich sogar ein Leben gerettet. Aber damit in die Öffentlichkeit wollte Philipp Paulokat (Foto) aus Pfingstberg eigentlich nicht, das sei doch selbstverständlich.

„Sie sind ein gutes Beispiel für andere, deshalb sollte das in der Zeitung stehen“, fand hingegen Hauptmann Josef Pleintinger, der Kompaniechef des 30-jährigen Oberstabsgefreiten. Und das findet auch der 27-jährige Bosauer, der den Soldaten mit einem Aufruf über Facebook fand, um sich zu bedanken.

Es war am 13. August, kurz vor 6 Uhr: Auf dem Weg zum Dienst bei den Eutiner Aufklärern sah Philipp Paulokat in Kleinmühlen an der L 306 einen Pkw, der sonderbar in einer Kurve am Straßenrand stand. „Zuerst dachte ich an einen Wildunfall“, erinnert sich Paulokat. Im Vorbeifahren sieht er eine Person, die sonderbar verkrampft am Steuer sitzt.

Paulokat wendet, stellt sein Auto mit Warnblinklicht schützend neben den Pkw und versucht, mit dem Fahrer zu sprechen. Der reagiert nicht, seine Tür lässt sich nicht öffnen, da sie von einem Polder blockiert wird.

Paulokat steigt auf der Beifahrerseite ein und merkt sofort, dass der Mann kaum ansprechbar ist. Der in Ersthilfe ausgebildete und auslandserfahrene Soldat spürt Puls, vermutet einen Schlaganfall und will einen Notruf absetzen, bevor er entdeckt, dass der Hilfelose ein Mobiltelefon auf dem Schoß liegen hat. Paulokat: „Er hatte die 112 schon gewählt, die Verbindung zur Leitstelle stand, aber er konnte nicht sprechen.“

Paulokat erklärt der Leitstelle den Notfall, bleibt bei dem 27-Jährigen, bis ein Rettungswagen eintrifft, und hinterlässt bei der ebenfalls eintreffenden Polizei seine Personalien. Dann schildert er seinem Vorgesetzten, warum er zu spät zum Dienst gekommen ist.

Damit wäre für den Angehörigen der 2. Kompanie die Sache erledigt gewesen. Doch einen Tag später erfährt er von einem Nachbarn, mit dem er beim Joggen über den Vorfall spricht, von einem Hinweis auf Facebook: „Ich möchte mich bei dem Soldaten bedanken, der angehalten hat und einfach da war“, schrieb der 27-jährige Bosauer.

Dem geht es inzwischen deutlich besser, er ist aber immer noch im Krankenhaus. Was dem 27-Jährigen widerfahren ist, haben die Ärzte noch nicht herausgefunden: Irgendetwas Krampfartiges. Auch ein Schlaganfall sei nicht ausgeschlossen.

Aber: Nach seinen Berechnungen hat er 15 bis 20 Minuten hilflos im Auto gesessen, bevor Philipp Paulokat gehalten hat. Alle anderen Autofahrer – und das sind zu dieser Morgenstunde nicht wenig – waren vorbeigefahren, ohne sich zu kümmern.

 

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