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Eutin : „Ein Abriss wäre einfacher gewesen“

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ortstermin: Mit großem Aufwand werden zurzeit die beiden Torhäuser neben der Opernscheune saniert. Die Arbeiten laufen auf Hochtouren.

Eutin | Sie müssen sich ranhalten – denn zur Landesgartenschau soll alles fertig sein. Auch am Freitag sind Maurer, Dachdecker und Zimmerleute dabei, den beiden historischen Torhäusern wieder Leben einzuhauchen.

Lange Zeit waren die zwei Stallgebäude unweit der Oldenburger Landstraße sich selbst überlassen. Feuchtigkeit, Holzwürmer und fehlende Pflege – Jörg Rüting schlägt seinen Zimmermanns-Hammer in einen der Dachbalken. „Alles morsch“, sagt der Ahrensböker. Marodes Holz bröselt heraus. Dabei steckt in den Balken noch alte Handwerkskunst. „Die sind noch mit dem Breitbeil behauen“, sagt Rüting mit hochgezogenen Augenbrauen. „Heute gibt es nur noch maschinell gesägte Hölzer“, sagt Rüting und zeigt auf die bereits neu eingebauten Balken.

Nicht alles kann der Denkmalschutz an den alten Gebäuden erhalten. Die Sparren im Dach beispielsweise sind fast alle durch neue ersetzt. „Ein Abriss wäre einfacher gewesen“, scherzt einer der Handwerker.

„Die Schädigung der Bausubstanz ist teilweise schlimmer als gedacht“, sagt Architekt Arne Roth. Viele Mängel seien erst beim Rückbau offensichtlich geworden. Wie das „massiv geschädigte Sockelmauerwerk“, das erst nach dem Entfernen der alten Sohlplatte tatsächlich begutachtet werden konnte, sagt der Eutiner.

Große Teile der Fachwerk-Konstruktion wird noch immer durch Gerüste und zusätzliche Balken gestützt. Die Stützpfeiler ruhen zwar bereits auf neuen Fundamenten, doch noch sei man vorsichtig, so Roth. Denn teilweise hatten sogar Ratten Gänge in Balken angelegt und seien dort hin- und hergelaufen, so Roth.

Zurzeit veranschlagen die Planer für die Sanierung der Torhäuser rund 1,6 Millionen Euro. Roth hatte die Kostenplanung kürzlich um 1,5 Prozent nach oben korrigieren und den Bauausschuss darüber informieren müssen. Beim Bauen im Bestand könnten Kostensteigerungen aber nie ausgeschlossen werden, so Roth. „Alte Häuser sind halt immer Wundertüten.“

Der bauliche Aufwand ist dabei immens: Da in den Gebäuden früher Düngemittel gelagert wurden, ist das Mauerwerk teilweise stark salzbelastet, so dass Fugen und Steine angegriffen waren. Hier sind Maurer zurzeit dabei, Fehl- und Schadstellen zu erneuern. Großen Aufwand bedeutete es auch, den alten Betonfußboden wegzustemmen. Roth hofft, dass noch vor Weihnachten die neue Sohle – also der neue Fußboden inklusive Bodenerwärmung – geschüttet werden kann. Angstgegner ist jedoch möglicher Frost; ein Wintereinbruch könnte den Zeitplan ad absurdum führen.

Wind und Wetter sind für Henning Jens und seine Kollegen kaum ein Hinderungsgrund: Sie arbeiten bereits seit drei Wochen am neuen Reetdach der Remise. 500 Quadratmeter Fläche ist fast komplett mit Reet aus Ungarn eingedeckt. Gut 35 Zentimeter dick ist die Schicht der Halme. Jens freut sich, eigene Ideen einfließen zu lassen – wie beim Übergang zu einem Erker. „Eigentlich sind wir Künstler – nur ohne Gage“, scherzt der Tarbeker. Und so zeigt sich hier bereits jetzt, wie es aussieht, wenn die beiden Gebäude später wieder im neuen, alten Glanz erstrahlen.

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erstellt am 01.Nov.2015 | 08:00 Uhr

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