Ein Appell zur Aufmerksamkeit

Über ein volles Haus freuten sich (vorne, von links) Julia Hümme, Ulf Petermann, Till Warwas und Lars Möller.
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Über ein volles Haus freuten sich (vorne, von links) Julia Hümme, Ulf Petermann, Till Warwas und Lars Möller.

Ausstellung „Lübecker Bucht“ aus der Sicht von drei Malern wurde mit großem Publikumsinteresse im Ostholstein-Museum eröffnet

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05. März 2017, 13:37 Uhr

Die Stühle reichten gestern Morgen bei weitem nicht aus bei der Eröffnung einer neuen Sonderausstellung im Ostholstein-Museum: Um die 200 Besucher beglückten Organisatoren und besonders auch die Künstler: Lars Möller, Ulf Petermann und Till Warwas. Ihre Bilder, die in den vergangenen beiden Jahren in der Lübecker Bucht, im Norden des Kreises und in Lübeck entstanden sind, weckten ein Besucherinteresse, das nach der Einschätzung der Museumsleiterin Dr. Julia Hümme mit dem Besuch vor einem Jahr bei der Eröffnung der Klaus-Fußmann-Ausstellung vergleichbar war.

Lars Möller (Hamburg), Ulf Petermann (Husum) und Till Warwas (Bremen) sind – wie schon berichtet – befreundet und haben mit der Region zwischen Lübeck und Fehmarn zum fünften Mal gemeinsam einen Landstrich erkundet.

Es sei wahnsinnig viel Arbeit gewesen, räumte Till Warwas ein, in den Wochen vor Beginn der Ausstellung sei mehrfach der Gedanke aufgekommen, dass man es nicht schaffen werde – denn neben den 110 Gemälden, die das Ostholstein-Museum unter dem Titel „Lübecker Bucht – gesehen von Lars Möller, Ulf Petermann und Warwas“ bis zum Sommer präsentiert, gibt es vom 11. März bis zum 22. April eine Ausstellung weiterer Bilder in der Galerie Koch-Westenhoff in Lübeck.

Beim Blick auf die gemeinsam unternommenen Mal-Reisen nach Ostholstein stellte Warwas fest, dass bei anderen Landschaften wie zum Beispiel der Insel Sylt die Motivwahl zwischen Dünen und Meer beschränkt sei, entlang der Lübecker Bucht habe es indes eine Vielzahl von Optionen darüber hinaus gegeben. Die Vielfalt der Motive belege, wie attraktiv und im wahren Sinn des Wortes wie malerisch die Region an der Lübecker Bucht sei, pflichtete Landrat Reinhard Sager bei, der das Programm der Vernissage eröffnete. Eine Einführung in die speziellen Arbeitsweisen der drei Künstler verband Augustin M. Noffke (Ratzeburg) mit einer philosophischen Ausführung über die Fähigkeit der Wahrnehmung, die dem modernen Menschen verloren gehe, weil er sich mit dem Foto oder einem Video, das sich mit einem Smartphone produzieren lasse, eine künstliche Welt der Wahrnehmung schaffe. Wie die Verteidigung der Demokratie einen täglichen Kampf verdiene, so empfahl Noffke einen täglichen Kampf um Aufmerksamkeit und Wahrnehmung der Wirklichkeit: Das Worte enthalte den Vorgang, dass ein Mensch einer Wirkung ausgesetzt werde.

Die moderne Technik hingegen beraube den Menschen der Wirkung und Wahrnehmung, es gebe kaum noch Spaziergänge durch die Natur, dafür ließe sich Menschen mit schnellen Maschinen transportieren. Die Arbeit der drei Maler sei ein Postulat gegen die Diktatur der Maschinerie, die Gemälde erlaubten dem Betrachter, die Wahrnehmung der Künstler und eigene Wahrnehmung zu spüren.

Der Museumsleiterin Dr. Julia Hümme bescheinigte Noffke, dass sie mit ihrer Arbeit die Stadt Eutin zu einem bemerkenswerten Ort der Kulturkonzentration gemacht habe.

Die Ausstellung im Erdgeschoss des Ostholstein-Museums besteht aus vier Teilen: Bilder jeden Künstlers haben einen eigenen Bereich bekommen. Dazu gibt es eine vierte Abteilung, in der Gemälde von allen drei Malern mit dem gleichen Motiv zum direkten Vergleich hängen.


Ostholstein-Museum, „Lübecker Bucht – gesehen von Lars Möller, Ulf Petermann und Till Warwas“, bis 6. Juni, Öffnungszeiten bis 31. März : Mi-Fr.: 15-17 Uhr, Sa/So/Feiertag: 11-17 Uhr

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