zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2017 | 10:46 Uhr

Ein „aufgepimptes“ Meisterstück

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Uraufführung bei den Festspielen: Der Komponist Leo Siberski zeigt mit der Wolfsschlucht eine moderne Sicht auf Webers Freischütz

shz.de von
erstellt am 12.Apr.2017 | 04:00 Uhr

Neue Musik, neue Dialoge, eine neue Perspektive auf die Eutiner Oper: Der Komponist Leo Siberski will die Geschichte des Freischütz’ in der Sonderveranstaltung „Die Wolfsschlucht“ völlig neu erzählen – auf Basis von „Webers Meisterwerk“. In einem „aufgepimpten Konzert“, wie er die geplante halbkonzertante Uraufführung am 12. August nennt, mischt er die großen Stücke Webers mit selbstkomponierten Songs und elektronischer Musik.

„Wir sind der festen Überzeugung, dass der Freischütz in unseren Aufführungskanon gehört. Aber die Musik muss immer wieder den Vorwurf der Biederkeit ertragen, den wir ungerechtfertigt finden, aber verstehen können“, erzählt Siberski. Das großartige Stück Webers entspreche nicht mehr dem, was Menschen heute gewohnt seien, zu sehen. „Vor 200 Jahren galten ganz andere Theatergesetze“, so Siberski. Der Musiker, der sich bereits in der vergangenen Saison als Dirigent und Chef des Kammerphilharmonie-Orchesters (KaPhil) bei den Festspielen hervortat, möchte mit seiner Art, die Geschichte des Freischütz zu zeigen, ein neues Publikum erreichen. „Ich möchte die Geschichte in ein ganz anderes Licht rücken, damit gesehen wird, was für ein geniales Stück das ist“, betonte Siberski. Und seine Komposition der Wolfsschlucht unterliege heutigen Gesetzen. Er arbeite eng mit dem befreundeten Komponisten Per Baierlein zusammen, der eigens für die „Wolfsschlucht“ drei Stücke schreibt. Neben den großen Weber-Stücken wie der Ouvertüre, die die Zuschauer auch auf der Festspielbühne zu hören bekommen – „nur vielleicht nicht gleich am Anfang“ – schreiben die beiden gemeinsam mit der Intendantin Dominique Caron auch an den Dialogen, die teils orientiert am Original, aber in deutlich modernerer Sprache daher kommen.

Ein paar Details verriet Siberski gestern: „Das Stück wird aus der Sicht von Kasper erzählt, der tragischen Figur, die aus dem Dreißigjährigen Krieg deutlich geschunden zurückkehrt. Davor hatte er eine Beziehung zu Agathe, doch die hatte die Hoffnung bereits aufgegeben, ihn wiederzusehen und sich an Max gewandt.“ Siberski verzichtet auf die Rolle des Aennchen, „das braucht man heute nicht als Gegenpart für das Dramatische und den Gruselaspekt“. Auf den Jägerchor müssen Freischütz-Freunde nicht verzichten – „aber er wird die Bedrohung in Max’ Kopf sein“.

Das Hauptaugenmerk liege – wie der Name vermuten lässt – auf der Wolfsschlucht. „Die Szene bleibt in ihrer Ästhetik erhalten“, sagt Siberski, das Feurige der vergangenen Saison wolle er gern wieder einbauen. Der Teufel werde eine exponierte Rolle spielen.

Die Musik, die Weber schon zum Dialog zwischen Teufel und Kasper schrieb, sei der pure Funk. „Das wird eines unserer Leitmotive sein. Überhaupt wollen wir viel mit Leitmotiven arbeiten. Freischütz-Fans werden die Lieder erkennen, neue Zuschauer sie anhand von Wiederholungen schnell einzuordnen wissen“, sagt Siberski. Klangfarben sollen die Dialoge verstärken.

„Möglich wird das alles nur, weil wir mit ‚KaPhil!‘ ein Orchester haben, das bereit ist, genreübergreifend zu arbeiten und richtig Lust darauf hat.“ Die Lust auf das große Neue sei es auch gewesen, die sowohl die fünf Ensemble-Mitglieder gepackt habe als auch den befreundeten Komponisten. „Die Gage, die bei den Festspielen dafür übrig ist, ist eher eine Aufwandsentschädigung. Aber die Leute sind mit Herzblut dabei, das ist es, was es letztlich besonders macht“, so Siberski.

Besonders wird auch der Dialog zwischen den Liebenden Agathe und Max, der Siberski wichtig ist: „Im Original spüre ich nie die Intimität zwischen den beiden. Wenn überhaupt, singen sie in Abwesenheit des anderen über ihre Liebe. Das wird bei uns anders.“

Festspiele-Chefin Sabine Kuhnert ist „total begeistert“: „Das wird etwas ganz Großartiges, noch nie dagewesenes.“ Mit dem bisherigen Kartenverkauf zeigte sie sich zufrieden: „Ich bin optimistisch, dass wir bis Saisonbeginn 50 Prozent der Karten verkauft haben.“



Um junges Publikum (Empfehlung ab 12 Jahre für „Die Wolfsschlucht“) zur Uraufführung zu locken, wird Eutiner Schülern angeboten, drei Karten für den Preis von zwei zu kaufen. Tickets unter Tel. 04521/  80010 oder unter www.eutiner-festspiele.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert