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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 01:08 Uhr

Schatthagen : Ein Bahnübergang als Euro-Grab

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Gemeinde Süsel fühlt sich von der Bahn ungerecht behandelt. Vertretung will drastische Kostensteigerungen nicht hinnehmen.

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2013 | 00:34 Uhr

Es ist ein Fiasko: Der Ausbau des Bahnübergangs Schatthagen im unbefestigten Waldweg bei Bockholt sollte ursprünglich 420 000 Euro kosten. Davon wären bei der Gemeinde Süsel 35 000 Euro hängen geblieben. Unter heftigem Protest hat die Gemeindevertretung am Donnerstagabend registriert, dass sich dieser Kostenanteil auf 61 000 Euro fast verdoppelt hat. Die Ironie des Schicksals: Ernsthaft gebraucht wird dieser standardmäßig ausgebaute Übergang mit Schranken und sieben Meter Breite offenbar nicht.

Schatthagen ist der letzte Bahnübergang in der Gemeinde, der im Zug der „Ertüchtigung“ der Bahnstrecke Kiel–Lübeck noch nicht ausgebaut war – also keine Schranken hatte. Die Gemeinde hatte die Wahl, den Übergang zu schließen, die dafür notwendigen Bauarbeiten hätte sie alleine zahlen müssen.

Die Alternative war, den Bahnübergang auszubauen. In einer gut besuchten Dorfschaftsversammlung am 25. August 2011 gab es ein einstimmiges Votum der Bürger für einen Ausbau. Dabei wurde argumentiert, dass dieser Weg eine sichere Verbindung für Radfahrer nach Eutin sei, also vor allem für Schüler.

Als Kostenschätzung – gemessen an den Erfahrungen bei den Bahnübergängen Grellenkamp bei Malente und Schulendorf – war von maximal 140 000 Euro für die Gemeinde die Rede, die für solche Kosten stest 75 Prozent Zuschuss bekommt. Damit wäre der Süseler Haushalt mit maximal 35 000 Euro belastet worden.

Donnerstagabend sollten die Gemeindevertreter zur Kenntnis nehmen, dass Bürgermeister Holger Reinholdt (Freiwillige Wähler Süsel) per Eilentscheidung die Zahlung von noch einmal 13 900 Euro für den Ausbau des Bahnüberganges genehmigt hatte. Da platzte einigen der Kragen.

Reinholdt begründete die Dringlichkeit seiner Eilentscheidung mit dem Hinweis, dass sonst der 75-prozentige Zuschuss für die Gemeinde in Gefahr geraten wäre. Er selbst eröffnete die Kritik an der Bahn, eine Baukostenerhöhung in solchen Dimensionen werfe kein gutes Licht auf das Unternehmen.

Martina Kloth-Korten (SPD) forderte dazu auf, dass sich die Gemeinde das nicht gefallen lassen dürfe, und auch Christian Rumpel (CDU) pflichtete bei: „Da müssen wir voll dagegen halten.“ In der Gemeindevertretung werde über die Ausgabe von 500-Euro-Beträgen erbittert gerungen, und da gingen Tausende von Euro weg.

Nach Befragung eines Rechtsanwaltes und anderer Behörden ruht die letzte Hoffnung der Gemeinde auf einer Prüfung des Eisenbahnbundeamtes: Fällt dessen unabhängige Prüfung negativ für die Kostenpolitik der Bahn aus, könnte es eine Rückerstattung geben.

Die letzte von mehreren Erhöhungen hatte die Bahn übrigens – so die Sitzungsvorlage – mit den Kosten für eine Stellwerksanpassung begründet: die war mit 40 000 Euro kalkuliert worden. Tatsächlich habe eine britische Firma, deren Technik und Software bei der Ertüchtigung der Bahnstrecke eingesetzt wurde, aber 185 000 Euro gefordert.

Weiter heißt es in der Vorlage, die Bahn habe sich an das britische Unternehmen gebunden, Schatthagen sei aber nicht frühzeitig genug berücksichtigt worden; deshalb hätten neue Mitarbeiter der Firma „mit den ganzen Kriterien und ,deutschen Prinzipien‘ vertraut gemacht werden“ müssen.

Unabhängig von der endgültigen Entscheidung über die Kostenteilung für immerhin mehr als 730 000 Euro, die der Bahnübergang wirklich gekostet hat, bleibt die Frage, ob die Entscheidung für den Bahnübergang nicht eine fatale Fehleinschätzung war: Nachdem in der Dorfschaftsversammlung im August 2011 der Erhalt des Überganges gefordert worden, sammelte ein knappes Jahr später, im März 2012, der Schüler Robin Schmidtke in Bockholt 150 Unterschriften mit der Forderung nach dem Bau eines Radweges an der Gemeindestraße zwischen Bockholt und Eutin. Begründung: Die Nutzung des Waldweges sei zu unsicher, Radeln auf der Gemeindestraße auch zu gefährlich.

Angesichts dieser Entwicklung sind anscheinend 730 000 Euro „für drei Trecker, die da mal fahren“, ausgegeben worden, wie es Holger Reinholdt formulierte.

 





 

 

 

 

 

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