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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 03:50 Uhr

Eutin : Ein Alltag voller Hindernisse

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die LGS lud gestern zum Inklusions-Workshop: Die Teilnehmer erfuhren, was es heißt, mit Behinderung leben zu müssen.

shz.de von
erstellt am 12.Apr.2016 | 16:00 Uhr

Ein bisschen wackelig ist Manja Fieberg schon auf den Beinen. „Ist das hier der Knopf für den Aufzug?“, fragt sie unsicher und tastet die Wand des Kreishauses ab. Dank einer Simulationsbrille nimmt die 27-Jährige ihre Umwelt mit den Augen eines Menschen mit grauem Star wahr. „Das ist wirklich schlimm, man hat so einen milchigen Schleier vor den Augen und muss meganah an die Sachen rangehen, um sie zu erkennen.“

Manja Fieberg ist eine der ehrenamtlichen Helfer der Landesgartenschau (LGS), die gestern ins Kreishaus gekommen waren, um über das Thema Inklusion zu sprechen. Lena Middenhof und ihre Kollegen von der Lebenshilfe Ostholstein informierten die Mitarbeiter der LGS darüber, wie Menschen mit Behinderung besser in die Gesellschaft integriert werden könnten. „Behindert bist du nicht, behindert wirst du“, erklärte die Projektleiterin. Behindert seien Menschen demnach erst, wenn ihnen Steine in den Weg gelegt würden. Nicht nur mit Blick auf die LGS, bestätigte Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz, wolle sich die Stadt weiterentwickeln. Auch für die nächsten Jahre müsse Sorge dafür getragen werden, so Schulz weiter, dass Menschen mit Behinderung die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werde. „Wir werden das Stück für Stück in Einzelmaßnahmen umsetzen – von Wegen, Beschriftungen, Aufenthaltsräumen bis hin zum Stadtrelief, an dem man sich orientieren kann“, erklärte Schulz.

Mit Blick auf das jüngste Projekt – die LGS – ist für Lena Middendorf die Servicequalität entscheidend im Umgang mit körperlich wie geistig eingeschränkten Gästen. „Da muss man sich die Frage stellen, wie gehen wir mit Besuchern um, damit sie sich bei uns wohl fühlen und wiederkommen wollen?“ Neben der Barrierefreiheit für gehbehinderte Personen betreffen mögliche Maßnahmen unter anderem Hilfestellungen für gehör- oder sehgeschädigte Personen ebenso wie Analphabeten.

Um für das Thema zu sensibilisieren, hatten die 25 Anwesenden die Möglichkeit, mit Rollator, Langstock oder Simulationsbrille die Perspektive zu wechseln. Lena Middendorf erklärt: „Wenn man einmal selbst im Rollstuhl gesessen hat – da geht eine Glühlampe an und nie wieder aus.“ Michaele von Korff versucht, sich mit dem Rollator in den Gängen des Kreishauses zu bewegen. Dabei trägt sie eine Simulationsbrille, die ihren optischen Sinn enorm einschränkt, sowie Gewichte, welche die Körperwahrnehmung im fortgeschrittenen Alter nachempfinden. „Ich erkenne fast nichts. Allein würde ich mich so nicht zurecht finden.“ Auch Ehrenamtlerin Manja Fieberg hat ihre Schwierigkeiten, sich mit ihrer Simulationsbrille im Gebäude zurecht zu finden. „Den Aufzug hätte ich allein nie gefunden. Er hat sich überhaupt nicht von den übrigen Türen abgesetzt.“

Und auch die Treppen des Gebäudes hätten der 27-Jährigen Schwierigkeiten bereitet, weil die einzelnen Stufen nicht immer klar gekennzeichnet gewesen seien. „Bei der letzten Stufe wäre ich fast gefallen“, sagt Manja Fieberg. Kerstin Merx, Pressesprecherin der LGS, erklärt die Gründe der Veranstaltung im Kreishaus: „Wir hoffen, mit dieser Veranstaltung unter den Ehrenamtlern und Serviceleuten der LGS, der örtlichen Gastronomie und der Wirtschaft für eine Grundsensibilisierung gegenüber Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen zu sorgen.“ In den vergangenen Monaten hätten speziell dafür eingerichtete Teams der LGS in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Ostholstein und der Aktion Mensch Projekte formuliert und umgesetzt, die Menschen mit Behinderung auf dem Gelände der LGS auffangen sollen. Diese werden am Donnerstag offiziell in einer Pressekonferenz vorgestellt.

Gemeinsam mit anderen Städten und Gemeinden ist Eutin in einem Projektverbund mit der Lebenshilfe Ostholstein. Die Betreuung der LGS gehört zu den Vereinbarungen beider Kooperationspartner.

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